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Landkreis Augsburg

13.02.2018

Faschingswagen: Puppenkiste statt Polit-Satire

Dauerbrenner Jim Knopf: ein Faschingswagen zur Augsburger Puppenkiste ist zeitlos - und völlig unpolitisch.
Bild: Marcus Merk

Früher waren die Faschingsumzüge politischer und vielseitiger. Warum sich die Themen für die fünfte Jahreszeit verändert haben und was überhaupt nicht geht.

Die Stimmung beim Faschingsumzug in Zusmarshausen war prächtig. Dabei fiel es kaum auf, dass mindestens vier Mal Zwerge an den Zuschauern vorbeifuhren. Außerdem gab es gleich mehrere Piratenschiffe zu bestaunen. Märchen, Fabelwesen und Partywägen waren die Hauptbestandteile des Umzugs. Doch wo sind die politischen Themen? Wo die Satire? Lange Jahre war die Lokalpolitik das Steckenpferd des Fasching. Die Umzüge in Zusmarshausen und Welden waren in diesem Jahr bis auf wenige Ausnahmen unpolitisch.

Christian Weldishofer, der Organisator des Umzuges in Zusmarshausen sagt: „Seit Jahren stärken wir den traditionellen Teil des Umzugs.“ Fußläufige Gruppen hätten mehr Gestaltungsmöglichkeiten und seien deshalb oft politischer, als die großen, aufwendig gebauten Wagen. Besonders gut habe ihm beim Umzug am Sonntag das „Groko“ gefallen, außerdem verweist er auf die Steineberger, die sich mit der gemeinsamen Kläranlage für Zusmarshausen und Horgau einem lokalpolitischen Thema angenommen haben.

Hans Reitmayer war Teil der Gruppe vom Steineberg. Es sei nicht darum gegangen, gegen die Kläranlage zu protestieren. Vor allem wollten sie das kontroverse Thema in die Öffentlichkeit tragen. „Der Dreck aus Horgau kommt nach Zus, daraus konnte man etwas machen“, sagt Reitmayer. Eigentlich hatte die Gruppe geplant, sich dem Thema Straßenausbaubeiträge zu widmen, doch die Landesregierung machte ihnen mit dem Beschluss zur Abschaffung der Beiträge einen Strich durch die Planung.

Viele junge Leute wollen eher neutral bleiben

Auch auf die Frage, warum die großen Wagen nicht mehr politisch sind, weiß Reitmayer eine Antwort: „Die sind auf unzähligen Umzügen unterwegs.“ Lokale Themen seien deshalb für viele große Gruppen keine Option. Außerdem sei es schwierig „mit 50 jungen Leuten ein poltisches Thema zu behandeln, viele wollen da eher neutral bleiben“, sagt Hans Reitmayer. Genau wie Weldishofer ist er sich sicher, dass der traditionelle Teil des Umzugs den Gruppen, die zu Fuß unterwegs sind, deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

Fasching muss für Reinhard Hörwick von der Musikvereinigung Welden nicht unbedingt poltisch sein. Der Verein nimmt jedes Jahr mit einem Prinzenwagen, den sie passend zum Motto der aktuellen Bühnenshow dekorieren, an verschiedenen Umzügen Teil. Beim Faschingsumzug in Welden ist auch Hörwick aufgefallen, dass keine politischen Themen vertreten waren. Die Gründe glaubt er zu kennen: „Politisches ist immer eine Gratwanderung.“ Im Fasching stehe für viele die „Fröhlichkeit im Mittelpunkt“. Auch deshalb tendierten immer mehr Gruppen zu „fantastischen oder märchenhaften Themen“, so Hörwick. Außerdem hätte die Gestaltung der Wagen oft praktische Hintergründe: Beim Thema Après-Ski seien die Kostüme warm, bei Schneewittchen einfach zusammenzustellen, erklärt der Weldener.

Für politische Themen braucht man ein gutes Händchen

Wie in Zusmarshausen wird auch beim heutigen Umzug in Deubach die Politik vor allem bei den Fußgruppen vertreten sein. Michael Stöberl, der Organisator des Umzugs erklärt: „Man braucht ein Händchen dafür, ein politisches Thema auf einem Faschingswagen darzustellen.“ Er vergleicht einen politischen Wagen mit einer Karikatur: Das Thema müsse jedem Zuschauer sofort klar sein und das bedeute einen großen Zeitaufwand. Außerdem gibt er zu bedenken, dass die Umzugswagen „für viele junge Leute vor allem rollende Discos sind.“

Egal ob politisch oder nicht, beim Faschingsumzug ist nicht alles erlaubt, da sind sich Christian Weldishofer aus Zusmarshausen und Michael Stöberl aus Deubach einig. „Bei rechtsextremem Gedankengut, pornografischen Inhalten oder alkoholisierten Minderjährigen kennen wir keine Toleranz“, sagt Weldishofer. Er erinnert sich an einen Vorfall im Jahr 2010, als ein Wagen in Zus mitfahren wollte, der eine Hitlergruß zur Schau stellte. „Den haben wir natürlich rausgezogen und es gab eine Anzeige“, so der Organisator. Ähnlich hält es Stöberl: „Meine Leute sind angehalten vor dem Umzug auf bestimmte Dinge zu achten.“ Seien die Darstellungen so unangemessen wie in Dillingen, wo an der Seite eines Wagens Pornos auf einem Bildschirm liefen, dürfe die jeweilige Gruppe nicht mitfahren. Auch „reinen Partytruppen“, die sich nicht um eine „faschingsmäßige Gestaltung“ des Wagens bemühen, will Stöberl nicht beim Umzug in Deubach sehen.

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