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Gersthofen

11.09.2019

Frank Arloth ist Hundefreund und Manager der bayerischen Justiz

Auch zwei große, schneeweiße Schlittenhunde begrüßen Besucher, die zu Frank Arloth kommen.
Bild: Marcus Merk

Frank Arloth aus Gersthofen ist Amtschef des Justizministeriums. Was ihm im Rechtsstaat Sorge bereitet.

Der Weg zum ranghöchsten Beamten im bayerischen Justizministerium führt erst einmal an zwei großen, schneeweißen Schlittenhunden vorbei. Lautstark bellend begrüßen sie jeden Besucher im Hause Arloth in Gersthofen. Zweimal kräftig durchwuscheln, tätscheln, dann lassen sich die beiden Samojeden von Ehefrau Alice Arloth – die diese Hunde auch züchtet – beruhigen und der Gast darf sich niederlassen. Danach lassen sich die Tiere an der Seite von Frank Arloth nieder und schlecken ihm ab und zu über die Hand. „Wann immer ich kann, laufe ich morgens gemeinsam mit meiner Frau und den Hunden“, erzählt der 61-Jährige. Oft klappt das aber nicht, denn Prof. Dr. Frank Arloth ist seit fünf Jahren der ranghöchste Beamte im bayerischen Justizministerium und somit für alle Gerichte, Staatsanwaltschaften, Gefängnisse und ihre 20000 Mitarbeiter zuständig. Das bringt viele Dienstreisen mit sich, „etwa 80000 Kilometer pro Jahr, um alle Bezirke regelmäßig zu besuchen“, so Arloth. „Die Justiz ist groß“, wie er sagt: 73 Amtsgerichte, 22 Landgerichte und Staatsanwaltschaften, drei Generalstaatsanwaltschaften, drei Oberlandesgerichte, ein Oberstes Landgericht und 36 Justizvollzugsanstalten – und für alle ist Frank Arloth der oberste Amtschef. „Und die kann man nicht nur von München vom Schreibtisch aus führen.“ Da müsse man schon viel vor Ort sein „und wissen, wovon man redet“. Auch nach Berlin fliegt Arloth regelmäßig.

Arloth sitzt für die CSU im Gersthofer Stadtrat

Ins Justizministerium ist der Jurist im Jahr 1986 gewechselt. Außerdem sitzt Arloth auch noch für die CSU im Gersthofer Stadtrat und hält weiterhin Vorlesungen an der Uni Augsburg und der Uni München.

Mit seiner Frau Alice hat Arloth drei inzwischen erwachsene Kinder und ein Enkelkind. Eine Tochter wohnt sogar noch im Elternhaus und der Familienzusammenhalt ist sehr stark. „Ehrlich gesagt hatte ich leider nie genügend Zeit für die Familie“, räumt der 61-Jährige ein. Heute kommt die ganze Familie noch häufig zusammen oder Frank Arloth kann mit einem gelegentlichen Glas aus seiner Sammlung edler Whiskeys nach Feierabend in Ruhe entspannen. Eine Reise in die schottischen Highlands steht aber noch auf der To-do-Liste der Arloths.

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Aber die Freizeit ist rar: Denn die Karriere des Gersthofers verlief steil aufwärts und ließ nicht viel Zeit übrig: Jurastudium, Ministerium, dazwischen Staatsanwalt, Richter am Landgericht, dann am Oberlandesgericht, ab 2005 Leiter des Ministerbüros, 2006 bis 2008 Landgerichtspräsident in Augsburg, ab 2009 Leiter der Abteilung Justizvollzug im Justizministerium und 2014 schließlich Amtschef. Höher steht nur noch der Justizminister, von denen Arloth im Laufe der Jahre nun schon einige hat kommen und gehen sehen: insgesamt acht, darunter Alfred Sauter, Beate Merk, Winfried Bausback und nun seit Söders Kabinettsumbau Georg Eisenreich. Der Amtschef des Justizministeriums bildet die Schnittstelle zwischen dem Minister und der Verwaltung, der Politik und der Behörde. Beide Interessenlagen gilt es, in Einklang zu bringen.

