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Gablingen

21.08.2018

Fällt ein Handy vom Himmel...

Sechs Meter hoch ist die etwa einen Kilometer lange Mauer, die das neue Gefängnis in Gablingen umschließt. Weil die Anstalt auf dem freien Feld steht, können Fluggeräte schnell erkannt werden. 

Damit Luftpost nicht mehr frei Haus kommt, werden mehrere Gefängnisse in Bayern aufgerüstet. Die JVA in Gablingen gibt Drohnen praktisch keine Chance.

Was nach einer Fernsehkrimi-Fantasie klingt, ist bereits Realität: Drogen, Handys oder auch Waffen werden mit lenkbaren Drohnen zu Gefangenen geflogen oder direkt über Justizvollzugsanstalten abgeworfen. In Bayern wurden zwischen 2015 und 2017 insgesamt 31 unbemannte Flugkörper im Bereich von Gefängnissen gesichtet. In Gablingen hat es offenbar noch kein Drohnenpilot gewagt, sich dem modernen Gebäude zu nähern. Schmuggelei über die Luft „funktioniert bei uns auch nicht“, sagt die Anstaltsleiterin Zoraida Maldonado de Landauer. Denn: „Bei uns würde man eine Drohne sofort sehen.“

Das neue Gefängnis mit seiner sechs Meter hohen Mauer steht mitten auf dem Feld. Es gibt keine Bebauung in unmittelbarer Nachbarschaft. Anders war es freilich, als sich das Gefängnis noch in der Karmelitengasse im Augsburger Domviertel befand. Dort gab es auch Schmuggelversuche, erinnert sich Zoraida Maldonado de Landauer. Beispielsweise kam die Luftpost mit Pfeil und Bogen. Oder per Schleuder. In Gablingen würde der Absender schnell erkannt: Wer sich unbefugt außerhalb der sechs Meter hohen Mauern aufhält, gerät schnell ins Visier des Wachdienstes. Der ist laut Innenministerium generell für das Thema sensibilisiert und kann einschreiten.

Den moderneste Schutz bieten Abwehrsysteme

Eine weitere Möglichkeit, die delikate Luftpost abzufangen: An den Haftraumfenstern werden engmaschige Vorsatzgitter angebracht. Außerdem würden verstärkt neuralgische Außenflächen innerhalb der Haftanstalten abgesucht, teilt das Innenministerium mit. Den moderneste Schutz bieten allerdings Abwehrsysteme. Davon gibt es einige auf dem Markt. Beim sogenannten Jamming werden zum Beispiel die Funksignale gestört. Die Folge: die Drohne wird zur Landung gezwungen oder stürzt ab. Bei einem anderen System werden die Fluggeräte per Radar erfasst und dann mit Gummikugeln abgeschossen. Es gibt auch Methoden, die Fluggeräte akustisch, optisch sowie thermisch zu orten.

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Wie auch immer. Das Drohnen-Problem wird vom Innenministerium ernstgenommen. „Drohnen können in vielerlei Hinsicht eine Gefahr für die Sicherheit von Justizvollzugsanstalten darstellen. Insbesondere können mithilfe von Drohnen verbotene oder gefährliche Gegenstände wie Drogen oder Waffen auf das Anstaltsgelände gebracht werden“, heißt es auf Nachfrage. Und: „Auch das unerlaubte Filmen von Gefangenen und die damit verbundene Verletzung von Persönlichkeitsrechten ist eine mögliche Gefahrenquelle.“

Um sie auszuschließen, hat der Bayerische Landtag im Nachtragshaushalt 2018 insgesamt zwei Millionen Euro für die Drohnen-Abwehr vorgesehen. Acht Justizvollzugsanstalten wurden für das Drohnendetektionssystem ausgewählt. Für die JVA in Gablingen ist derzeit laut Information des Innenministeriums noch kein Detektionssystem vorgesehen. Wer den Zuschlag erhält, richte sich nach verschiedenen Kriterien wie allgemeiner Sicherheitslage oder Lage der Anstalt in der Stadtmitte. Apropos Zentrum: Über der Haftanstalt Berlin-Moabit, einen Steinwurf vom Regierungsviertel entfernt, warfen Multikopter schon einmal sechs Gramm Marihuana und elf Gramm Haschisch ab. Kommentar

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