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Diedorf

19.03.2015

Er ist der Herr der Ringe

Mit Hammer und Flamme: Der Diedorfer Silberschmied Michael Hinterleitner weiß, wie man damit feine, elegante Schmuckstücke herstellt.
Bild: Thomas Hack

Bei Gold- und Silberschmied Michael Hinterleitner kann man seine Schmuckstücke selbst herstellen. Er erzählt, wie er zu seiner Kunst gekommen ist

Diedorf Betritt man die versteckte Werkstatt von Michael Hinterleitner im Diedorfer Haus der Kulturen, glaubt man augenblicklich, sich im nostalgischen Reich von Meister Eder wiederzufinden: Abgenutzte Baumstämme stehen zwischen schweren Holztischen, zahllose unbekannte Gerätschaften stapeln sich zwischen seltsam geformten Maschinen. Und überall findet man feine Skizzen von – wovon eigentlich?

Der in München geborene Gold- und Silberschmied öffnet einmal im Monat seine Werkstatt neben dem Maskenmuseum, um gemeinsam mit interessierten Besuchern individuelle Schmuckstücke aus edlen Metallen selber herzustellen. Dabei müssen die Gäste weder Vorkenntnisse besitzen, noch sind der Fantasie irgendwelche Grenzen gesetzt: „Jeder gestaltet etwas anderes“, erklärt Hinterleitner, „zu mir kommen Paare, um gemeinsam ihre Eheringe zu gestalten, aber auch ganze Kindergeburtstage mit gemeinsamem Schmieden wurden hier schon gefeiert.“

Eine der gerade anwesenden Damen freut sich, ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können, und betrachtet mit zufriedenem Lächeln ihr eben fertiggestelltes Kleinod: „Ich bin sehr experimentierfreudig, und hier engt man sich wirklich nicht ein.“ Andere schätzen wiederum die gemütliche Atmosphäre mit dem prasselnden Holzofenfeuer.

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Kreativ kann man in Hinterleitners Werkstatt tatsächlich ohne Einschränkung sein, und der Handwerkskünstler zeigt anhand einiger Beispiele, was eigentlich alles möglich ist: Zu eleganten Ringen, verzierten Amuletten und filigranen Broschen gesellen sich hier auch merkwürdigere Objekte wie etwa der Abguss eines verstorbenen Insekts, ein dubioser „Löffelstift“ und als echtes Meisterstück sogar eine portable Kaffeemaschine, die in jede Hosentasche passt. Für diese hat der Künstler prompt auch einen internationalen Preis erhalten. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen und Stipendien hat Hinterleitner unter anderem auch die Silbertriennale und den Deggendorfer Wettbewerb für Kunst und Handwerk gewonnen. Der Diedorfer erzählt: „Genau genommen bin ich der Vorläufer eines Industriedesigners. Aber man muss schon sehr viele Talente mitbringen, dies alles auch noch zur Marktreife zu bringen.“

Doch vieles ist keineswegs für die Industrie gedacht, so hat Hinterleitner auch schon ganze Gürtel für historische Römergruppen gefertigt und den berühmten Ritter Rost aus der Augsburger Puppenkiste mit einem neuen kleinen Helmchen auf dem Haupthaar beglückt. Aber die Werkstatt ist auch ein Ort der ständigen Veränderung: Die Besucher haben die Möglichkeit, mitgebrachte Objekte einzuschmelzen und aus diesen neue kleine Kunstwerke zu erschaffen.

In Hinterleitners Reich kann letztendlich jedermann sein eigener „Herr der Ringe“ werden. Der Metallkünstler zeigt jedem Gast liebevoll die Funktionsweise der Geräte und gibt wertvolle Tipps für die Herstellung der individuellen Geschmeide. Und weshalb der Unterschied von Gold- und Silberschmied keineswegs im Material besteht, kann der Chef des Hauses selber wohl am besten erklären. Während am Ende des Besuchertages Hinterleitner noch eben eine „Nudelmaschine für Bleche“ demonstriert, wird an den Tischen kräftig gefeilt, gedreht, gepresst und gegossen. Obgleich manche Gerätschaften wie mittelalterliche Streckbänke wirken, liefern sie mitunter so feine Ergebnisse, dass sogar ein menschlicher Fingerabdruck ausgegossen werden kann.

Freilich sind Schmiede heutzutage nicht nur unter den männlichen Zeitgenossen zu finden, und Hinterleitner weiß aus Erfahrung: „Man muss hier schon manchmal richtig brutal sein. Aber auch die Frauen haben Lust, mal kräftig zuzuschlagen!“

Wie der Handwerkskünstler selbst zu seiner Passion gekommen ist? In frühen Jahren hat Hinterleitner zunächst eine Lehre als Bauzeichner absolviert und nebenbei auch Malerei betrieben. Hauptberuflich ist er heute Kunsterzieher am Schmuttertal-Gymnasium. Doch in der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste hatte sich dann schnell seine Liebe zur Schmiedekunst entwickelt: „Das Metall hat mich glücklich gemacht.“ – Happy Metal vom Feinsten!

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