Newsticker
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Impfung mit AstraZeneca erhalten
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Eine Stadtbergerin in Japan: Mehr als Sushi und warme Toilettensitze

Stadtbergen

10.01.2020

Eine Stadtbergerin in Japan: Mehr als Sushi und warme Toilettensitze

In Tokio lernte Rebecca Hörmann aus Stadtbergen (Mitte) gemeinsam mit anderen jungen Leuten, wie man Sushi macht.
3 Bilder
In Tokio lernte Rebecca Hörmann aus Stadtbergen (Mitte) gemeinsam mit anderen jungen Leuten, wie man Sushi macht.
Foto: Rebecca Hörmann

Plus Rebecca Hörmann aus Stadtbergen verbringt ein Jahr in Japan. Was die junge Frau in dem fremden Land liebt und worüber sie sich wundert.

Ein völlig fremder Kulturkreis, Schriftzeichen, die man nicht lesen kann, kaum europäisches Essen – für viele wäre eine Reise nach Japan ein echtes Abenteuer, das sie nur in einer geführten Reisegruppe wagen würden. Rebecca Hörmann aus Stadtbergen ist da um einiges mutiger: Die 20-Jährige verbringt gleich ein ganzes Jahr in Japan. Nur mit einem festen Ziel für die ersten paar Nächte in Yokohama ausgestattet, suchte sich die junge Frau auf eigene Faust einen Job und einen Platz zum Schlafen.

Deswegen hat sich Rebecca für Japan entschieden

Ausgerechnet Japan? Das fragen viele die 20-Jährige, vermutlich den skurrilen Film „Lost in Translation“ mit Bill Murray noch im Hinterkopf. „Für mich war schon seit Langem klar, dass ich nach der Schule erst einmal ins Ausland gehe“, erzählt die Stadtbergerin. Dabei suchte sie nach dem Abitur eine echte Herausforderung. „Viele gehen ja nach Australien, das ist ja langweilig, wenn man dort so viele Deutsche trifft“, meint sie.

Rebecca Hörmann
Foto: privat

Das Interesse an allem Asiatischen wurde bei Rebecca Hörmann schon früh geweckt – zum einen durch ihre Oma, die sich stark für China interessierte, zum anderen weil sie als Teenager viele Anime-Filme angeschaut hat und von Mangas fasziniert war. Ohne jemals überhaupt in Asien gewesen zu sein, wurde das Ziel Japan die vergangenen zwei, drei Jahre immer konkreter und sie fing an, für die Reise zu sparen.

Die ersten Wochen nach der Ankunft waren für die junge Frau sehr anstrengend: Immerhin musste sie sich zunächst eine Arbeitsstelle suchen, am besten in einem Hostel, wo sie auch schlafen kann oder in einem Sprachcafé. In Yokohama klappte das auch noch recht gut.

Vom japanischen Gedränge war sie zunächst überfordert

Anders in Tokio, wo sie erst einmal „total überfordert“ war von der Metropole, dem Gedränge, der schwierigen Orientierung: „Ständig habe ich mich verlaufen oder habe in der U-Bahn den falschen Ausgang genommen.“ Bei den weltweit berüchtigten Menschenmassen in der U-Bahn spürte sie am Anfang fast „klaustrophobische Anfälle“. Am Anfang fand sie Tokio furchtbar, aber inzwischen kennt sie sich ganz gut aus und genießt die Vorzüge.

Außerdem seien die Japaner einfach „so unglaublich nett, freundlich und hilfsbereit“. Nicht nur einmal haben Wildfremde sie zum richtigen Bahnsteig oder bis an ihr Ziel begleitet, als sie mal wieder die Orientierung verloren hat und rat- und mutlos herumstand. „Zum Glück bin ich ja schon von Weitem sofort als Ausländer zu erkennen“, denn mit ihrer Körpergröße von 1,84 Meter überrage sie die Asiaten um mindestens einen Kopf. „Ständig schlage ich mir an den Haltegriffen in der U-Bahn die Stirn an“, lacht sie.

Mit ihren 1,84 Meter Körpergröße überragt Rebecca die meisten Japaner. Gegen diesen Buddha in einem Tempel in Kamakura sieht die 20-Jährige aber winzig aus.
Foto: Rebecca Hörmann

Rebecca lernte andere junge Leute aus aller Welt kennen und gemeinsam haben sie viel unternommen. Zum Beispiel hat sie einen Sushi-Kurs besucht und dort gemerkt, dass sie es bisher immer falsch gemacht hat.

