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Gersthofen

28.12.2020

Er brachte die Jugend an den Ball: TSV Gersthofen trauert um Franz Denkel

Franz Denkel Jugendtrainer TSV Gersthofen
Bild: Privat

Plus Er hat mehreren Generationen von Nachwuchskickern die Schuhe gebunden und das kleine Fußball-Einmaleins beigebracht.

Als der heutige Ehrenpräsident Karl-Heinz Wagner beim traditionellen Neujahrsempfang den Sportler des Jahres 2010 verkündete, fiel es ihm schwer, seine Rede weiterzuführen. Denn Franz Denkel, der mit Leib und Seele 37 Jahre in der Fußballabteilung und im Tischtennis tätig war, wurde ein Jahr zuvor gesundheitlich äußerst hart getroffen, konnte die Ehrung nicht persönlich entgegennehmen. Stellvertretend für einen Mann, den Menschlichkeit, Humor sowie absolute Zuverlässigkeit auszeichnete, nahm damals seine Ehefrau unter Tränen die Auszeichnung entgegen.

Kurz vor Weihnachten an Corona verstorben

Nun muss der TSV Gersthofen seinem langjährigen Mitglied die letzte Ehre erweisen. Kurz vor Weihnachten ist Franz Denkel, der seit einem Schlaganfall vor zehn Jahren im Paul-Gerhard-Haus lebte, im Alter von 74 Jahren an Corona verstorben. Fast vier Jahrzehnte hatte Franz Denkel mit allergrößter Geduld die jüngsten Kinder der F-Jugend trainiert. „Allein die Schuhe, die er für die Jüngsten gebunden hat, sind nicht zählbar“, so Wagner in seiner damaligen Laudatio.

Fußball war sein Leben. Selbst am Tag seiner Hochzeit, die selbstverständlich in der Stadiongaststätte stattfand, ließ es sich Franz Denkel nicht nehmen, die Feier zu verlassen und im feinsten Zwirn auf den Fußballplatz zu erscheinen, um das Spiel seiner Nachwuchsmannschaft zu verfolgen. Seine Frau Gerti Denkel-Wagner, eine erfolgreiche Boccia-Spielerin im TSV Gersthofen, hatte dafür Verständnis. Deshalb wunderte sie sich: "Obwohl er ein Fußballer durch und durch war und von früh bis spät auf dem Fußballplatz stand, wollte er nach seinem Schlaganfall überhaupt keinen Fußball mehr sehen."

Beruflich war Franz Denkel, der bei der Bahn gelernt hatte, 46 Jahre im öffentlichen Dienst tätig. Zuletzt als Verwaltungsamtmann bis zu seinem Eintritt in die Altersteilzeit bei der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Dort hat er zahlreiche Betriebsausflüge, Weinfeste und Betriebssportturniere organisiert.

Frühere Schützlinge erinnern sich an ihren Trainer

Es ist nicht überliefert, wie viele Spieler beim TSV Gersthofen bei ihm das kleine Einmaleins des Kickens erlernt haben und wie vielen dieser Knirpse er die Fußballschuhe gebunden hat. "Wenn er dir die Schuhe gebunden hat, warst du dir sicher, sie während des Spiels nicht zu verlieren", erinnert sich sein ehemaliger Schützling Florian Ettl. "Er war mein erster Trainer", zeigte sich auch Tobias Hauptmann, der ein paar Jahre später das erste Tor in der neuen Sportarena erzielt hat, sehr traurig. Denkel, der auch ein leidenschaftlicher Tischtennisspieler war, genoss sowohl bei den kleinen Kickern als auch deren Eltern höchstes Ansehen. "Er war ein guter Trainer, aber auch ein noch viel besserer Mensch, Coach, Mentor, Erzieher, ja sogar Vater für jeden kleinen Fußballer", schreibt Serco Eskin in den sozialen Netzwerken. Denkel selbst hatte zwei Kinder. Sein Sohn ist ihm bereits vor zwei Jahren vorausgegangen. Seine Tochter Marion setzt die ehrenamtliche Tätigkeit ihres Vaters bei den Handballern des TSV Gersthofen fort. Diesem Sport frönt auch sein Enkel Maximilian. Der Abschied von Franz Denkel wird aufgrund der Pandemie im engsten Familienkreis erfolgen.

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