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Trinkwasser

09.05.2019

Ende der Chlorung? Tote Leitungen sollen raus

Bald schon könnte das Wasser in Dinkelscherben nicht mehr nach Chlor schmecken.

Etwa 200 Wasserleitungen, die nicht in Betrieb sind, sollen in Dinkelscherben entfernt werden. Danach soll das Chloren des Wassers in der Gemeinde endlich ein Ende haben. Aber wer muss das bezahlen?

Tote Leitungen müssen raus, damit die Chlorung des Trinkwassers in Dinkelscherben endlich aufgehoben werden kann. Das hat der Gemeinderat jetzt beschlossen. Für viele Dinkelscherber ist das eine gute Nachricht. Denn: Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, könnte das Wasser aus dem Hahn nicht mehr nach Chlor schmecken. So die Hoffnung der Ratsmitglieder. Nur: Wer soll die Entfernung der rund 200 toten Leitungen bezahlen? Die Gemeinde oder die Grundstückseigentümer? Diese Frage führte zu einer heftigen Diskussion im Marktrat.

Hintergrund: Totleitungen sind Wasserleitungengen, die seit mindestens einem Jahr genutzt nicht werden, aber trotzdem am Netz hängen. Weil in ihnen für längere Zeit Wasser steht, gelten sie als Gefahrenquelle. Das Gesundheitsamt verlange, dass die Leitungen gespült und damit desinfiziert werden, erklärte Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb. Doch das sei nicht einfach. Denn die Leitungen enden teils unterirdisch, sodass man sie nicht spülen könne. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Leitungen brechen. Er sieht deshalb nur eine Alternative: „Die Totleitungen müssen raus.“

Konkret heißt das, dass die Oberfläche dort aufgerissen wird, wo die Totleitungen liegen. Viele Straßen müssten anschließend wieder asphaltiert werden. Die Folge seien „unschöne Flecken“ auf den Straßen, erklärt Kalb. Er rechnet mit Kosten von gut 2000 Euro pro entfernter Leitung. Sollte bald damit begonnen werden, könnten die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.

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Willibald Gleich (CSU) erklärte: „Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit dafür aufkommen muss.“ Er schlug vor, dass die Eigentümer der toten Leitungen für die kostenpflichtige Entfernung selbst aufkommen müssen. Auch Gernot Ritter (Freie Wähler) erklärte, es sei „kritisch“, wenn die Allgemeinheit für die Entfernung der Totleitungen zahlen müsse.

Bürgermeister Kalb hatte sich im Vorfeld zur Sitzung bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt informiert. Demnach müsse die Gemeinde für die Kosten der Entfernung aufkommen. Ausnahme seien Grundstücke, auf denen ein Haus stand, das abgerissen wurde, und die nach dem Abriss mindestens ein Jahr nicht bebaut wurden. In diesem Fall müssten die Grundstückseigentümer zahlen, so Kalb. Wie viele Grundstücke von dieser Ausnahmeregelung betroffen sind, sei noch unklar. Tobias Mayr (CSU) schlug vor, die Rechtsauffassung des Landratsamts noch einmal vom Anwalt der Gemeinde prüfen zu lassen. Er erklärte, es es sei „traurig“, dass man die Allgemeinheit für einen Fehler der Gemeinde zahlen lassen müsse. Denn in den vergangenen Jahren hat die Kommune an vielen Grundstücken vorsorglich Anschlüsse verlegt, ohne dass die Eigentümer diese beantragt haben. So habe man verhindern wollen, dass bei anschließender Bebauung die Straße wieder aufgerissen werden muss, weil eine Wasserleitung verlegt wird, erklärte Bürgermeister Kalb. Bereits seit 1984 seien Totleitungen aber verboten. Umgehen kann man dieses Problem mit sogenannten Anbohrschiebern. Durch sie kommt die Leitung technisch erst ans Netz, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. In neueren Baugebieten arbeite die Gemeinde mit diesen Schiebern, früher habe man daran aber nicht gedacht. Kalb: „Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht.“ Nun müsse man die Konsequenzen dafür tragen.

Um der Chlorung endlich ein Ende zu setzen, komme man aber nicht umhin, die Totleitungen zu entfernen. Das sah auch Annette Luckner (SPD) so: „Die Totleitungen müssen raus – und zwar alle.“ Sie schlug vor, sich noch weitere Kostenvoranschläge einzuholen.

Bürgermeister Kalb geht davon aus, dass das Entfernen rund eine halbe Million Euro kosten wird. Sollte die Gemeinde bezahlen müssen, sollen die Kosten auf die Wasserpreise umgelegt werden. Bei einer Finanzierung über zehn Jahre steige der Preis für den Kubikmeter Wasser damit um rund zehn Cent für den Verbraucher.

Peter Kraus (Freie Wähler) schlug vor, die Eigentümer zunächst zu fragen, ob sie ihre Leitung in Zukunft auf eigene Kosten spülen wollen oder ob die Leitung entfernt werden soll. Ein Vorschlag, der vom Rat begrüßt wurde. Letztlich stimmten die Mitglieder mehrheitlich dafür, die rund 200 Totleitungen entfernen zu lassen. Ungeklärt ist allerdings noch die Frage, ob die Gemeinde vollständig dafür aufkommen muss. Weil durch die Eingriffe an vielen Stellen Straßen aufgerissen werden müssen, wolle man dort beginnen, wo die Straßen besonders alt sind, erklärte Kalb.

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