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Landkreis Augsburg

19.11.2020

Einzelhändler im Landkreis Augsburg hoffen auf normales Weihnachtsgeschäft

Das Weihnachtsgeschäft ist die wichtigste Zeit des Jahres für viele Ladenbesitzer.
Bild: Marcus Merk

Plus Trotz der Corona-Zahlen bleiben die Einzelhändler im Landkreis Augsburg für das Weihnachtsgeschäft optimistisch. Amazon ist der große Konkurrent.

Gerda Drüssler ist schon im Weihnachtsgeschäft. Sie betreibt Schreibwaren Nettel in Gersthofen. Neben Papier und Stiften verkauft sie auch Weihnachtsdekoration und Geschenkartikel. Sie ist schon im Weihnachtseinsatz: "Das Geschäft läuft langsam an, aber ist noch nicht berauschend", sagt sie. Sie liegt etwa zehn bis 20 Prozent unter dem normalen Umsatz für diese Zeit. Viele Leute würden sich nicht auf die Straße trauen. Zudem verderbe die Maskenpflicht vielen den Spaß am Einkaufsbummel. So wie ihr geht es vielen Geschäften, warnt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben.

Eine Plexiglasscheibe schützt die Kassiererin im Edeka Neusäß vor Ansteckung.
9 Bilder
Einkaufen in Zeiten von Corona
Bild: Marcus Merk

Die IHK Schwaben warnt vor leeren Kassen im Einzelhandel

"Die Händler müssen ihre Geschäfte nicht schließen, aber die Kassen bleiben trotzdem leer", teilt der Verband der schwäbischen Unternehmer mit. Viele der 8500 Einzelhändler im Wirtschaftsraum Augsburg (Stadt und Landkreis Augsburg und Landkreis Aichach-Friedberg) seien ähnlich hart betroffen wie während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Ende September seien die Ladenbesitzer noch überzeugt gewesen, das Schlimmste überstanden zu haben.

"Dann kamen steigende Inzidenzzahlen, Lockdown und leere Geschäfte", wird Peter Schöffel von Schöffel Sportbekleidung zitiert Die Einnahmen seien seit Beginn des zweiten Lockdowns im November deutlich gesunken. Gerade Läden außerhalb des täglichen Bedarfs bekämen das zu spüren. Das könnte für viele Einzelhändler zum Problem werden, denn die Zeit um Weihnachten gehört zu den umsatzstärksten des Jahres.

Einzelhändler im Landkreis Augsburg sind trotz Corona optimistisch

Spiel + Freizeit in Gersthofen rechnet hingegen mit überdurchschnittlichen Umsätzen für das Weihnachtsgeschäft: "Die Leute konnten nicht in Urlaub fahren und viele haben Staatshilfen bekommen. Wir rechnen damit, dass sie das in Weihnachtsgeschenke investieren", sagt Karl-Heinz Pfleger, der Leiter des Spielwarengeschäfts. Ab kommendem Montag rechnet er mit dem Start des Weihnachtsgeschäfts. Die Verkaufsschlager in diesem Jahr seien vor allem Brettspiele und Puzzles gewesen. Auch komplexe Lego-Modelle, etwa von Star-Wars-Raumschiffen, für Erwachsene seien im Trend. Pfleger rechnet ebenso damit, dass sie zu beliebten Weihnachtsgeschenken werden.

Lego-Bausätze und Gesellschaftsspiele liegen dieses Jahr voll im Trend.
Bild: Marcus Merk

Auch der Handelsverband Bayern rechnet trotz allem mit einem ordentlichen Weihnachtsgeschäft im November und Dezember. 220 Millionen Euro Umsatz hat der Verband für den Landkreis Augsburg auf Basis einer Umfrage unter potenziellen Kunden prognostiziert. Allerdings wird dieser Umsatz sich wohl deutlich verlagern. 36 Millionen Euro oder 19 Prozent davon werden über den Onlinehandel erzielt werden - ein Rekord.

Einzelhandel und das Weihnachtsgeschäft / Was sind die Trends ? / im Bild Brettspiele bei Spiel und Freizeit Gersthofen
Bild: Marcus Merk

Auch Senioren erledigen ihren Einkauf öfter im Internet

Pressesprecher Bernd Ohlmann rechnet damit, dass diese Zahl am Ende sogar noch deutlich höher sein wird. "Gerade ältere Leute haben während der Pandemie gemerkt, wie einfach es ist, im Internet einzukaufen", wertet Ohlmann die Ergebnisse der Untersuchung aus. 89 Prozent der über 75-Jährigen und 70 Prozent der 56- bis 74-Jährigen aus Bayern haben angegeben, mehr im Internet einzukaufen als vor der Pandemie. Diese Altersgruppen haben auch das meiste Geld zur Verfügung und planen am meisten für Geschenke auszugeben. Aber auch jüngere Menschen geben an, mehr im Internet einzukaufen. "Davon profitieren gerade die Onlineversandhäuser wie Amazon, weil sie auch den Versand für normale Geschäfte übernehmen", erklärt Ohlmann. Dafür bekommen sie dann einen Anteil des Umsatzes. Amazon nimmt zum Beispiel 40 Prozent.

Auch spezialisierte Geschäfte werden es schwer haben, glaubt Ohlmann. "Der Trend geht in der Corona-Krise ganz klar zum One-Stop-Shop", beobachtet er. Also zum "Ein-Halt-Laden", der viele unterschiedliche Waren anbietet, sodass man nur ein Geschäft besuchen muss. "Das hat wohl mit der Ansteckungsangst zu tun", sagt er. Damit werde es allerdings schwer für Geschäfte mit einer spezialisierten Warenpalette, denen so Marktanteile verloren gehen.

Einzelhändler im Landkreis Augsburg fürchten, Geschäfte schließen zu müssen

Gerd Hutner von Spielwaren Hutner in Gessertshausen rechnet trotzdem mit einem normalen Weihnachtsgeschäft trotz ausfallender Feiern und Weihnachtsmärkte: "Hier im ländlichen Bereich haben wir davon eh nicht viel gehabt", sagt er. Am "Black Friday" dem letzten Freitag im November, soll es losgehen. An diesem Tag beginnt traditionell das Weihnachtsgeschäft in den USA. Eine Tradition, der auch immer mehr Deutsche folgen, seit die großen Onlinehändler begonnen haben, den Tag mit Sonderangeboten zu bespielen. Ganz sorgenfrei ist Hutner aber nicht: "Solange wir nicht wieder zugemacht werden, habe ich keine Sorgen. Wenn doch, könnte es düster werden", befürchtet er.

Gerd Hutner in Gessertshausen verkauft Spielwaren in Gessertshausen.
Bild: Marcus Merk

Auch Drüssler aus Gersthofen macht sich Sorgen, wieder zumachen zu müssen: "Das wäre katastrophal für uns", sagt sie. Noch einmal vier Wochen ohne Einnahmen könne ihr Geschäft nur schwer verkraften. Aber sie will die Hoffnung nicht aufgeben. Zudem gehen manche ihrer Artikel sogar besser als sonst: "Weihnachtsdekoration geht gerade extrem gut. Wenn die Leute schon nicht rausgehen, wollen sie es sich wenigstens zu Hause schön machen".

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