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Soziales

09.01.2019

Einzelhandel macht sich für Spital stark

In vielen Dinkelscherber Geschäften hängen Plakate gegen die Schließung des Seniorenheims.
Bild: Michael Kalb

Was das geplante Heim-Aus für die Geschäfte in Dinkelscherben bedeutet, zeigen nicht nur gelbe Zettel

Überall in den Schaufenstern der Dinkelscherber Geschäfte sind die großen gelben Plakate zu sehen. Sie sehen aus wie Ortsschilder, doch sie haben eine ganz andere Botschaft. „Wo bleibt der kirchliche Beistand?“ steht da. Oder: „Domdekan von Ostrach würde sich im Grabe umdrehen.“ Mit dieser Plakat-Aktion kämpfen die Gewerbetreibenden in Dinkelscherben für den Erhalt des Seniorenheims. Denn das Heim spiele auch eine wirtschaftliche Rolle für den Markt.

Die Idee dazu hatte die Ladenbesitzerin Birgit Mayer-Lutz. „Ich habe mir überlegt, wie wir Gewerbetreibende uns dem Protest gegen die Schließung anschließen und ein Zeichen setzen können“, sagt die Einzelhändlerin. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsförderverein dachte sie sich dann rund 25 Sprüche für die Plakate aus. „Gerade jetzt, wo viele Leute auch zum Schäfflertanz durch die Straßen ziehen, erhoffen wir uns dadurch noch mehr Aufmerksamkeit“, sagt Mayer-Lutz. Die Aktion wurde gut angenommen, denn schon am ersten Tag waren alle 50 gedruckten Plakate vergriffen und es musste noch einmal nachproduziert werden.

In erster Linie gehe es bei der Plakat-Aktion nicht um die wirtschaftlichen Interessen, erklärt Paul Schreiber vom Dinkelscherber Wirtschaftsförderverein. „Wir wollen uns mit den Gegner der Schließung solidarisch zeigen.“ Schreiber kritisiert vor allem die mangelnde Transparenz in der Diskussion zum geplanten Heim-Aus.

Als Hintergrund gilt vor allem der Zustand des rund 400 Jahre alten Spitals. Das Gebäude entspreche nicht mehr den hohen Anforderungen des Gesetzgebers, erklärt die Hospitalstiftung, der das Seniorenheim gehört. Eine Sanierung sei schlicht zu teuer.

Der Wirtschaftsverband bietet der Spitalstiftung hingegen seine Unterstützung bei einer möglichen Sanierung an. Schreiber: „Bei uns sind zum Beispiel Malermeister oder Zimmermänner im Verband. Da könnte man sicher auf dem kurzen Dienstweg helfen.“

Eines der Geschäfte, das an der Plakat-Aktion teilnimmt, ist die Metzgerei Strobl. Die sei wirtschaftlich zwar nicht unmittelbar von einer Schließung des Spitals betroffen, erklärt Brigit Strobl. Dennoch wolle man sich solidarisch zeigen. Strobl: „Wir sind auf ein Seniorenheim in der Nähe angewiesen.“ Viele Dinkelscherben hätten Angehörige, die dort leben oder eine persönliche Beziehung zu der Einrichtung haben. Dass es nun vor allem ums Geld geht, kann Strobl nicht verstehen.

Andere Geschäftsleute in der Marktgemeinde befürchten auch einen finanziellen Schaden durch den möglichen Wegfall des Seniorenheims. Gabi Jelting gehört eine Apotheke im Ort. Schon in dritter Generation beliefere sie das Spital mit Medikamenten. Sollten die Bewohner tatsächlich umziehen müssen, falle für sie auch Kundschaft weg. Auch Franziska Kühn vom Hörgerätegeschäft Langer hat ähnliche Bedenken. „Wir haben viele Kunden im Seniorenheim“, sagt sie. Sollten die nun umziehen müssen, könnten sie sich ein näher gelegenes Fachgeschäft suchen.

Die Gewerbetreibenden betonen, dass das Finanzielle nicht der Hauptgrund für ihre Plakat-Aktion ist. „Es ist menschlich einfach traurig“, sagt Paul Schreiber vom Wirtschaftsförderverein. Solange unklar ist, wie es mit dem Spital weitergeht, sollen die Plakate in den Geschäften hängen bleiben.

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