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Fischach

16.07.2019

Familienstation Fischach: Die heile Welt auf dem Land gibt es nicht mehr

Gabriele Wagner ist die Leiterin der Familienstation in Fischach.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Seit vier Jahren hilft die Familienstation in Fischach bei Fragen rund um Kinder, Schule und mehr. Was sich in der vergangenen Zeit verändert hat.

Kinder, Schule, Partnerschaft: Familienleben ist nicht immer leicht. Einen Anlaufpunkt bei Sorgen in diesen Bereichen bietet die Familienstation Fischach seit nun schon vier Jahren. Nicht erst in dieser Zeit ist der Leiterin, Gabriele Wagner, eines klar geworden: In dem Satz „Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung“, steckt nicht viel Wahres. „Ein Problem ist für die Betroffenen ein Problem, egal, ob in der Stadt oder auf dem Land“, sagt sie. Dabei nehmen die Stauden im Landkreis Augsburg durchaus eine Sonderstellung ein: In den relativ kleinen Gemeinden um Fischach ist die Zahl der Kinder in den Familien zumeist höher als in anderen Kommunen. Gleichzeitig liegt das Familieneinkommen relativ niedrig. Diese Zahlen spiegeln sich in den regelmäßigen Sozialraumanalysen des Landkreises Augsburg wider.

Die Familienstation in Fischach ist ein Gemeinschaftsprojekt der Marktgemeinde und des Landkreises. In den vergangenen Jahren sind diese Beratungseinrichtungen im gesamten Landkreis entstanden. Seit Kurzem hat der Landkreis die Arbeitszeit von Gabriele Wagner vor Ort zwar von sechs auf nun zehn Stunden pro Woche erhöht. Die Leiterin sagt aber: Mit weiteren Wochenstunden und zusätzlichen Räumen könnte auch in Fischach noch mehr angeschoben werden. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, ist sie sicher.

Schwerpunkte sind Beratung und Netzwerkarbeit

Heute hat die Arbeit von Gabriele Wagner vor allem zwei Schwerpunkte: Zum einen führt sie beratende Einzelgespräche, zum anderen betreibt sie aktiv das, was unter „Netzwerkarbeit“ zusammengefasst werden kann. Ein Beispiel ist dabei die Elternarbeit an Schulen und Kindergärten. Gabriele Wagner hat angeregt, informative Vorträge für Eltern auf Einladung aller Kindertagesstätten in Fischach anzubieten. Mal ging es um das Thema der Autorität in der Erziehung, in diesem Jahr sollen es die Neuen Medien und ihre Folgen sein. „Im vergangenen Jahr sind dazu 160 Eltern gekommen“, berichtet sie. Weit mehr, als eine einzelne Einrichtung erreichen könnte.

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So unterschiedlich Städte und Gemeinden im Augsburger Land seien, umso ähnlicher werden sich im Laufe der Jahre jedoch die Probleme der Familien, hat sie in ihrer langjährigen Beratungstätigkeit erkannt. Eines davon ist der Wohnraummangel. „Vor Jahren noch hat man benachteiligte Familien gern aufs Land geschickt, weil es sich günstiger lebte. Heute fehlt hier ebenso bezahlbarer Wohnraum wie in der Stadt“, so Wagner. Zudem sei es für auffällige Familien überall schwer, ihre übliche Isolierung zu durchbrechen.

Was in Fischach doch noch anders ist

Einen entscheidenden Pluspunkt gebe es in Fischach jedoch: „Ich erlebe hier ein sehr intaktes soziales Netzwerk“, berichtet sie. In der Marktgemeinde gebe es viele Ehrenamtliche, die sich in verschiedenen Bereichen engagieren. Und auch die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung selbst sei stets erfreulich unproblematisch und zielorientiert.

Dennoch ist Gabriele Wagner nicht vollständig zufrieden, was in den vergangenen Jahren geschaffen wurde. Sie weiß, dass das Angebot noch nicht komplett ist. Sie würde gerne noch spezielle Gruppenstunden anbieten, in denen sich Mütter oder Familien kennenlernen und am Ende in Kontakt bleiben können – eine Art der Selbsthilfe, die gut klappen könne. Ein Projekt, dass viel Zeit und einen geeigneten Raum benötigt.

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