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Interview

05.05.2020

Erlebnisbad Titania in Not: "Wir machen täglich 10.000 Euro Verlust"

Chefin eines leeren Bades: Jana Freymann hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Titania in Neusäß.
Bild: Marcus Merk

Plus Das Titania in Neusäß hat wegen Corona seit 16. März geschlossen. Die Betriebsleiterin spricht über die finanziellen Verluste und ein Fünkchen Hoffnung zur Wiedereröffnung.

Das Maskottchen Tikki läuft nach Gästen suchend durch die Empfangshalle und der Kids-Klub dreht Mitmachvideos. Das Titania-Team versucht, die Kunden aus der Ferne mit netten Filmchen im Internet bei Laune zu halten. Die Stimmung der Betriebsleiterin der Therme in Neusäß, Jana Freymann, ist in dieser schwierigen Lage der Schließung alles andere als gut. In einem Gespräch spricht sie über die größten Probleme für die Therme und ein kleines Licht am Horizont.

Wie viele Beschäftigte hat das Titania und wie viele sind von der Schließung seit 16. März betroffen?

Jana Freymann: Wir sind 113 Mitarbeiter und jeder einzelne ist von Kurzarbeit betroffen. Momentan gibt es zwar zwei Dreierteams, die jeweils drei Tage abwechselnd tätig sind, aber auch diese kommen nicht auf ihre Sollarbeitszeit.

Erlebnisbad Titania in Not: "Wir machen täglich 10.000 Euro Verlust"

Welche Arbeiten müssen/können während einer solchen längeren Schließung trotzdem weiter noch gemacht werden?

Freymann: Wichtig ist, dass wir die Anlagen am Laufen halten. Die Technik ist sehr komplex. Um wieder in Betrieb gehen zu können, müssen die Anlagen gepflegt und gewartet werden. Auch im administrativen Bereich fallen viele Aufgaben an. Rechnungen müssen gezahlt werden. Anträge für Kurzarbeit wurden gestellt, insgesamt läuft die Lohn- und Finanzbuchhaltung weiter. Wir prüfen unser Vertragswesen. Eine zeitnahe und fortlaufende Liquiditätsvorschau ist unabdingbar. Daneben steht für uns der Gästekontakt an erster Stelle. Als Ansprechpartner sind wir telefonisch und per E-Mail erreichbar. Wir versenden unseren Newsletter und veröffentlichen News auf unserer Homepage sowie unter Nutzung der üblichen Social-Media-Kanäle.

Was muss mit dem Wasser gemacht werden?

Freymann: Das Wasser muss weiterhin umgewälzt, chloriert und die Wasserqualität überwacht werden. Die Filter werden gespült. Um Stagnationen zu vermeiden, betätigen wir täglich alle Duschen, Wasserhähne und lassen die Attraktionen zeitweise laufen. Auch Beckenwasser-Beprobungen erfolgen weiterhin.

Gibt es schon Vorbereitungen für den Tag X, an dem wieder eröffnet werden kann?

Freymann: Wir arbeiten an einer vorgezogenen Revision. Leider haben wir keine Perspektive, wann der Tag X tatsächlich kommt und in welchen Schritten die Wiedereröffnung konkret erfolgen kann. Die Meldung, dass ab 29. Mai in Österreich wieder Schwimmbäder öffnen dürfen, macht uns Hoffnung.

Wird die Revision aus dem Sommer vorgezogen?

Freymann: Wir haben im Erlebnisbecken und in den Kinderbecken bereits das Wasser abgelassen und befinden uns in aktiver Vorbereitung für die diesjährige Revision. Welche Maßnahmen innerhalb welchen Zeitraumes möglich sind, bedarf noch einer abschließenden Klärung. Wir stehen hier im engen Kontakt mit der Stadt Neusäß. Wir als Titania Neusäß Betriebsgesellschaft sind als Pächter der Anlage vorwiegend für Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen zuständig. Umfangreiche Bauprojekte fallen in das Resort der Eigentümerin. Wir können nur an dieser Stelle sagen, dass wir gerade in dieser schweren Zeit sehr froh darüber sind, dass wir mit der Stadt Neusäß einen so starken Partner an unserer Seite haben.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Kunden?