Die Jobsuche begann sehr holprig

Nur die Jobsuche war in Tokio zunächst ermüdend und frustrierend: „Da wird gesagt, man soll sich per E-Mail bewerben, ich habe aber nie eine Rückantwort erhalten.“ Einen Job fand sie schließlich in einem Tierasyl, wo sie sich um todkranke oder ausgesetzte Katzen und Hunde kümmert. Hier arbeitet sie zwar für Kost und Logis, aber dennoch droht ihr Budget in der Großstadt Tokio schneller zu schmelzen als erwartet. „Tokio ist wahnsinnig teuer“, sagt sie. Es kostet viel Geld, selbst die einfachsten Grundbedürfnisse zu finanzieren.

Sie überlegt, im April nach Südkorea zu reisen

Deshalb denkt sie über einen Ortswechsel nach Südkorea nach. „Aber erst Ende April, denn die Kirschblüte in Japan möchte ich auf keinen Fall verpassen.“ Außerdem kommt an Ostern noch eine Freundin zu Besuch, ihr Freund hat sie auch schon besucht.

Am Anfang musste Rebecca erst die Sitten der Japaner kennenlernen. So kann vor allem der Toilettengang einen Ausländer in Staunen versetzen. Nicht nur, dass es auf dem stillen Örtchen gar nicht still ist, sondern Musik spielt oder Vögel zwitschern (Japaner mögen es nicht, wenn von ihren Verrichtungen irgendetwas zu hören ist). „Außerdem haben die Toiletten eine integrierte Popo-Dusche und die Sitze sind beheizt“, berichtet Rebecca. Das sei allerdings sehr angenehm, denn in den japanischen Häusern und Wohnungen sei es oftmals eiskalt. „Die bauen nicht so massiv wie wir.“ Eine weitere positive Erfahrung war für Rebecca, dass ausnahmslos jede öffentliche Toilette „immer sauber ist, sogar am Bahnhof“. Auch Müll liegt nirgends herum, „denn hier hat jeder eine Tüte dabei, in die er seinen Müll steckt und mitnimmt“. Deshalb gebe es auch keine öffentlichen Mülleimer.

Bisher hat Rebecca kein Heimweh

Ob sie beim Gedanken an ihre Familie Heimweh verspürt? „Ich bin nicht so der Heimweh-Typ“, sagt sie gelassen. Sie sei selbst überrascht, wie gut sie alleine sein kann. „Es geht besser, als ich gedacht habe.“ Die neue Technik mit Skype, Internet und WhatsApp hilft natürlich enorm, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Mit ihrer Mutter spricht sie mindestens alle paar Tage.

So vermeidet man Fettnäpfchen in Japan:

  • Straßenschuhe anbehalten Beim Betreten einer Privatwohnung zieht man die Straßenschuhe aus und bereitgestellte Schlappen an. Achtung: Für den Gang zur Toilette stehen extra Schlappen bereit! Das kann auch in Restaurants der Fall sein. Dann muss man unbedingt daran denken, die Toilettenschlappen danach auch wieder auszuziehen.
  • Trinkgeld geben Es wird in Japan nicht erwartet und auch nicht angenommen.
  • Auf offener Straße essen schickt sich in Japan nicht.
  • Beim Essen die Stäbchen in den Reis stecken – das macht man nur bei einem Beerdigungsritual. Man gibt auch nie Essen von Stäbchen zu Stäbchen weiter. Das Aufspießen von Essensstücken mit den Stäbchen ist ebenfalls nicht gerne gesehen.
  • Sich selbst nachschenken, das macht man am Tisch gegenseitig.
  • Ungewaschen in die Badewanne, die ist zum Entspannen da, nicht zur Körperreinigung. Noch mehr zu beachten gibt es in einem öffentlichen Bad mit heißen Quellen, einem sogenannte Onsen. Dort wird nach Geschlechtern getrennt zuerst geduscht, dann nackt gebadet und danach entspannt. (dav)

Wer mehr über Rebecca und ihre Reise erfahren möchte: Sie führt im Internet einen Reise-Blog, wo sie ihre Erlebnisse schildert.


Hiermit endet unsere Serie "Zeitenwende". Lesen Sie, was bereits erschienen ist:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren