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Thierhaupten

04.05.2015

Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg: Damit so etwas nicht wieder passiert

Stimmungsvoller Gedenkabend in Thierhaupten. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wird das neue Denkmal östlich der Klosteranlage eingeweiht.
Bild: Claus Braun

In Thierhaupten erinnert ein neues Denkmal an eine schreckliche Tat vor 70 Jahren. Damals starben zwei junge Männer. Eine Nichte erinnert sich

Mit einer unter die Haut gehenden Gedenkfeier wurde am vergangenen Samstag in der Marktgemeinde an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und an 70 Jahre Frieden in Deutschland gedacht. Für zwei in den letzten Tagen des Krieges erhängte junge Soldaten wurde am Original-Schauplatz ein neues Denkmal eingeweiht.

Spätestens als Thierhauptens Altbürgermeister und Freundeskreis-Vorsitzender Fritz Hölzl bei der Segnung des Denkmals für die beiden am 27. April 1945 erhängten jungen Soldaten Gerhard Zirkel und Fritz Haas die geladenen Angehöri-gen zum Denkmal bat, bekam das fürchterliche Grauen des Zweiten Weltkriegs für die über 200 interessierten Bürger auch ein Gesicht.

Mit Renate Stowasser aus Oberottmarshausen, eine Nichte von Fritz Haas, und der Familie Markus Miehle aus Augsburg-Inningen kamen insgesamt sechs Angehörige von Kanonier Haas, der am 27. April vor 70 Jahren mit nur 18 Jahren von den Nazis an einem Kastanienbaum erhängt wurde, an den Original-Schauplatz nach Thierhaupten.

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Renate Stowasser zeigte sich angetan und gerührt von der Schaffung des Denkmals und erzählte, dass ihre Familie das entsetzliche Grauen nie vergessen und überwinden konnte. Ihre Mutter, Schwester der insgesamt drei Haas-Brüder, hat vom Tod ihres Bruders oft erzählt, doch meistens versagte ihr dabei die Stimme, berichtete Renate Stowasser. Vom zweiten Opfer Gerhard Zirkel konnten trotz intensiver Nachforschungen keine Angehörigen mehr ausfindig gemacht werden. So angetan wie die Angehörigen selbst waren auch die Gottesdienstbesucher und vielen Interessierten, die im Herzog-Tassilo-Saal der späteren Gedenkfeier beiwohnten.

Pfarrer Werner Ehnle sah es in seiner Predigt als ganz besonderes Geschenk, dass inzwischen zwei Generationen in „unserem Land“ in Frieden leben und Krieg und dessen Schrecken nur aus dem Fernsehen kennen. Ehnle dankte für den Frie-den und appellierte daran, das gute Leben auch zu schätzen.

Der Vorsitzende des Kameraden- und Soldatenvereins (KSV), Otmar Krumpholz, erinnerte am Kriegerdenkmal an die 65 Millionen Tote und 56 Millionen Versehrte, die in beiden Weltkriegen gezählt wurden. Unter Beteiligung der Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine und Klängen des Musikvereins zog es die Anwesenden dann an die neue Gedenkstätte, die in den vergangenen Tagen an und um einen Kastanienbaum östlich des Klosters errichtet wurde. „Der Sinn des neuen Denkmals ist, dass derartige Schrecken, wie am 27. April 1945 in Thierhaupten geschehen, nicht mehr passieren“, so Fritz Hölzl. Möglich gemacht hatte das Denkmal Freundeskreismitglied Peter Bircks, der vor einem Jahr mit der Idee auf Hölzl zugekommen ist und für die jetzigen Kosten mit seiner Familie auch aufkommen wird.

Bircks, der seit 23 Jahren in Thierhaupten wohnt und als Geschäftsführer Finanzen zu den Machern des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg zählt, möchte durch das Denkmal nach seinen Worten vor allem die Jugend dazu animieren, über die eigene Geschichte nachzudenken, weiter Denkanstöße geben und besonders in der jetzigen guten Zeit nicht die schlechte vergessen.

Der Entwurf für das Denkmal stammt von Gartenbauingenieur Walter Herb, die künstlerische Umsetzung hat Bildhauer Norbert G. Zagel aus Langweid übernommen.

Den informativen Abend rundete ein Gedenkvortrag von Dr. Franz Josef Merkl zum Thema „Verbrechen des XIII. SS-Armeekorps 1945 im nördlichen Schwaben und in Thierhaupten“ sowie ein Filmvortrag „Kriegsende in Thierhaupten“ von Otmar Krumpholz ab.

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