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Ausstellung

23.06.2017

Frieden ist für jeden etwas anderes

Der Bildhauer Hans Malzer ist dem Eukitea schon seit vielen Jahren verbunden. Im Diedorfer Theaterhaus zeigt er Friedensskulpturen.
Bild: Benedikt Siegert

Im Theaterhaus Eukitea sind begleitend zum Open-Air-Stück Skulpturen und Bilder zu sehen

Mit dem Thema Frieden befasst sich das Diedorfer Theaterensemble Eukitea in dieser Spielzeit ganz besonders. Neben dem neuen Freilichtstück „Frieden ist!“, das am heutigen Freitag 23. Juni, um 21 Uhr seine Premiere auf der Waldbühne bei Anhausen feiert, wird im Diedorfer Theaterhaus parallel eine sehenswerte Ausstellung zum Thema angeboten.

Im Zentrum stehen Skulpturen des Adelsrieder Bildhauers Hans Malzer, der dem Eukitea-Team schon seit vielen Jahren verbunden ist. Er zeigt Objekte, die er aus einer „Friedenslinde“ gefertigt hat. Diese stammt aus Gempfing bei Rain am Lech. „Dort haben die Einwohner seit dem Dreißigjährigen Krieg immer eine Linde gepflanzt, wenn es Krieg gab.“ Vom allerersten dieser Bäume sei nach 350 Jahren ein dicker Ast abgebrochen.

Diesen konnte sich Malzer sichern. „Und wenn es sich schon um eine Friedenslinde handelt, mussten meine Skulpturen folgerichtig etwas mit Frieden zu tun haben.“ So entstand unter anderem eine „Friedensgöttin entfliehend“, die ein Mensch festhalten möchte. Eine seiner Wortsäulen trägt die ersten Worte des Grundgesetzes: „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“, eine Schrifttafel betont „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Dem stellt Malzer die Skulptur „Syria“ gegenüber: Sie wurde im Theatercafé aufgestellt und zeigt eine Frau, die sich über ihren toten Mann beugt – dies sieht Malzer bewusst als eine moderne Variante der „Pieta“ an. „Ich habe zu den Kriegen eine Zeitlang jeweils eine Skulptur geschaffen.“ Ihre Titel klingen wie Frauennamen, zum Beispiel „Srebrenica“. „Ich hab dann aber aufgehört, weil bei der derzeitigen Lage auf der Welt würde ich mit Kriegsskulpturen gar nicht mehr fertig“, so der Bildhauer.

Malzers Kunst begleitet auch die Besucher des Open-Air-Stücks in Anhausen. Auf dem Weg vom Tal hinauf zur Waldbühne hat Malzer weitere zehn eigens für diesen Anlass geschaffene Bild-/Sprachsäulen aufgestellt, die auf die bevorstehende Vorstellung einstimmen sollen.

Ein zweiter Teil der Ausstellung im Theaterhaus ist Zeichnungen zum Thema gewidmet. Hier haben Asylbewerber aus Fürstenfeldbruck im Rahmen eines kunstpädagogischen Projekts unter Leitung von Annelie Güther ihre Vorstellung von Frieden bildlich in einfacher Form, aber durchaus bewegend, umgesetzt. Sie stammen aus Krisenländern wie Nigeria oder Sierra Leone. Bezeichnend daran ist, dass die Bilder alle eine feste Umrahmung, feste Grenzen besitzen – eine Sehnsucht nach Ordnung in einer zerfallenen Welt.

Für Sheriff Musik aus Sierra Leone ist Friede eine Hand, die den Mond hält: „Die Nacht und der Schlaf sind friedlich – und nur sie, denn am Tag herrscht Chaos“, sagt er zu seinem Bild. Eine sehr zarte Bleistiftzeichnung hat Happy aus Nigeria gefertigt. In deren Zetrum steht eine Blume. „Sie ist für mich ein Zeichen von Frieden“, sagt er. „Es war die letzte Blume, die mir meine Mutter vor ihrem Tod geschenkt hat.“ Schon vor seiner Flucht hat Happy gezeichnet. Auch durch diese Arbeiten zieht sich das Thema Frieden wie ein roter Faden. „Frieden ist für mich aber auch, in Deutschland zu sein.“

Der 37-jährige Salomon wiederum hat eine Hand mit Fingernägeln gezeichnet. „Eine Hand kann so viel ausdrücken, zum Beispiel die Gebetsgeste.“ Die Farben seines Bilds zeigen das Gefühl. Blau steht dabei für Frieden und Liebe, Gelb steht für Helligkeit, Schönheit. „Diese suchen wir alle“, sagt Salomon.

am 23./24./30. Juni und 1. Juli jeweils von 17.30 bis 19 Uhr im Theaterhaus Diedorf sowie werktags auf Anfrage, Telefon 08238/9647430.

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