Personalmangel an den bayerischen Gerichten

„Jeder Minister hat andere Schwerpunkte“, sagt Frank Arloth. Der Münchner Georg Eisenreich, noch keine 50 Jahre alt, widmet sich derzeit stark der Bekämpfung von Cyberkriminalität und den Gesetzen im Zusammenhang mit der Wohnungsnot. Außerdem laufe in der bayerischen Justiz gerade eine spannende Selbstverständnisdebatte, berichtet Arloth. Eine Online-Befragung unter allen Mitarbeitern habe viele interessante Verbesserungsvorschläge erbracht, die nun diskutiert und teils auch umgesetzt werden. Der Personalmangel an den bayerischen Gerichten sei in den vergangenen Jahren durch die Schaffung von 2000 zusätzlichen Stellen zwar nicht komplett beseitigt, aber sehr gemildert worden, meint Frank Arloth. Trotzdem habe man bei der Justiz das Gefühl, es sei immer noch zu wenig Personal, weil ständig neue, komplexere Aufgaben hinzukommen.

„Das vermeintlich Angenehme an meinem Job ist, dass niemand Einfluss auf die unabhängige Rechtsprechung hat. In der Justiz sind eigentlich die Gestaltungsmöglichkeiten sehr begrenzt.“ Ein großes Problem sei aber, dass das Vertrauen der Bürger in die Justiz zum Bei-spiel durch den Fall Mollath oder den Mordfall Peggy gelitten habe. „Die bayerische Justiz ist gefordert, diesen Problemen zu begegnen.“

Sorgen macht dem Juristen der allgemeine Rechtsruck und die Zunahme derer, die den Rechtsstaat nicht anerkennen wollen. „Dem muss man sich unbedingt stellen, und da passiert auch sehr viel.“ Zum Beispiel sei in der Justiz eine Zentralstelle geschaffen worden, die sich allein mit der Bekämpfung des Extremismus und insbesondere des Rechtsextremismus befasst.

Sein Großvater war Rechtsanwalt in Augsburg

Wenn Frank Arloth über den Rechtsstaat, die Gerichte und die schwierigen Problemstellungen spricht, ist er in seinem Element. Obwohl die Eltern keine Juristen waren, steckt das Jura-Gen in ihm: Sein Großvater war Rechtsanwalt in Augsburg und zwei Onkel waren hohe Richter. „Ich hab schon in der Schule immer gerne vermittelt und Streit geschlichtet“, erinnert sich Arloth. Dabei hat es ihn nie fasziniert, Verbrecher zu verfolgen und zur Strecke zu bringen. „Ich hatte nie kriminalistischen Eifer – mich interessiert eher das Abwägen, Diskutieren, die wissenschaftliche Seite des Rechts.“ Er empfindet es als Ironie, dass er immer davon geträumt hat, Richter zu werden, es dann aber im Endeffekt insgesamt nur fünf Jahre war. Dann ging es immer wieder ans Ministerium.

Arloth kann noch mit einer weiteren beachtlichen Leistung aufwarten: Mit seiner Frau Alice ist er schon über 40 Jahre verheiratet. Das Ehepaar wohnt nun nach einigen Umwegen wieder dort, wo Alice geboren ist, gleich neben ihrem Elternhaus, in dem heute noch ihre Mutter lebt. „Es ist schön, wenn man wieder dort leben kann, wo man aufgewachsen ist“, sagt Alice Arloth. Das Paar hat in der Jugendclique zueinandergefunden und fühlt sich heute noch sehr wohl in Gersthofen. Allerdings haben sie sich in Vorbereitung auf den – zugegeben noch weit entfernten – Ruhestand kürzlich einen Traum erfüllt und sich an der Nordsee ein zwei Hektar großes Waldgrundstück mit einem kleinen Wochenendhaus gekauft. Dort gefällt es auch den schneeweißen Schlittenhunden.

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