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Horgau

13.03.2018

Einheimische haben bei neuen Wohnungen Vorrang

An der Greuterstraße soll ein neues Wohngebiet entstehen. Am Montag wurde mit dem Spatenstich der erste Bauabschnitt eingeweiht.
Bild: Marcus Merk

In Horgau sollen bezahlbare und barrierefreie Wohnungen für Studenten, junge Familien, Senioren und Behinderte entstehen. Jetzt beginnt der erste Bauabschnitt. Wie man sich für die neuen Wohnungen bewerben kann.

Bezahlbaren Wohnungen zu finden, ist für viele Menschen auf dem Land schwierig. Studenten ergattern günstige Wohnungen meist nur in der Stadt. Junge Familien mit Kindern können es sich oft nicht leisten, ein Haus zu bauen. Und Senioren müssen ihr Zuhause verlassen, weil sie daheim nicht mehr alleine leben können. Diese Probleme geht die Gemeinde Horgau mit einem Wohnprojekt namens „Lebenswiese“ an. Am Montagvormittag war der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt.

Auf einem 1,7 Hektar großen Grundstück an der Greuterstraße sollen insgesamt 85 Wohneinheiten entstehen. Im ersten Bauabschnitt errichtet die Baufirma Deurer zunächst 43 öffentlich geförderte Wohnungen. Nur Menschen mit einem Berechtigungsschein dürfen dort einziehen. Unternehmer Markus Deurer erklärt: „Die Berechtigung richtet sich nach der Höhe des Einkommens. Verdient man aber mehr als 70000 Euro im Jahr, kommt man nicht mehr infrage.“

Ab sofort kann man sich bewerben

Wer sich für eine Wohnung interessiert, kann sich ab sofort bei dem Bauunternehmen bewerben. „30 Anfragen haben wir schon, die finale Entscheidung treffen wir aber erst, wenn wir diese Woche die Baugenehmigung haben“, sagt Deurer. Interessenten sollen zuerst einen Beratungstermin vereinbaren. Kann Deurer ihnen eine Wohnung anbieten, leitet das Unternehmen sie an das Landratsamt Augsburg weiter. Dort müssen die Interessenten ihr Einkommen nachweisen und Angaben zum Familienstand machen. Ein Beispiel: Eine Dreizimmerwohnung mit Küche und Bad bekommen nur Eltern, die bereits ein Kind oder einen Kinderwunsch haben. Dann bekommen sie den Berechtigungsschein für eine Wohnung in einer bestimmten Größe. Legen die Interessenten den Schein bei Markus Deurer vor, erhalten sie schließlich den Mietvertrag. Er betont zudem: Im Fall von Horgau würden sie bei Interessenten auf die gleiche Wohnung den Einheimischen den Vorzug geben.

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Zu den geförderten Wohnungen kommen im zweiten Bauabschnitt frei finanzierte Einheiten und betreutes Wohnen hinzu, als Letztes werden Reihenhäuser gebaut. Die Sozialstation Zusmarshausen wird sich um die Senioren kümmern. Gemeinderätin Anja Dordelmann findet das wichtig: „Dann können Ältere, die nicht mehr alleine zurechtkommen, hier bleiben und müssen nicht weit weg in ein Heim ziehen.“ Auch ihr Kollege Josef Steinle betont: „Die Lage ist ideal. Denn es gibt eine Bushaltestelle und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.“

Beim Bürgerentscheid waren 80 Prozent dafür

In der Gemeinde gab es aber auch Bürger, die gegen das Projekt protestierten. Gemeinderätin Dordelmann fasst die Argumente der Gegner zusammen: „Die Häuser werden zu hoch und versperren die Sicht, der Komplex passt nicht zum Dorfleben, es kommen zu viele Fremde in den Ort.“ Die Proteste gipfelten sogar in einen Bürgerentscheid. Die Horgauer stimmten aber mit knapp 80 Prozent für die Lebenswiese. Gemeinderätin Dordelmann sagt: „Das ist ein gutes Beispiel für Demokratie. Es gab eine Abstimmung, das Ergebnis muss man jetzt auch akzeptieren.“ Das sei in Horgau auch gelungen, die Spannung, die zwischenzeitlich geherrscht habe, habe sich mittlerweile wieder gelöst.

Der Bürgermeister fordert noch mehr sozialen Wohnungsbau

Elke Klein ist darüber besonders froh. Sie ist Vorsitzende der „Trauminsel“, ein Wohnprojekt für Menschen mit Behinderungen, die im Alltag besonders viel Hilfe benötigen. Ihre Tochter Rebecca ist Autistin und wird mit sechs anderen erwachsenen Kindern in die Trauminsel einziehen: „Im Heim wären alle total unterversorgt. Hier können sie endlich ein inklusives Leben mitten in der Gesellschaft führen.“

Auch Bürgermeister Thomas Hafner freut sich, dass es endlich losgeht und 2019 die Ersten einziehen können. Doch er äußert auch Kritik an Staatssekretär Johannes Hintersberger, der zum Spatenstich gekommen ist: „Auch wenn das Projekt von der bayerischen Staatsregierung gefördert wird. Seit den 80er-Jahren hat sich der soziale Wohnungsbau gedrittelt. Ich finde, da muss wieder mehr passieren.“

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