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Komödie

26.04.2017

Erbschleicher und Hutabschneider

Noch freut sich die geldgierige Erbengemeinschaft hämisch (von links): Walter Wagner, Lydia Braun, Lukas Kiermeyr und Wolfgang Schwarzer. Doch alles sollte anders kommen...
Bild: Thomas Hack

Theater Gersthofen zeigt ausgefeilte Schauspielkunst

Eine Erbschaft, drei Erbanteile, vier Erben – man muss die hohe Kunst der Zahlen nicht studiert haben, um aus dieser prekären Sachlage ein turbulentes Tohuwabohu vorausahnen zu können. Das Theater Gersthofen schöpfte in der Stadthalle aus dem Vollen, um aus dem Dreiakter „Da Roagaspitz“ von Peter Landstorfer eine köstliche Alpenkomödie mit erstklassiger Besetzung zu inszenieren.

Ob mit zerknautschter Mimik, schlagkräftiger Körpersprache oder ungehobelter Darstellungskunst: Sämtliche Mitwirkenden glänzten mit souverän dargebrachter Glaubhaftigkeit. Der Inhalt des Stückes selbst zeigte sich dagegen im minimalistischem Charme von anno dazumal: Der reiche Mühllechner-Bauer hat das Zeitliche gesegnet und teilt im Testament sein Vermögen unter den drei geldgierigen Neffen auf: Vielhammer (Lukas Kiermeyr) erbt den Wald, Rucherer (Wolfgang Schwarzer) die Felder, Erbmoser (Walter Wagner) bekommt die Mühle zugesprochen.

Der gutherzige Pflegesohn Florian (Julian Poppe) muss sich mit einem einfachen „Roagaspitz“ zufrieden geben, einem Trachtenhut mit drei Vogelfedern an der Krempe. Da ist das Gespött der drei Erbschleicher groß und Florian versteht die Welt nicht mehr. Doch der alte Mühllechner war weder ehrlos noch senil und hatte vor seinem Tod eine Nachricht in jener Kopfbedeckung versteckt, welche die wahre Natur des Hutes ans Tageslicht befördern sollte. Bitter nur, dass dieses Geheimnis von den gierigen Geldhaien der illustren Hofgemeinschaft gefunden wird. Aber genau dies hatte der gerissene Großbauer vorhergesehen und auch voll beabsichtigt.

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Mit unglaublicher Liebe zum Detail hatte das Ensemble unter anderem ein eigenes kleines Volkskundemuseum auf der Bühne errichtet, in dem man in jeder Ecke stumme Zeitzeugen aus einer vergangenen Epoche entdecken konnte: eine originale Küchenzeile aus dem 19. Jahrhundert, hochbetagte Handwaschbecken im spartanischen Charme, ein nostalgischer Herrgottswinkel.

Mit Leben erfüllt wurde diese heimelige Atmosphäre durch die passende Garnitur an Charakteren, die sich bald rund um den vererbten Alpenhut und sein mystisches Geheimnis drängten. Allen voran brillierte Darstellerin Lydia Braun als Erbmosers dominantes Eheweib, das keine Chance ungenutzt lässt, mit g’scherten Sprüchen an Geld, Hut und Macht zu gelangen. Auch Mac Tanzer, der den unterbemittelten Karnickelzüchter Haserer verkörperte, avancierte durch sein aberwitziges Genuschel und die übertrieben debile Art sogleich zum Liebling des Publikums.

Julian Poppe bot insbesondere mit seiner Körpersprache ein unerschöpfliches Repertoire an Gemütszuständen – nicht selten ganz im Stile eines Oliver Hardy. Doch letztendlich war die Schauspielkunst sämtlicher Mitwirkender auf sehr hoher Ebene angesiedelt, wobei es im Bühnengeschehen durchaus richtig zur Sache gehen konnte: Heiße Kartoffeln werden als Rache- instrumente missbraucht, die Münder böser Zungen mit toten Feldhasen zugestopft.

Trotz alledem: Gründe zum Feiern gibt es für die verschrobenen Figuren dennoch genug – wie zum Beispiel den Todestag der Schwiegermutter. Noch spannender wäre der bayerische Alpenklamauk allerdings gewesen, wenn das Programmheft nicht schon die überraschende Auflösung der Geschichte vorweggenommen hätte. Wie diese sich letztendlich dargestellt hatte? Nur so viel sei gesagt: Die große Erbschaft können sich die drei g’ruachaten Aasgeier am Ende buchstäblich an den Hut stecken.

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