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06.03.2014

Er machte aus dem Zehentstadel etwas Einzigartiges

Konrad Niederhuber neben der Abbildung der Glasfenster aus der Stuttgarter Stiftskirche von Joseph Scherer.

Konrad Niederhuber gibt nach 14 Jahren seinen Vorsitz im Heimatverein Reischenau ab

Von Manuela Rauch

Dinkelscherben Geschäftiges Treiben im Zehentstadel. Am Freitag, 7. März, wird der Heimatverein Reischenau seine Jahreshauptversammlung abhalten. Tische werden gerückt, Stühle gestellt. Einiges steht auf der Tagesordnung. Dinkelscherben feiert sein großes Marktjubiläum, und der Heimatverein beteiligt sich mit einer umfangreichen Vortragsreihe am Festprogramm. Mitten in den Vorbereitungen Konrad Niederhuber. Für ihn wird die diesjährige Hauptversammlung seine letzte als Vorstandsvorsitzender sein. Nach 14 Jahren wird er seinen Vorsitz abgeben. Dafür wirkt der Dinkelscherber erstaunlich entspannt.

Wenn Konrad Niederhuber über seine Amtszeit spricht, dann fällt ihm sofort die „lustige Geschichte“ ein, mit der alles begann. Es war das Jahr 2000, und Niederhuber war gerade offiziell in Rente gegangen, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende Herbert Eser. Der Kulturfreund war nicht nur bis 1996 Dinkelscherbens Bürgermeister, sondern auch ein alter Schulkollege Niederhubers. Eser suchte händeringend einen Vorsitzenden für den Heimatverein und war überzeugt, der Konrad sei der Richtige. Der wiederum konnte nicht Nein sagen. Niederhuber meint lachend: „Das war ein Freundschaftsdienst.“

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Aber auch eine Herausforderung und ein vollkommen neues Terrain. Denn mit dem Heimatverein hatte er, trotz Mitgliedschaft, bis dahin nicht allzu viel am Hut gehabt. In den vergangenen 20 Jahren seines Berufslebens pendelte er zwischen Wasserburg und München. „Eigentlich war ich nur am Wochenende daheim.“ Zeit für aktive Vereinsarbeit blieb da nicht. „Ich kannte nicht mal den Zehentstadel“, erzählt er.

Nach der Einarbeitung entwickelte der neue Vorsitzende Ideen und Visionen. Er stellte das Angebot des Heimatmuseums infrage: „Alte Werkzeuge, Maschinen, Kleider – das hatten doch alle.“ Niederhuber war sich sicher, „Dinkelscherben braucht etwas Einzigartiges“. Er entdeckte die Malerbrüder Scherer als großes Thema, bereitete einige Exponate auf und konzipierte die Scherergalerie im ersten Stock des Zehentstadels.

Die Malerbrüder Scherer stehen für seine Amtszeit

Fortan wurden die Malerbrüder aus Ettelried Konrad Niederhubers größte Leidenschaft. Am Ende werden sie wie kein anderes Thema für seine Amtszeit stehen. Er kümmerte sich intensiv um den Scherer-Nachlass, kaufte Gemälde, Glasmalereien und zahlreiche Exponate auf der ganzen Welt. „Heute ist unsere Sammlung weltweit einmalig“, betont er stolz. Mit leuchtenden Augen erinnert er sich an den spektakulären Kauf der bekannten Scherer-Skizzen aus Griechenland. Sie gehören heute zum Highlight der Ausstellung. Und brachten dem Hobbyforscher große Aufmerksamkeit in der Kunstszene. Plötzlich wollen Händler, Sammler und Auktionshäuser die professionelle Einschätzung Niederhubers. Dessen Meinung ist gefragt wie nie. Jetzt ist er ganz nah dran, taucht ein in die Wissenschaft. Bei Gutachten darf er jetzt auch „hinter das Bild schauen“. Eine Ehre, die nicht jedem zuteilwird. Niederhuber scheint seine Passion gefunden zu haben, wirkt nahezu glückselig und dankbar, „das alles erlebt zu haben“.

Der neue Vorstand steht vor großen Herausforderungen. Denn der Heimatverein ist stark gewachsen. Niederhuber sieht seinen Rückzug auch als Chance für die neue Führung, mit alten Strukturen zu brechen und die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.

Der baldige Vorsitzende a.D. hat noch viele weitere Ideen

In seiner Nachfolge setzt er auf den frischen Wind von Christoph Lang. Der gehört bereits zum Vorstand des Vereins. Der Archivar ist Leiter des Stadtmuseums Aichach und ein absoluter Spezialist in der Heimatkunde. Mit dem jungen Lang, so hofft er, wird auch jüngeres Publikum angesprochen. Auch für das Vereinsleben. Dringenden Handlungsbedarf sieht Niederhuber im Museumsangebot für Schulklassen. Deren Besuche seien erschreckend zurückgegangen. Gerade deshalb wünscht er sich innovative Konzepte für das Museum: „Die müssen her.“ Seinen Nachfolger wird er dabei unterstützen. Denn an Ideen mangelt es dem Noch-Vorsitzenden nach wie vor nicht, und er will weiter zur Verfügung stehen.

Die Scherergalerie soll zum Herbst neu erstrahlen, die Umbauarbeiten bis dahin abgeschlossen sein. Schließlich feiere man den 200. Geburtstag Josef Scherers, passgenau zum Marktjubiläum von Dinkelscherben. Für den baldigen Vorsitzenden a. D. wird so schnell keine Langeweile aufkommen: Im Archiv lagern noch unzählige Schätze aus dem Scherer-Nachlass. „Es gibt noch so viel zu tun“, freut er sich. Angesichts dieser verführerischen Aussicht gibt Konrad Niederhuber den Vorsitz gerne ab. „Mit 77 wird es Zeit, den Platz freizumachen“, sagt er zufrieden und nicht ganz ohne Augenzwinkern.

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