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Langweid

07.10.2019

Forscher testen: Wie fit sind die Kinder im Augsburger Land?

Wie sportlich sind unserer Kinder? Dieser Frage ist ein Studienteam aus Langweid nachgegangen. 
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Wie sportlich sind unserer Kinder? Dieser Frage ist ein Studienteam aus Langweid nachgegangen. 
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein Studienteam aus Karlsruhe macht Station in Langweid und testet die Motorik von Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse fielen positiver aus als erwartet. 

Langsam fährt Samira Kindler mit einem Stift entlang einer vorgegebenen Linie. Bloß nicht den Rand berühren. Ein wenig erinnern ihre Bewegungen an das Spiel „Elektrischer Draht“. Mit der 17-Jährigen im Raum ist die vierjährige Isabel, die rückwärts über einen dünnen Holzbalken balanciert – jede Bewegung wird notiert. Die beiden nehmen an der Studie „Motorik-Modul“, kurz MoMo, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) teil. Darin wird die Fitness der Kinder und Jugendlichen über mehrere Jahre hinweg geprüft. Zwei Tage lang haben nun die Erhebungen im Pfarramt St. Vitus in Langweid stattgefunden.

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Die Langzeitstudie läuft seit 2003. Ziel ist, die motorische Leistungsfähigkeit und Aktivität von Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis 17 Jahren zu erfassen. Noch bis 2020 tourt ein wechselndes studentisches Team durch Deutschland, die Gemeinden und Städte werden anhand des Zufallsprinzips ausgewählt. In Langweid nehmen 21 junge Menschen an der Studie teil.

Wie viel bewegen sich die Kinder im Alltag?

Samira liegt zu Beginn auf einer Liege, verkabelt von Kopf bis Fuß mit Elektroden. „Wir messen das Verhältnis von Muskeln und Fett im Körper“, erklärt Testleiterin Gloria Brunnenstein. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Untersuchung: Ein Fragebogen, den alle Teilnehmer ausfüllen, verrät unter anderem, wie viel sie sich im Alltag bewegen und wie sie sich dabei fühlen. Im Anschluss beginnt der anstrengende Teil der Untersuchung: Einbeinstand, Seitliches Hin- und Herspringen, Rumpfbeugen, Liegestütz und Standweitsprung sowie ein abschließender Fahrrad-Ausdauertest bringen manche Teilnehmer ziemlich ins Schwitzen.

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Brunnenstein ist bereits seit mehreren Tagen für die Untersuchungen in Deutschland unterwegs. Die junge Wissenschaftlerin ist von den Daten der vergangenen Jahre überrascht: „Die Ergebnisse sind nicht so schlecht wie erwartet.“ Zwar sei die Leistung der Kinder und Jugendlichen im Vergleich zu den 1970er Jahren schlechter geworden. Dennoch habe sie mit einer negativeren Entwicklung gerechnet. Allerdings, so prognostiziert sie, könnten die Ergebnisse jener Generation, die mit der Digitalisierung – also dem Smartphone – aufgewachsen sind, schlechter ausfallen.

Drei Mal die Woche ins Fitnessstudio

Auch Samira, obwohl sie in ihrer Kindheit ohne Handy aufgewachsen ist, würde sich in ihrem Alltag gerne mehr bewegen und Zeit in der Natur verbringen. „Meine Freunde sind viel drinnen“, erzählt sie. Obwohl die junge Frau im Alltag eher den Bus als das Fahrrad nimmt, hat sie dennoch mit einem positiven Ergebnis gerechnet. Denn in ihrem Beruf mangelt es der 17-Jährigen trotzdem nicht an Bewegung: Als Hotelfachfrau sei sie tagsüber viel zu Fuß unterwegs. Wenn sie danach trotzdem unausgelastet ist, gehe sie etwa drei Mal pro Woche ins Fitnessstudio.

Im Rahmen der MoMo-Studie macht Samira Kindler (rechts) einen Feinmotorik-Test, Gloria Brunnenstein notiert die Ergebnisse. 
Bild: Andreas Lode

Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Teilnehmer über die Jahre hinweg weniger Ausdauer haben und unbeweglicher sind. „Allerdings hängt das Ergebnis von der Sportart ab, die der Teilnehmer ausübt“, ergänzt Brunnenstein. Ein Fußballer sei üblicherweise beweglicher als eine Turnerin. Dafür sei dieser hingegen ausdauernder.

Die Studie zeigt auch, dass Kinder, die in Vereinen aktiv Sport betreiben, größere Leistungssteigerungen haben als Nicht-Vereinsmitglieder. „Die Schere zwischen unsportlichen und sehr sportlichen Kindern wächst“, fasst die junge Wissenschaftlerin zusammen.

„In Sachsen gab es viele überdurchschnittlich fitte Kinder“

Eine Erkenntnis, die sich auf ganz Deutschland ausweiten lässt. „In Sachsen gab es viele überdurchschnittlich fitte Kinder“, sagt Brunnenstein. Eine Region, in der Leistungssport seit jeher eine große Rolle spielt. Ander sieht es beispielsweise in Frankfurt aus, dort seien überdurchschnittlich fitte Kinder eher die Ausnahme.

Für Isabels Mutter Karin Happ ist Bewegung im Leben ihrer Tochter sehr wichtig. „Isabel verbringt viel Zeit draußen, fährt Fahrrad und ist im Turnverein.“ Deswegen haben sie die positiven Ergebnisse ihrer Tochter auch nicht überrascht. Die Vierjährige zeigt ihrer Mutter stolz eine Urkunde, auf der mehrere Smileys ihr entgegenlächeln. Je mehr Smileys, desto fitter der Teilnehmer.

Die Ergebnisse, die in Langweid erhoben werden, sind aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht repräsentativ. Aussagen können nur für größere Regionen getroffen werden. Für Samira und Isabel war der Test trotzdem zufriedenstellend: Samira beendet die Geschicklichkeitsprüfung souverän. Nur zweimal stößt sie mit den Stift an den Rand. Überdurchschnittlich, lobt sie die Testleiterin.

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