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Aystetten

08.04.2015

Eine besondere Wohngemeinschaft

Die Stimmung unter den jungen Männern der Wohngruppe Passarello in Aystetten ist gut: Die minderjährigen Flüchtlinge bräuchten aber noch einige Dinge für das tägliche Zusammenleben in einem Haus.
Bild: Anita Hilpert

In Aystetten leben neun junge Männer zusammen. Sie teilen den Alltag, die Freuden und die Probleme

Ihre Wünsche für die Zukunft sind konkret: Automechaniker möchten sie werden, Bürokaufmann oder Lkw-Fahrer. Einer will sogar den Beruf des Arztes ergreifen. Der Weg, der hinter ihnen liegt, ist mindestens so weit, wie der Weg nach vorne. Aber der erste Schritt ist getan, der Deutschkurs zeigt Erfolg, eine Unterhaltung mit den Jugendlichen ist gut möglich. Hoch motiviert und fröhlich zeigen sich die Bewohner des Hauses „Passarello“ in Aystetten an ihrem Tag der offenen Tür.

Das Wohnhaus liegt mitten im Ort, ein Garten ist rundherum. Es geht zu wie in einem Bienenstock. Die Besucher geben sich die Tür-klinke in die Hand. „Wir wohnen gleich drei Häuser weiter, wir möchten sehen, wie die Jugendli-chen wohnen und wer sie sind“, so eine Nachbarin.

Bei einer Führung durch das Haus wird klar, den neun 15- bis 18-jährigen Bewohnern geht es gut hier, wenngleich auch ihre Geschichte tiefe Spuren in den Seelen hinterlassen hat. Einige sind von Eritrea bis nach Äthiopien gelaufen, haben sich durch den Sudan geschlagen bis sie in Libyen auf ein Boot Richtung Italien gestiegen sind. Von dort sind sie über den Landweg mit Zügen bis nach Deutschland gelangt, wo sie in München in der Bayernkaserne ihre Erstaufnahme fanden und vom Münchner Jugendamt in Bayern verteilt wurden.

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„Es sind Jugendliche, die unvorstellbare Strapazen auf sich genommen haben, wir hoffen natürlich, dass alle laufenden Asylverfahren positiv entschieden werden“, so Judith Marz von „Eltern für Afrika e.V.“, einem anerkannten Kinder- und Jugendhilfeträger, der die Betreuung der jungen Erwachsenen übernommen hat. „Die jungen Männer machen alles selber, sie halten das Haus in Ordnung, sie kochen selbst und putzen auch“, führt Marz weiter aus.

Ein geregelter Alltag ist das Ziel für die Minderjährigen, die aus Nigeria, Eritrea und Gambia kommen. „Wir sind immer wieder auf Spenden angewiesen, denn es ist nicht viel Geld da für Neuanschaffungen“, so die Leiterin. Ein Glücksfall war es, dass der neue Besitzer des Hotel Drei Mohren in Augsburg die Möbel aus den alten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. So steht in jedem Zimmer ein Schreibtisch, eine Lampe und es sind gute Betten vorhanden. Gewohnt wird in Einzel- und Doppelzimmern. Es gibt richtige Talente unter den Bewohnern, so brachte ein Läufer bereits einen Pokal vom Silvesterlauf in Gersthofen für die Wohngruppe mit. In einem Zimmer fallen die bunten Bilder auf, es sind schöne afrikanische Motive, darunter auch Abbildungen, die zum Nachdenken anregen. Die traumatischen Erlebnisse der Flucht sowie das harte Leben in ihren Heimatländern finden hier ihren Weg auf die Leinwand. „Ein großer Wunsch wäre es, eine weitere Immobilie hier in der Region zu finden, damit wir auch noch eine Wohngruppe für junge Mäd-chen aufmachen können“, erklärt Marz, „die Aufnahme in Aystetten ist sehr herzlich, wir freuen uns darüber. Ich hoffe, dass die Bürger nach diesem Tag der offenen Tür noch weniger Scheu haben auf die Jugendlichen zuzugehen und sie auch anzusprechen“, so Marz wei-ter.

Es fehlen noch Dinge im und um das Haus. So wäre die Wohngruppe dankbar für einen Rasenmäher, Dekoartikel, Werkzeug, Fahrradpumpen und -schlösser, Schlafsäcke, Zelte, Sporttaschen, Badehosen, Schreibwaren, Bastelzeug, Fahrradtaschen, Geschirrtücher, Picknick-Decken, Kabeltrommel, einen Grill und eine Tischtennisplatte.

BeiInteresse an einer Spende der genannten Dinge können Sie unter der Telefonnummer 0821/519966 die Leiterin Frau Merz erreichen.

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