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Dialekte

16.06.2014

Freundschaftliche Vernetzung

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten befasst sich heute mit den Spezln

Es ist wohl eher ein altbairischer Ausdruck, allerdings ist er auch im Schwäbischen bekannt. Und nicht nur das, nein auch den bayerischen Schwaben wird diese Art der „freundschaftlichen Vernetzung“, wie man heute formulieren könnte, zugesprochen – als ob es nicht auch den Kölner Klüngel und andere Verbindungen nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ gäbe. Es geht um den „Spezi“, einen Begriff, der zunächst einfach nur Freund heißt.

„Amicus spezialis“ heißt auf lateinisch „besonderer Freund“. Und aus dem „spezialis“ wurde in der Mundart eben „Spezi“ oder auch „Spez(e)l“. Und das hatte überhaupt keinen negativen Zungenschlag, es war halt jemand, mit dem man „speziell“, also eng verbunden war.

Heute hat das Wort allerdings ein Gschmäckle, verbindet man damit doch im politischen Umfeld den zweifelhaften Ruf der unkorrekten Mauschelei, der Trickserei.

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Eigentlich sind die Spezeln – unpolitisch! – die, mit denen man gerne um die Häuser zieht, also mundartlich „strawanzt“, sich herumtreibt, vielleicht auch mal rumgammelt. Die damit verbundene Untätigkeit wäre dann schon eher negativ, ist doch der Müßiggang bekanntlich der Anfang aller Laster ...

Allerdings ist es natürlich nicht zwingend, dass „Spezeln“ auch gleich „Strawanz(l)er“ sind – ein im Schwäbischen und Bairischen gleichermaßen bekannter Dialektausdruck, den der Duden und andere Lexika oft nicht kennen (wollen). Der Ursprung ist auch hier im Lateinischen zu finden: „extra vagari“ bedeutet so viel wie außerhalb (der normalen Grenzen) gehen, und das darauf beruhende „extravagante“ heißt dann auch ausschweifend, außerordentlich und abenteuerlich.

Ein italienischer Begriff in der Umgangssprache

Das von uns heute noch in der Umgangssprache benutzte Wort „extravagant“ bezieht sich allerdings fast ausschließlich auf besonders ausgefallene Modeartikel. Aus „extravagante“ entstand im Italienischen „stravagante“ für umherschweifend, was dann in unsere Mundarten übernommen wurde. Verwandt damit ist übrigens auch der Vagabund.

Und dann gibt’s ja auch noch jenes Kracherl, das Spezi heiß. Warum, ist laut Duden unklar. Man darf also mutmaßen. Vielleicht ist mit dem Namen Spezi für die Cola-Mix-Limo ursprünglich ein Getränk gemeint, das man vorzugsweise gemeinsam mit seinen Freunden zu sich nimmt. Wer weiß? Klar scheint aber zu sein, dass die „Spezlwirtschaft“ keine gastronomische Einrichtung ist und somit ein Zusammenhang mit dem Getränk Spezi ausgeschlossen werden kann.

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