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Zusmarshausen

21.01.2020

Film über die letzten Zeitzeugen: Höchste Zeit für Erinnerungen

Der Zeitzeuge Franz Raiser (links) beim Interview mit dem Historiker Michael Philipp.
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Der Zeitzeuge Franz Raiser (links) beim Interview mit dem Historiker Michael Philipp.
Bild: Michael Kalb

Plus Filmemacher Michael Kalb präsentiert mit seiner Doku über „die letzten Zeitzeugen“ in Zusmarshausen Erzählungen, die unter die Haut gehen. 

Maschinengewehrfeuer, Transportwagen, angreifende Tiefflieger, explodierende Panzerfäuste – während der 89-Jährige zu eher martialischer Schilderung greift, bleibt es im übervollen Festsaal St. Albert mucksmäuschenstill. Die hohe Erzählkunst und der leidenschaftliche Redefluss des 89-jährigen Franz Raiser aus Zusmarshausen fesseln das Publikum an die Stühle. Über die spannenden Erzählungen des Seniors, der sich im vergangenen Jahr noch ein Radl zugelegt hat, freut sich einer ganz besonders: Den gerade mal ein Drittel so alten Filmemacher Michael Kalb aus Dinkelscherben, der zusammen mit Kollege Timian Hopf einen Film mit Zeitzeugen wie Raiser und anderen ungefähr Gleichaltrigen gedreht hat.

Im Mittelpunkt des sehr sehenswerten und beim Neujahrsempfang in Szenenausschnitten präsentierten Dokumentarstücks stehen „Die letzten Zeitzeugen“, wie es vieldeutig betitelt wurde. Tatsächlich scheint den darin vorgestellten drei Dutzend Menschen die Zeit davonzulaufen. Liegen ihre oft schrecklichen Erinnerungen doch rund acht Jahrzehnte zurück. Und dass dieses anderthalbstündige Produkt – entstanden aus zweieinhalbjähriger Recherche- wie Dreharbeit mit insgesamt 50 Stunden Rohfassung – in den kommenden Monaten in vielen Kinos bayern- und bundesweit an den Leinwänden auftauchen wird, stellt kein Zufall dar. Im Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal.

Nachfolgende Generationen sollen Nazi-Zeit nicht vergessen

Die „Kriegskinder“ von damals kommen mit ihren sehr unterschiedlichen Eindrücken und Gefühlen ausgiebig zu Wort. Zu verdanken ist es dem vermeintlich simplen Konzept von Zeitzeugen-Gesprächen, einem laut dem Volkskundler und Vorstand des Heimatvereins Reischenau Christoph Lang „geeigneten Weg, wenn man der nachfolgenden Generation etwas vom Leben ihrer Urgroßeltern vermitteln möchte.“

Von „bewegenden Interviews“ sprach Bürgermeister Bernhard Uhl. Daneben besetzt bei dem von mehreren führenden Institutionen geförderten Filmwerk auch die Person Michael Kalb eine gewichtige Nebenrolle: Der Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film München, kam bei seinen Hauptdarstellern, von denen ein paar schon nicht mehr unter uns weilen, gut an. Der freie Produzent und Regisseur, Jahrgang 1989, begegnet ihnen auf Augenhöhe und nicht etwa aus der hohen Warte einen bloßen Beobachters mit vorgefassten Meinungen. Seine ehrliche Direktheit kommt in mancher Filmsequenz zum Vorschein, die dieses wertvolle Dokument aus beweglichen Bildern umso spannender wie unterhaltsamer gestaltet. „Tut es dir weh, daran zu denken, dass nach deinem Tod alle deine Erinnerungen verpuffen?“, fragt der junge Filmkünstler einmal, der sich auf die sicher nicht leichte Aufgabe einließ, die unterschiedlichen Senioren auf eine Reise in die Vergangenheit zu begleiten und die Orte ihrer Kindheit zu besuchen.

Filmemacher Michael Kalb: Wie hätte ich gehandelt?

Dass für diese Art historischer Aufklärung allerorts große Nachfrage besteht beweist das Ausstrahlen des Werks im Bayerischen Rundfunk im Mai. Schon jetzt meldete das Kino „Mephisto“ in Augsburg bei der Premiere am vergangenen Sonntag „volles Haus“ mit weit über 300 Besuchern. Viele Zuschauer berichteten, dass die Dokumentation noch lange Zeit nachgewirkt hätte. Doch Michael Kalb lässt nicht locker: „Jeder kann sich selbst fragen, wie er gehandelt hätte und was die Parallelen von damals zu heute sind.“

Das sind die kommenden Aufführungstermine

  • Samstag, 25. Januar, 20 Uhr,
  • Dinkelscherben (Reischenauhalle, Kohlstattstraße 2, Dinkelscherben)
  • Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr,
  • Fischach (Staudenlandhalle, Schmutterweg 4, Fischach)
  • Mittwoch, 29. Januar, 19.30 Uhr
  • Zusmarshausen (Festsaal St. Albert, Hochstifstraße 6, Zusmarshausen
  • Samstag, 1. Februar, 17 Uhr
  • Königsbrunn (Cineplex, Bgm.-Wohlfarth-Straße 81, Königsbrunn)
  • Donnerstag, 6. Februar, 19.30 Uhr, Pöttmes (Kultursaal des Rathauses, Marktplatz 18, Pöttmes)
  • Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr
  • Langweid am Lech (Pfarrheim, Foretstraße 4, Langweid am Lech)
  • Dienstag, 11. Februar, 19.30 Uhr, Aichach (Cineplex Aichach, Rudolf-Diesel-Straße 6 , Aichach)
  • Samstag, 15. Februar, 17 Uhr
  • Penzing (Cineplex Penzing, Graf-Zeppelin-Straße 11, Penzing)
  • Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr, Schwabmünchen (Stadthalle, Breitweg 20, Schwabmünchen)

Alle Infos zum Film und aktuelle Vorführtermine gibt es unter www.letzte-zeitzeugen.de.


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