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Langweid, Stadtbergen

03.01.2021

Eine Zeitenwende für zwei Frauen - trotz Corona

Vor einem Jahr: Katharina Schneider (links) und ihre Frau Ines  mit ihrem Sohn Moritz. Inzwischen läuft der kleine Bub und bringt das Leben seiner Mütter ganz schön durcheinander.
Bild: Marcus Merk

Plus Eine ehemalige Top-Sportlerin wird Mutter, eine junge Frau plant ein Jahr in ihrem Traumland Japan. Corona hat ihr Leben verändert - mal mehr, mal weniger.

Ein Mann, der sein halbes Leben als Pilot verbracht hat, und ein anderer, der ein gesamtes Berufsleben als Bürgermeister tätig war, und die nun beide am Übertritt ins Rentenalter standen - das waren nur zwei der Personen aus dem Landkreis, die wir vor einem Jahr unter dem Motto "Zeitenwende" an ihrem Wechsel in einen neuen Lebensabschnitt porträtiert hatten. Sie sprachen dabei über ihre Pläne und Hoffnungen. Doch dann kam Corona und wirbelte alles durcheinander. Wie ist es ihnen seitdem ergangen?

20 Jahre lang war Katharina Schneider, im Hauptberuf Richterin, eine Top-Tischtennisspielerin. Doch dann war Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. 2020 war für Katharina Schneider ein ganz besonderes Jahr. Am 13. Januar hat sie Moritz adoptiert. Der ist inzwischen 16 Monate alt, läuft durchs Ende 2018 frisch bezogene Haus und "erzählt den ganzen Tag Geschichten, die wir leider nicht verstehen“, lacht die 35-Jährige. Moritz war bis zu diesem Datum der Sohn ihrer Ehefrau Ines. Nun ist der aufgeweckte Junge ihr gemeinsames Kind. Nach ihrer Hochzeit hatten sich die beiden Frauen für eine anonyme Samenspende entschieden. Bei der Geburt war Katharina Schneider selbstverständlich dabei.

Der Kleine ist der neue Herr im Haus

"Wir haben viel Spaß mit Moritz. Er ist eindeutig der Herr im Haus und zeigt uns ganz genau, was er will“, erzählt die ehemalige Jugend–Europameisterin im Tischtennis, die mit dem TTC Langweid zweimal deutsche Meisterin wurde. Die Elternzeit hat sich das Ehepaar aufgeteilt. Seit einigen Wochen geht Moritz jetzt in die Kita. Katharina Schneider, von Moritz "Mami“ genannt, arbeitet wieder als Richterin am Amtsgericht, "Mama“ Ines Schneider ist als Beamtin im kommunalen Außendienst der Stadt München ins Tiefbauamt der Stadt Augsburg gewechselt.

„Es geht uns gut“, sagt Katharina Schneider. Und hofft, dass dies auch in Corona-Zeiten so bleiben wird. „Wir haben schon leichte Panik, dass es uns treffen könnte. In Moritz’ Kita hat es schon Quarantänefälle gegeben.“ Um nichts zu riskieren, hat man in diesem Jahr an Weihnachten auf Verwandtschaftsbesuche in Reichertshofen bei Ingolstadt und Halle an der Saale verzichtet. "Wir haben ganz klein zu Hause gefeiert“, erzählt Katharina Schneider. Was sie sich für die Zeit nach Corona wünscht: "Endlich wieder unbeschwert Freunde zu treffen und mal wieder Tischtennis in der Halle zu erleben.“

Ein zerplatzter Traum vom Jahr im Ausland

Ein Jahr in Japan - das war der Traum von Rebecca Hörmann aus Stadtbergen. Während andere junge Leute sich gerade einmal in ein anderes Land der Europäischen Union wagen, musste es für sie ganz weit weg gehen. Als Kind und Jugendliche liebte sie Mangas und Anime, die japanischen Entsprechungen für Comics und Zeichentrickfilme. Sie hatte nur für ihre paar Nächte in Japan geplant, dann wollte sie sich einen Job suchen und das Jahr genießen. Doch freilich kam es anders. In einer aufregenden Aktion erwischte sie schließlich den letzten Platz im letzten Flieger nach Deutschland vor dem Shutdown in Japan im Frühjahr. Tränen flossen damals nicht allein wegen des Abflugs in letzter Minute, sondern auch wegen des zerplatzten Traums.

Ein Jahr lang wollte Rebecca Hörmann aus Stadtbergen in Japan bleiben. Es kam anders. Wegen Corona musste sie früher zurück. Und fiel erst einmal in ein Loch.
Bild: Sabine Hörmann

Rebecca Hörmann denkt zwar immer noch oft sehnsüchtig an Japan, blüht aber nun in einer neuen Herausforderung auf: Mitte September begann ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin. "Nach der Rückkehr aus Japan ging es mir zeitweise nicht gut, ich habe mich einsam gefühlt und mich gefragt, ob ich vielleicht doch zu früh zurückgekommen bin", sagt Rebecca Hörmann. Sie hatte das Land nach einem halben Jahr fluchtartig verlassen und so gerade eben den letzten Flieger erwischt, bevor das Coronavirus eine Ausreise unmöglich gemacht hätte. Der Traum von sechs weiteren Monaten in Japan mit spannenden Abenteuern war damit geplatzt.

Was fehlte, war zunächst eine Aufgabe

"Mir fehlte hier einfach eine Aufgabe", sagt die 21-jährige Rebecca Hörmann über die Zeit nach der Rückkehr. Das hat sich geändert. Derzeit heißt es für Rebecca Hörmann: lernen, lernen, lernen. "Die Ausbildung hat zwei Wochen später angefangen und die geben in der Schule jetzt richtig Gas", sagt sie. Zwar blieb es zunächst beim Präsenzunterricht, solange das möglich war, die Regeln sind allerdings streng: Rebecca Hörmann sitzt alleine an einem Zweiertisch, in den Pausen muss sie dort entweder bleiben oder sich stets mit 1,5 Metern Abstand zu ihren Klassenkameraden bewegen. Dieser Abstand führt auch dazu, dass viele praktische Inhalte nur abstrakt behandelt werden können. "Teilweise verstehe ich die Sachen deshalb nicht und teilweise kommt man sich auch ganz schön blöd vor, wenn man zwei Personen gleichzeitig verkörpern soll, da Übungen mit Partner nicht möglich sind", sagt Hörmann. Und doch: Das Leben geht weiter.

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