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Stauden

11.07.2017

Er blieb immer ein Schwabe

Wilhelm Wörle lebte unter anderem in Willmatshofen.
Bild: Foto: Archiv

Wilhelm Wörle lebte unter anderem in Willmatshofen und dichtete über die Stauden. Für ihn war Heimatdichter zu sein kein Makel.

Er gehörte zu jenen Vertretern der Literatur, die gern von vermeintlich Intellektuellen belächelt werden. Gemeint sind Heimatdichter, vor allem dann, wenn sie überwiegend im Dialekt schreiben – die Schublade seichten Bauerntheaters steht weit offen … Tatsächlich ist das ein wenig arrogant und wird dem tatsächlichen Stellenwert dieser Schriftsteller keineswegs gerecht. Und da muss man nicht Ludwig Thoma, Ludwig Gang- hofer oder Oskar Maria Graf – um nur ein paar der Berühmtesten zu nennen – zur Rechtfertigung heranziehen.

Unser bayrisch-schwäbischer Mundartdichter, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen, heißt Wilhelm Wörle und ist vielen wohl nur als Straßenname in etlichen Gemeinden unserer Region bekannt. Geboren ist er 1886 in Silheim an der Biber, bei Neu-Ulm. Im Januar 1959 verstarb er in Augsburg. Gelebt hat er unter anderem in den Stauden – diese waren auch das Hauptthema seiner Dichtungen. Diese Gegend mitsamt ihren dort heimischen Menschen hatte es ihm wohl angetan. Und ein Landstrich, in dem Mundart verwurzelt war (noch ist?).

„Sind Mundart und Mundartdichtung etwas Zweitrangiges?“, fragte Wörle in einem Aufsatz, der ein Bekenntnis zum Dialekt ist, wie das Literaturportal Bayern im Internet schreibt. Und tatsächlich wächst derzeit allgemein die Erkenntnis, dass Mundart nicht nur eine volksnahe, sondern auch durchaus seriöse und qualitativ wertvolle Art des literarischen Ausdrucks ist, oder, besser gesagt, sein kann. Das jedenfalls darf für die Werke Wörles durchaus gelten.

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Wörle war der Sohn eines musisch begabten Lehrers; seine Mutter arbeitete nach dem Tod des Mannes auf dem elterlichen Hof als Magd. Wilhelm ging nach der Schule auf das Lehrerseminar in Lauingen. Nach einigen Stellen kam er 1912 nach Wilmatshofen, wo er die Postassistentin Olga Merz heiratete. 1938 ging er als Hauptlehrer nach Augsburg. Wegen eines Herzleidens wurde er bereits 1943 vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Die Liste seiner dichterischen Werke ist lang, vieles ist noch nicht veröffentlicht: Dr. Peter Czoik von der Bayerischen Staatsbibliothek führt 2200 Gedichte, 70 Hörspiele, elf Volksstücke und 30 abgeschlossene geschichtliche Studien, unter anderem zur Ortsgeschichte Willmatshofens, Oberschönenfelds und zur Reformation in den Stauden an. Etliche seiner Werke wurden im Bayerischen Rundfunk gesendet. Vier seiner Gedichte wurden vertont und haben Eingang ins Repertoire schwäbischer Volksmusik gefunden. Sein Nachlass befindet sich in der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek sowie im Weißenhorner Heimatmuseum.

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