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Landkreis Augsburg

25.03.2020

Einzelhändler in der Coronakrise: „Wir hoffen auf den lieben Gott“

Kunden gehen auf Abstand: In Zeiten der Corona-Pandemie leiden die Einzelhändler im Augsburger Land unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Plus Auch in Neusäß leiden Firmen unter dem Nachfragerückgang. Zwei Beispiele, wie Geschäftsleute damit umgehen und was ihnen die Hilfen des Staates bringen.

Leonidis Karakostas will die Ruhe bewahren: „Depressiv oder aggressiv zu werden, bringt auch nichts“, meint der Grieche. Er möchte nicht, dass seine Kinder von seiner schwierigen beruflichen Situation erfahren. Sie seien noch zu klein dafür. Karakostas betreibt das Restaurant Limani in der Siegfriedstraße in Neusäß. Zumindest noch.

„Wir haben unseren Laden erst mal zugemacht“, sagt er. Er hätte vor den Einschränkungen durch die Staatsregierung abends das meiste Geschäft gehabt. Da Lokale nach 15 Uhr nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten dürfen, würde sich eine Öffnung für ihn nicht mehr rechnen. Als er schließen musste, sei er erstmal schlecht drauf gewesen: „Ich wollte eine Weile alleine sein“, erzählt er. Er weiß nicht wie lange er noch hat, bevor er für immer schließen muss: „Ich hoffe einfach, dass die Pandemie schnell vorbeigeht.“

Einzelhändler in der Coronakrise: „Wir hoffen auf den lieben Gott“

Corona-Krise: Einzelhändler kämpfen um ihre Existenz

Zwei bis drei Wochen könnte er noch so weitermachen, schätzt er. Dann würden Miete und Versicherung zu viel werden. Karakostas hat ein anderes Unternehmen, das geöffnet bleibt: „Ich betreibe noch eine Waschstraße, aber da ist der Umsatz auch radikal zurückgegangen“, sagt er. Die Leute hätten Angst, rauszugehen. Er habe eine siebenstellige Summe Geld in die Waschanlage investiert.

Sibylle Frisch-Lerf vom Kärcher-Center Frisch hat noch offen. Ihr Unternehmen repariert Hochdruckreiniger der Firma Kärcher. Das Kärcher-Center gilt als Handwerksbetrieb. Ihr Geschäft sei, bis auf die Werkstatt, lahmgelegt und ihr Außendienst stark eingeschränkt. Unternehmen müssen zwar in nächster Zeit mehr auf Hygiene achten, aber sie ist skeptisch, dass ihr das hilft: „Wir machen ja keinen aktiven Verkauf. Und viele Unternehmen nutzen lieber einen Putzeimer, statt einem Hochdruckreiniger“, sagt sie. Das sei günstiger. Trotzdem habe sie noch gelegentlich neue Kunden. Auch sie ist verunsichert: „So etwas wie die Coronakrise ist noch nie da gewesen. Trotzdem laufen die Kosten weiter“, sagt sie.

Eine Plexiglasscheibe schützt die Kassiererin im Edeka Neusäß vor Ansteckung.
9 Bilder
Einkaufen in Zeiten von Corona
Bild: Marcus Merk

Sie würde jetzt anfangen, zu sparen. Sie wolle erst einmal auf Kurzarbeit für ihre 19 Angestellten verzichten: „Ein paar davon sind seit 20 Jahren in der Firma. Die wollen wir nicht hängen lassen“, sagt sie. Es sei ihr wichtig, loyal zu sein. Sie leite schließlich ein Familienunternehmen.

Es ist unklar wann die Staatshilfen kommen

Von den Soforthilfen der Staatsregierung konnte sie noch nicht profitieren: „Das Hilfspaket unterliegt gewissen Vorgaben, die wir nicht erfüllen“, sagt sie. So muss liquides Kapital erst mal vollständig aufgebraucht sein. Die Hilfe sei aber bei der Größe ihres Unternehmens auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie die Einkommenssteuer stunden müsse.

Karakostas hat schon um Unterstützung gebeten:„Ich habe Kurzarbeit und Soforthilfen der bayerischen Regierung beim Regierungsbezirk Schwaben beantragt“, sagt er. Die Bürokratie hielt sich in Grenzen: „Beides war nur ein DIN-A4-Blatt, das sehr leicht auszufüllen war“, erinnert er sich.

Bei beiden Anträgen habe er keine Anhaltspunkte, wie lange es dauert, bis das Geld fließt. „Wenn uns wirklich das Ostergeschäft verloren geht, brauchen wir die Unterstützung“, befürchtet er. Bis seine Anträge bewilligt werden, hofft er auf andere Hilfe: „Wir hoffen, dass der liebe Gott uns unterstützt.“

Hilfe für Unternehmen

  • Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern gibt es eine Reihe von Notfallmaßnahmen der bayerischen Regierung.
  • Das Landratsamt hat unter www.landkreis-augsburg.de/corona-unternehmen eine Übersicht angelegt.
  • Soforthilfen bietet das bayerische Wirtschaftsministerium, wenn Kapital fehlt, um laufende Kosten zu bedienen. Die Höhe richtet sich nach der Angestelltenzahl. Auch Freiberufler und Selbstständige können darauf zugreifen. Antragsformulare gibt es unter: www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona
  • Fragen kann man bei folgender E-Mail-Adresse vom Landratsamt Augsburg beantwortet bekommen: wirtschaftsfoerderung@LRA-a.bayern.de
  • Bundeshilfen Auch der Bund hat Hilfsprogramme aufgelegt. Darunter Einmalzahlungen, Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Informationen gibt es auf bmwi.de

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