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Gessertshausen

16.04.2013

Familie Storch baut auf dem Kran

Nisten mal anders: In Gessertshausen hat ein Storchenpaar sein Nest auf einem Kran bezogen, der in der Ortsmitte steht. Ob es dort allerdings bleiben kann, scheint derzeit fraglich zu sein.
Bild: Marcus Merk

In Gessertshausen macht es sich ein Vogelpaar auf einem Baukran gemütlich. Ob es bleiben kann, ist aber unsicher.

Eigentlich wollte Josef Zoller den Kran, der seit einiger Zeit auf seinem Grundstück steht, jetzt wieder verkaufen. Für Umbauarbeiten an seinem Haus in der Gessertshauser Ortsmitte hat er sich eigens ein Gerät angeschafft. Jetzt macht ihm ein Storchenpaar einen Strich durch die Rechnung. Seit Freitag haben es sich die Tiere auf dem Kran gemütlich gemacht und bauten emsig an einem Nest für die nun anstehende Brutzeit. „Am Anfang habe ich nur einen Storch gesehen, dann kam ein zweiter dazu.“

Ob Zoller tatsächlich neue Nachbarn hat, die den ganzen Sommer bleiben, scheint derzeit aber noch fraglich. Er selbst hat nichts dagegen: „Von mir aus können die in diesem Jahr schon da oben bleiben“, sagt er selbst. Fraglicher scheint es allerdings zu sein, ob die Störche es schaffen, auf dem Kran ihre Jungen großzuziehen – schließlich gilt ein Kran als schwierige Basis für ein Storchennest, gibt Thomas Wurschy zu bedenken. Der Dinkelscherber ist Storchbeauftragter und Horstbetreuer am Landratsamt Augsburg. „Es ist nicht gesagt, dass die beiden Tiere das hinbekommen“, gibt er zu bedenken.

Im Unterallgäu nisten auf einem Kran sogar neun Pärchen

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Problem dabei: Würde man den Störchen helfen wollen, etwa in Form einer sturzsicheren Plattform für ihr Nest, hätte das eher den gegenteiligen Effekt. „Die Störche sind in der Erstansiedelungsphase sehr sensibel. Man könnte auch sagen: Wenn man will, dass sie verschwinden, sollte man ihnen beim Nestbau helfen.“ In anderen Worten: Das junge Storchenpaar schafft es aus eigener Kraft – oder gar nicht.

Dabei wäre der Standort in Gessertshausen optimal. Schaffen es die Tiere, wäre es das elfte Storchennest im Landkreis und der Lückenschluss zwischen den Nestern in Fischach und Diedorf. Allerdings müsste man so oder so sehen, was man nach diesem Jahr macht: „Herrn Zoller kann man es kaum zumuten, dass er dauerhaft den Kran auf seinem Grundstück stehen hat“, sagt Wurschy. Eine Umsiedlung sollte aber laut dem Storchenexperten kein Problem sein. Dass Störche auf einem Kran brüten, ist in der Region übrigens nichts gänzlich Neues: Im rund 30 Kilometer entfernten Kirchheim (Unterallgäu) haben es sich seit einigen Jahren auf einem ausrangierten Kran ganze neun Störchenpaare gemütlich gemacht.

Auch dort gab es aber auch schon Probleme: Während eines Sturms fiel eines der Jungen aus dem Nest. In einem Schreiben an das Landratsamt Augsburg vermutet der Landesbund für Vogelschutz, dass einer der Gessertshauser Störche ein Jungstorch aus dem benachbarten Kirchheim sein könnte. Stimmt die Theorie, dann hätte der Kran aus dem Unterallgäu einen neuen Typ Storch erzeugt, der sein Nest am liebsten nicht auf einem Kirchendach, sondern eben lieber auf einem Kran baut.

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