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Gersthofen

29.04.2014

Einen Sommer lang Weihnachten

Mit ihrer ganz eigenen Weihnachtsgeschichte, nämlich der Auflösung des Weihnachtswahnsinns der letzten Monate, sorgen die Moidl Mam und ihr Doktor für große Augen bei der an der Nase herumgeführten Familie: (von links) Lydia Braun, Regina Stanglmeier, Wolfgang Schwarzer, Oliver Klein, Lukas Kiermeyr und Christl Dittmann.
Bild: Sonja Diller

  Theaterverein begeistert mit der Komödie „Da Austrags-Schwindel“ in der Stadthalle

Von Sonja Diller

 Ganz schön abgefeimt zieht die „Moidl Mam“ ihre Familie über den Tisch und treibt sie mit ihrer angeblichen Weihnachts-Psychose fast in den Wahnsinn. Denn wer brennt zu Ostern schon gerne Sternwerfer ab und schmückt im Mai immer wieder neue Weihnachtsbäume. Doch genau das schafft die schlaue Austragsbäuerin, von Lydia Braun in ihrem 50. Bühnenjahr trefflich verkörpert, fast ein ganzes Jahr lang.

Mit der Komödie „Da Austrags-Schwindel“ von Peter Landstorfer brachte das Theater Gersthofen mit Unterstützung der Bühnenfreunde Augsburg und Regisseur Peter Eder ein amüsantes Stück Unterhaltung auf die Bühne der Stadthalle. Die detailreiche Ausstattung, bei der nicht einmal der vorweihnachtliche Schneefall fehlte, gefiel den zahlreichen Zuschauern der beiden Vorstellungen ganz besonders gut.

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Der verstorbene Ehemann der Moidl Mam, der Gemüsebauer Karl Ackermayr, hat gut vorgesorgt: mindestens fünf Jahre lang soll seine Frau nach seinem Tod noch einen komfortablen Austrag genießen. So steht es im Testament geschrieben. Sollte sie vor Ablauf der fünf Jahre versterben, geht der Hof mit allem drum und dran aber nicht an die Familie, sondern an die Kirche, ist darin festgelegt.

In der Adventszeit am Ende des vierten Austragsjahres überlegt sich die ausgesprochen fidele Witwe eine List, um ihre Familie noch mal so richtig auf Trab zu bringen. Nach Weihnachten würde sie ganz bestimmt sterben, gibt sie nachlassende Kräfte vor und überzeugt ihren Arzt und Freund Dr. Thomas Dudlhofer (Lukas Kiermeyr), bei dieser Komödie mitzumachen. So ein verfrühtes Ableben ist vor dem Hintergrund des dummen Testaments auf jeden Fall zu vermeiden, ist sich die Familie einig, und so bleibt die Zeit auf dem Ackermayr Hof in der Vorweihnachtszeit stehen. Mitbekommen soll aber niemand etwas von den seltsamen Vorgängen und so wird es schon recht verzwickt, wenn sich Besucher wundern, weil mitten im Sommer frische Weihnachtsplätzchen auf dem Tisch stehen und die Familienmitglieder bei größter Hitze mit Mütze und Schal zur Oma gehen.

Die verlangt zwar ständig nach Punsch, Weihnachtstee und Adventsgebäck, lässt die Köstlichkeiten aber schnell in Tüten verschwinden und beißt herzhaft in die Leberkässemmeln und ähnliche Leckereien, die ihr der treu sorgende Doktor bringt. Mit dessen selbst gebranntem Obstler und Marillenbrand machen sich die beiden so manch lustigen Nachmittag und amüsieren sich über das von der „Mam“ angerichtete Chaos.

Ganz verzweifelt ist das Hausfaktotum Franzl Krautinger, von Oliver Klein herrlich simpel auf die Bühne gebracht, über das ständige Christbaumschleppen. Denn natürlich müssen die Bäumchen in der Austragsstube bei steigenden Temperaturen regelmäßig ausgetauscht werden. Der Giggerl Girgl (Peter Eder) sitzt im August noch auf der bestellten Weihnachtsgans und beginnt ernsthaft an seinem Verstand zu zweifeln als er bei einem Besuch auf dem Ackermayrhof Weihnachtsmelodien hört. Die Dandlerin (Christine Gabelberger) riecht den Braten schon lange und ist sich nach einem Besuch bei der Oma sicher: Hier spinnt jemand ganz gewaltig!

Als die Moidl Mam dann auch noch im August nach einem Besuch des heiligen Nikolaus verlangt, können sich ihr Sohn Karl (Wolfgang Schwarzer) und seine Frau Agnes (Christl Dittmann) samt Tochter Christl (Regina Stanglmeier) nur noch mit dem Gedanken an das nahende Jahresende aufrecht halten.

Kurz vor der nächsten Adventszeit macht die Moidl Mam dann reinen Tisch und sorgt für Fassungslosigkeit bei ihrer drangsalierten Familie. Es wäre doch alles nur ein Scherz gewesen, und von nun an könne man ganz alleine auf dem Hof schalten und walten, denn die Mam würde sich nun verabschieden. Und zwar nicht auf den Friedhof, sondern mit dem Doktor in dessen Häuschen nach Südtirol, teilen die beiden turtelnden Spaßvögel der verdutzten Familie mit.

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