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Aystetten

18.11.2017

Eiskalt wie eine Kobra

Schon zehn Tore konnte Robert Markovic-Mandic für den SV Cosmos Aystetten bejubeln. Rechts Daniel Michl.
Bild: Foto: Oliver Reiser

Bei Robert Markovic-Mandic spielt sich ein Spiel schon vorher im Kopf ab. Wie der 21-Jährige Kroate zum SV Cosmos Aystetten kam

Als Tabellendritter geht der Aufsteiger SV Cosmos Aystetten nach einem spielfreien Wochenende in die beiden letzten Spieltage des Jahres 2017 in der Fußball-Landesliga Südwest. Zum letzten Heimspiel in diesem für die Aystetter so grandiosen Jahr wird am Sonntag (Anpfiff 14 Uhr) der SC Oberweikertshofen erwartet. Maßgeblich zu diesem hervorragenden Abschneiden beigetragen hat Robert Markovic-Mandic. Der Neuzugang hat in 16 Spielen zehn Tore und zehn Vorlagen in seiner persönlichen Statistik stehen.

Eine noch sensationellere Statistik hat Robert Markovic-Mandic in der abgelaufenen Saison beim TSV Kriegshaber abgeliefert: 19 Spiele, 42 Treffer, 18 Vorlagen! Einen Spieler mit dieser Abschlussquote stellt man sich anders vor. Mit seinen 1,80 Meter und 80 Kilo sieht der freundliche junge Mann nicht wirklich aus, wie ein furchteinflößender Torjäger, der die Bälle aus jeder Entfernung in die Maschen hämmert und als Kopfballungeheuer durch die gegnerischen Strafräume geistert. Wie der 21-jährige Kroate beim Augsburger A-Klassisten gelandet und nach dieser torreichen Empfehlung zum SV Cosmos Aystetten weitergezogen ist – das ist wieder eine andere Geschichte.

Robert Markovic-Mandic ist am 3. März 1996 in Aschaffenburg geboren. Die Eltern waren vor dem Balkan-Krieg nach Deutschland geflohen. Als der kleine Robert zwei Jahre alt war, kehrte die Familie in die Heimat, die 110000-Einwohner Stadt Osijek, zurück. Dort begann Robert mit dem Fußball. „Ich wollte immer Profi werden“, erzählt der Vollblutstürmer, der es mit NK Osijek bis in die 1. Jugendliga seines Landes schaffte. Als er ins Aktivenlager wechselte, wurde er zu NK Visnjevac (3. Liga) ausgeliehen. „Das hat mir gar nicht gefallen“, sagt Robert Markovic-Mandic.

Da kam ein Anruf eines Vereins aus Deutschland, den er nicht nennen will, gerade recht. Da sein Bruder seit zwei Jahren in Augsburg lebt, machte er sich auf den Weg dorthin. Doch der versprochene Wechsel zerschlug sich. Kurz vor Ablauf der Wechselfrist saß Robert Markovic-Mandic er nun in Augsburg fest. Verzweifelt suchte er nach einem Klub, doch bei einem Bayernliga-Aufsteiger wollte man ihn nicht einmal zum Probetraining vorspielen lassen. So landete kurz vor dem Ende des Transferfensters bei eben jenem TSV Kriegshaber, weil dort ein kroatischer Bekannter das Sportheim bewirtschaftete. „Alle waren sehr nett und ich habe mich bestens eingelebt. Ich habe dort mit ganzem Herzen gespielt“, sagt Robert Markovic-Mandic, der inzwischen hervorragend Deutsch spricht. Der Abiturient hat sich das nicht in der Schule angeeignet. „Das habe ich nur vom Reden mit den Leuten und vom Fernsehen gelernt“, lacht er. Aber trotz Toren am Fließband und guten Kontakten war es in der A-Klasse nicht das Wahre für ihn. „Ich habe meine Form verloren und wollte sogar ganz mit dem Fußball aufhören“, blickt er zurück auf eine Saison, in der er eigentlich chronisch unterfordert war.

Zlatko Mijailovic, der Vater des Aystetter Spielers Dejan Mijailovic, hatte in kroatischen Kreisen in Augsburg von diesem Talent Wind bekommen. „Er hat mich angerufen und zum Probetraining beim SV Cosmos eingeladen“, berichtet Markovic-Mandic, der Mijailovic mittlerweile als seinen zweiten Vater bezeichnet. Marco Löring war sofort begeistert. „Ein Rohdiamant“, schwärmten auch Teammanager Christian Geib und Sportlicher Leiter Peter Billy, „am liebsten würden wir ihm eine Fünf-Jahres-Vertrag geben.“

Robert Markovic-Mandic hat die Gabe, Fehler der gegnerischen Spieler zu antizipieren und schlägt dann eiskalt zu. Das hat ihm den Spitznamen „Kobra“ eingebracht. Damit kann er gut leben. „In meinem Kopf spielt sich ein Spiel schon vorher ab. Wenn ich auf dem Feld bin, schaue ich alle Spieler an. Ich lerne davon und ich denke viel nach, was im nächsten Augenblick passieren könnte“, grinst der Mann mit dem Torriecher.

Kein Wunder, dass schon die ersten Angebote beim Topstürmer eingegangen, der von sich selbst sagt, nur zu 60 Prozent fit zu sein. Auch klar, dass er es nochmals weiter oben probieren möchte. Bei hundert Prozent könne er sich durchaus 2. Liga vorstellen. „Robert hat alles, was ein Stürmer braucht“, sagt Trainer Marco Löring. „Wenn er irgendwann höherklassig spielen könnte, würde das auch den SV Cosmos stolz machen und wir würden ihm keine Steine in den Weg legen.“

Am liebsten würde Robert Markovic-Mandic mit dem SV Cosmos Aystetten den Weg nach oben gehen. Darauf will er sich zunächst einmal bis zum Sommer voll und ganz konzentrieren. „In Aystetten gefällt es mir sehr gut“, sagt der 21-Jährige, „mit meinen Stürmerkollegen Max Drechsler und Thomas Hanselka stimmt die Chemie. Wir haben den besten Torwart (Valentin Coca/Anm. d. Red.) und den besten ’Sechser’ (Dejan Mijailovic/Anm. d. Red.) der Liga. Niemand hat uns bisher klar besiegt. Wenn wir so weiterspielen, können können wir aufsteigen.“ Und dazu will die „Kobra“ noch viele Treffer beisteuern.

Auf seinen Sturmpartner Thomas Hanselka muss Markovic-Mandic dabei verzichten. Beim Cosmos-Kapitän besteht der Verdacht auf eine Meniskusverletzung. Ebenfalls fehlen wird Emre Kurt, der sich ein Band am Daumen gerissen hat und operiert werden musste. Ob gespielt werden kann entscheidet sich kurzfristig am Samstag oder Sonntag.

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