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Kabarett

18.11.2019

Es hat einen Grund, aber keinen Sinn

Bekannt geworden ist Hannes Ringlstetter unter anderem durch TV-Rollen. Als Kabarettist überzeugt er sein Publikum im Alleingang.
Foto: Andreas Lode

Hannes Ringlstetters Auftritt in der Stadthalle Gersthofen wird zum Erlebnis

Dass dieser Hannes Ringlstetter, gebürtiger Münchner, in Niederbayern aufgewachsen, mehr als nur Talent hat, weiß man seit Langem. Da hätte es auch nicht die Fernsehsendungen gebraucht. Bemerkenswert ist allerdings, dass dieser Mann als Alleinunterhalter, sorry Kabarettist, live auf der Bühne weit besser ist als in Film (Hubert und Staller) und TV (BR). Er braucht den Kontakt mit dem Publikum, um zur Höchstform aufzulaufen, wie in der Stadthalle Gersthofen.

Der Kabarettist Ringlstetter gehört zu den Menschen, deren Lachen ansteckend ist. Wenn er eine Anekdote aus seinem Leben erzählt, kurz vor der Pointe innehält, auflacht und erst dann den Gag bringt, dann tobt der Saal. Und wenn er das Publikum in einen Dialog verstrickt, mit Fragen einbezieht, dann beweist er nicht nur Humor, sondern auch Schlagfertigkeit.

„Aufgrund von Gründen“ heißt das aktuelle Programm, weil alles einen Grund hat, auch wenn es keinen Sinn hat. Das sind die valentinesken Bemerkungen des Ringlstetter. Und er liebt wie alle bayerischen Kabarettisten den schrulligen Querdenker aus Planegg bei München, zitiert ihn auch: Nicht der Mensch ist das Problem, sondern die Leut …

Und dieser Weisheit folgend beschäftigt er sich mal bissig, mal augenzwinkernd mit so vielen Dingen des täglichen Lebens, die ihm „stinken“. Wenn man die praktischen Kaffeepads aus Umweltschutzüberlegungen nicht mehr nutzt und sich eine dieser hochmodernen Siebträger-Espressoautomaten anschafft, dann sind die in so viel klimabeeinflussenden Müll verpackt, dass man locker ein Leben lang die verpönten Pads ohne schlechtes Gewissen hätte nutzen können.

Und er beklagt auch, dass der regionale Rassismus Hochkonjunktur habe. Dem hält er sein Motto entgegen, das sich vielfältig abwandeln lässt: „Think global, drink regional“ – allerdings bevorzugt er hopfiges Pils aus Jever, wie er zugibt.

Ach ja, da waren ja auch noch die Tattoos bei jungen Frauen, chinesische Schriftzeichen vom Hals bis – ja wohin denn? Da möchte man als Partner doch vor allem wissen, was das heiße – Sex hin, Sex her.

Geradezu empörend findet er „asmr“. Da holt er aus und erzählt, dass sein Sohn trotz Verbots im Bett unter der Decke Erdnussflips gefuttert habe, weil er dann trotz oder wegen der Krümel besser habe einschlafen können. Das geht heute digital mit einem „asmr“-Video. Da wird – psychologisch untermauert – dem Betrachter ein entspannendes Kribbeln vermittelt, wo früher Brösel nötig waren ...

Und schließlich berichtet Ringlstetter aus dem Thermalbad Erding, wo im Wellnessbereich im Warmwasserbecken eine Bar installiert ist samt Barhockern, die von Männern, – nackt! – besetzt sind. Ausgeschenkt wird ortsansässiges Bier. Das Wasser ist 37 Grad warm – kurz gefasst: Ringlstetter spricht von einem humanen Durchlauferhitzer.

Ernst sein kann er auch, und so beendet er sein Programm mit einem Lied, nein, einer Ode an all die helfenden Menschen, die vom Computer nicht ersetzt werden können.

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