Freymann: Wir danken unseren Kunden für das große Verständnis. Wir sind bei allen gebuchten Kursen zeitnah in Kontakt mit den Nutzern gegangen und haben hier Alternativen angeboten. Insbesondere bei den Schwimmkursen gab es seitens unserer Kunden sehr viel Verständnis. Viele sind uns entgegengekommen und haben Vorreservierungen für einen späteren Kursstart angenommen.

Was sind die häufigsten Nachfragen?

Freymann: Viele Nachfragen erhalten wir bezüglich Verlängerung unserer Klubkarten und ob wir die Schließphase für Revisionstätigkeiten nutzen. Selbstverständlich streben wir eine Verlängerung unserer Klubkarten an. Momentan stehen wir allerdings vor den Problemen, dass wir aktuell keinen Zeitpunkt der Wiedereröffnung benennen können und auch nicht wissen, ob es sich hier um einen sukzessiven Prozess handelt oder ob eine Komplettöffnung erfolgen kann.

Chefin eines leeren Bades: Jana Freymann hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Titania in Neusäß.
Bild: Marcus Merk

Gibt es schon irgendwelche Signale, die Ihnen Hoffnung machen?

Freymann: Hoffnung macht uns auf jeden Fall, dass die Stadt Neusäß uns unterstützt. Weiterhin ist die Gewährung des Kurzarbeitergeldes durch die Agentur für Arbeit für uns eine bedeutende finanzielle Unterstützung. Wir möchten unsere Mitarbeiter halten und geben unser Bestes, sie im Rahmen unserer Möglichkeiten fair zu behandeln. Signale hinsichtlich eines Termins bezüglich Wiedereröffnung gibt es nicht. Das ist wie ein Blick in eine getrübte Glaskugel. Selbstverständlich habe ich dafür Verständnis, dass kein Politiker oder Virologe uns momentan diesen Zeitpunkt benennen kann. Auch aus meinem Verständnis steht die Erhaltung der Gesundheit aller Menschen an erster Stelle, trotzdem macht es mich traurig, wenn ich durch das menschenleere Titania gehe.

Können Sie sagen, wie hoch der Verlust bisher oder durchschnittlich an einem Tag ist?

Freymann: Unsere Kosten belaufen sich im Jahr auf ca. fünf Millionen Euro. Auch wenn wir einige Kosten reduzieren konnten, fahren wir täglich einen Verlust von ca. 10.000 Euro ein.

Wie viele Besucher waren im Titania bis zum Tag der Schließung?

Freymann: Von Januar bis zum 15. März 2020 hatten wir 37.943 Besucher in unserem Haus inklusive Kleinkinder und Sportbeckennutzer. Im Jahr 2019 besuchten uns insgesamt mehr als 300.000 Gäste.

Wie geht es Ihnen persönlich als Betriebsleiterin mit der schwierigen Situation?

Freymann: Ich bin ein absoluter Teamplayer. Mir fehlen meine Kolleginnen und Kollegen. Selbstverständlich fühle ich mich verantwortlich für jeden Einzelnen von ihnen und mich belastet sehr, dass ich keine Perspektive aufzeigen kann. Aufgrund der Tatsache, dass wir alle im Schichtbetrieb arbeiten, Wochenenden und Feiertage gemeinsam verbringen, und gerade in Hochlastzeiten jeder für den anderen einsteht, pflegen wir ein freundschaftliches, nahezu schon familiäres Verhältnis zueinander. Aus diesem Grund lastet die Verantwortung schwer auf meinen Schultern.

Wie sind Sie privat von der Krise betroffen?

Freymann: Ich bin an aller erster Stelle Mutter eines achtjährigen Kindes. Als Betriebsleiterin eines Freizeitunternehmens gehöre ich nicht zu den systemrelevanten Branchen. Zu früheren Zeiten habe ich seitens meiner Nachbarschaft und im Freundeskreis viel Unterstützung hinsichtlich der Betreuung erfahren. Das ist - der Situation geschuldet - selbstverständlich nicht mehr möglich. Für mich bedeutet dieses einen stetigen Spagat. Gerade jetzt benötigt mein Kind familiäre Geborgenheit, Zuwendung und Unterstützung und keine nervlich angespannte Mutter.

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