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Reisen

26.09.2015

Erzieherin im Ruhestand hilft armen Kindern

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2 Bilder
Die Kinder freuen sich über die Holzlaufräder. Handwerker vor Ort bauen sie den mitgebrachten Mustern nach.

Christine Kießling aus Ottmarshausen gibt ihr berufliches Wissen in Myanmar weiter

Es ist ein weiter Weg von Ottmarshausen nach Myanmar, dem früheren Burma oder auch Birma, denn rund 7800 Kilometer Luftlinie liegen dazwischen. Nähme man den Landweg, müsste man etwa 12000 Kilometer zurücklegen, bis man in dem südostasiatischen Staat ankommt, dem Land, das an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, Indien, Bangladesch und an den Golf von Bengalen grenzt.

Diesen „Arbeitsweg“ hat Christine Kießling schon zweimal auf sich genommen und bereitet sich bald auf ihren dritten „Senior Experten Service“-Einsatz vor, ein ehrenamtliches Engagement, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Früher hat die Ottmarshauserin Erzieherinnen ausgebildet und gibt jetzt ihr langjähriges berufliches Wissen an junge Frauen in einem Kindergarten in Mingun, einem kleinen Städtchen in Mittelbirma, weiter. Der Senior Experten Service (SES) ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH und eine gemeinnützige Gesellschaft. Hier kann sich jeder Ruheständler ehrenamtlich engagieren, der sein Fachwissen noch weitergeben möchte. Außerdem ist der Förderverein „Help Myanmar“, mit Vereinssitz in Saarbrücken, das Bindeglied zwischen den Einsätzen vor Ort und der Heimat.

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Die beste Reisezeit ist der Winter, denn dann sind die Temperaturen halbwegs erträglich. Deshalb flog Christine Kießling 2012 im November für fünf und im Januar 2014 für weitere sieben Wochen in das von großer Armut geprägte Myanmar. Im Gepäck war ein Basis-Ausbildungsprogramm, das sie selbst erarbeitet hatte. „Das ist ein aufbauender Einsatz, denn ein Bildungskonzept, wie wir es in Deutschland kennen, gibt es dort nicht. Es bedarf einer feinfühligen Kulturarbeit, denn einfach unser Ausbildungssystem unreflektiert dort überzustülpen würde nicht funktionieren.“

Vorgefunden hatte sie ein relativ neues Gebäude und drei junge Frauen, die bereits zwei Jahre lang in diesem Kindergarten arbeiteten. Ein Bildungskonzept mit Gruppen- und Elternarbeit allerdings war überhaupt nicht bekannt. „Ich habe daher ein Basisprogramm für theoretischen Unterricht zusammengestellt und ein praxisbegleitendes Bildungspaket geschnürt“, erklärt Christine Kießling. „Ich habe den Alltag der jungen Frauen begleitet, mir Notizen gemacht, und abends gab es die Rückmeldungen, wie man die Erziehungsarbeit verbessern kann.“

Ziel ist es, dass die Frauen Professionalität in ihrem Beruf entwickeln. Ein wirklich großer kultureller Vorteil aber sei, dass es dort eine „instinktiv warmherzige Zugewandtheit“ zum Kind gebe, und da würden sich Frauen und Männer überhaupt nicht unterscheiden. „Das liegt sicherlich auch an der buddhistisch geprägten Grundhaltung dieser Menschen.“

Die Wertschätzung besonders gegenüber Älteren und alten Menschen erlebte Christine Kießling ebenfalls in vielen anderen Alltagsbegegnungen, besonders bei Ausflügen und privaten Einladungen. Beim Essen habe man sich allerdings mit landestypischen Tischsitten vertraut machen müssen. „Erst wenn der Gast den ersten Bissen vom Teller nimmt, dürfen die anderen auch zu essen beginnen.“ Einmal sei nur für sie alleine gekocht worden, dann saß man im Kreis der Familie zusammen, und nur sie als Gast habe gegessen, das sei schon gewöhnungsbedürftig.

Der allgegenwärtige Respekt dem Besucher oder ihr als älterer Frau und Fremden gegenüber sei eine äußerst angenehme Erfahrung gewesen. Doch das Land benötige viel Hilfe, und „den Menschen vor Ort zu helfen ist eine große Aufgabe“. Auch kleine Dinge würden Großes bewirken, und so könne man beispielsweise eine Patenschaft für ein Kind übernehmen, Geld spenden oder sie bei ihrem Engagement unterstützen, wirbt Christine Kießling für „ihr“ Projekt. Ein burmesischer Künstler hat ihr 45 seiner Aquarelle überlassen, deren Erlös soll einzig dem „Kindergartenprojekt Mingun“ zugutekommen.

Die nächste Reise ist schon in Vorbereitung, denn im kommenden November will Christine Kießling weitere sieben Wochen lang junge Menschen vor Ort ausbilden.

Stadel-Ausstellung im Kießling-Hof am Sonntag, 27. September von 14 bis 17 Uhr, Holzbachstraße 16, Neusäß-Ottmarshausen; Aquarelle des Künstlers Myint Myat aus Myanmar, Erlös zugunsten des Projektes „Kindergarten Mingun“.

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