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03.06.2009

Fischach sorgt sich um Kinder aus Patchwork-Familien

Fischach (soc) - Der Bevölkerungsanteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren lag Ende 2007 in der Staudengemeinde bei 20,3 Prozent (941 Minderjährige), berichtete Hannes Neumeier, Sachgebietsleiter im Amt für Jugend und Familie, dem Fischacher Marktgemeinderat. Damit sei er höher als in anderen Kommunen des Landkreises, wie der dritten Fortschreibung der Sozialraumanalyse zu entnehmen ist.

Die Anzahl der Heranwachsenden nehme damit zwar zu, aber über kurz oder lang sei aufgrund des Geburtenrückgangs eine Abnahme von 22 Prozent zu erwarten. Das Ziel müsse sein, mehr Kinder zu bekommen. Statistisch gesehen sollte jede Frau 2,14 bis 2,15 Kinder in die Welt setzen, um den Stand im Landkreis zu halten. " Fischach muss familienfreundlicher werden", war sein Fazit.

In Fischach brauchten 19 Kinder eine dauerhafte Unterstützung, da ihre Eltern überfordert seien. Die Gewalt der Jugendlichen gehe laut langzeitlicher Studien statistisch zurück. "90 Prozent aller verklagten Jugendlichen", so Neumeier, "tauchen nicht mehr vor dem Richter auf." Bei den Straftaten, die von Jugendlichen ausgehen, liege Fischach im statistischen Mittel und weise keine Auffälligkeiten auf. Allerdings wird hier mehr geklaut: 70 Prozent der Straftaten sind Diebstahldelikte.

In Fischach gibt es statistisch neun Scheidungskinder pro Jahr. Neumeier stellte eine Zunahme der Scheidungsrate im ländlichen Raum fest. Derzeit leben 80 Prozent aller Kinder in Bayern in Familien, wobei heute eine Familie als ein Elternteil mit mindestens einem Kind zu verstehen ist.

Fischach sorgt sich um Kinder aus Patchwork-Familien

Viele Mütter erziehen Kinder alleine

Fischach verzeichnet 141 alleinerziehende Mütter. Bayernweit sind 14,4 Prozent der Eltern von Minderjährigen alleinerziehend, davon sind 96 Prozent Frauen. 40 Prozent sind Hartz-IV-Empfängerinnen, in Fischach betrifft Hartz IV 17 alleinerziehende Mütter. Mit 48 betroffenen Kindern liege der Markt über dem Landkreisdurchschnitt, so Neumeier. Dennoch habe die Staudengemeinde für diese Gruppe entscheidende Vorzüge: Die Wohnungssituation sei günstig, die Kinderbetreuung sei in Fischach vorbildlich, die Arbeitsplatzsituation sei auch für Ungelernte und Teilzeitkräfte recht gut und die Infrastruktur ebenfalls.

Die Arbeitslosigkeit in Fischach betrage stabile 2,6 Prozent, es sei nur ein "harter Kern", der gar keine Arbeit finde. In der Gemeinde verdiene jeder Haushalt durchschnittlich 3000 Euro brutto im Monat, so die Daten der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung). Doch im Armutsbericht sieht es anderes aus: Etwa 16 Prozent hätten nur 1500 Euro zur Verfügung. Sieben Prozent müssten mit weniger als 1100 Euro brutto auskommen. Demnach klaffe auch in Fischach die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, fasste Neumeier zusammen. "Und ab dem dritten Kind wird es problematisch."

Hilfestellung für die Förderung der Kinder und Jugendlichen bietet das Jugendamt. "Beim Phänomen der Alleinerziehenden dürfen wir die Jugendlichen nicht vergessen", sagte Neumeier, "sie werden vielleicht bald als Erwachsene mit ihrer Familie zurückkehren, wieder in Vereinen aktiv sein, sich neu in den Ort einfügen." Wichtig sei es, dass sie sich hier zu Hause fühlen, bestätigte er das Anliegen von Bürgermeister Peter Ziegelmeier. Das Fazit: Die Zahlen in Fischach sind nicht dramatisch. Dass man sich darauf nicht ausruhen dürfe, betonte Doris Stuhlmiller vom Landratsamt Augsburg. Sie informierte über Regelungen zur Gründung eines Jugendbeirats, wie es ihn schon in anderen Gemeinden gibt.

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