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Landkreis Augsburg

25.11.2017

„Führerschein für Mieter“ hilft bei der Suche

Susanne Kern und Uwe Krüger aus Neusäß haben eine Schulung zur Mieterqualifizierung entwickelt, die inzwischen sehr gefragt ist.
Bild: Andreas Lode

Mit ihrem Schulungskonzept haben Susanne Kern und Uwe Krüger aus Neusäß inzwischen bundesweit Erfolg.

Wer zurzeit eine Wohnung sucht, hat es nicht leicht. Erst recht, wenn der Mieter ein geringes Einkommen hat oder ein anerkannter Flüchtling ist. Denn die Vorbehalte der Vermieter sind groß: Wird dieser Mieter meine Immobilie pfleglich behandeln? Weiß er, welche Pflichten auf ihn zukommen? Gerade bei Ausländern befürchten die Vermieter, er könnte sich mit den hiesigen Anforderungen nicht auskennen. Das fängt bei der Mülltrennung an und hört beim richtigen Wäschetrocken auf.

Für dieses Problem haben Susanne Kern und Uwe Krüger aus Neusäß vor einigen Monaten eine Lösung gefunden, die mittlerweile heiß begehrt ist und viele Nachahmer gefunden hat: die „Mieterqualifizierung – Neusässer Konzept“. Zwei ehrenamtliche Helfer – Susanne Kern ist Unternehmensberaterin, Uwe Krüger Bankkaufmann – haben Schulungsunterlagen zusammengestellt, um anerkannte Flüchtlinge fit für die eigene Wohnung zu machen.

In der Schulung lernten die Teilnehmer, wie man auf eine Wohnungsannonce antwortet, welche Pflichten ein Mieter hat und wie man Vorurteilen begegnet. Das Konzept bringt anerkannten Asylbewerbern Regeln wie Mülltrennung oder Brandschutz nahe und zeigt ihnen, was sie bei Besichtigungsterminen und beim Abschluss eines Mietvertrages beachten sollten. Das Schulungskonzept enthält auch einen Gesprächsleitfaden für die Kommunikation mit dem Vermieter und Hilfe bei der Erstellung einer Bewerbungsmappe für den Besichtigungstermin.

Die Schulungsunterlagen werden auf einem USB-Stick verschickt

Inzwischen sind diese Schulungsunterlagen, die auf einem USB-Stick gespeichert sind, bundesweit gefragt. Susanne Kern und Uwe Krüger waren selbst überrascht, wie „explosionsartig“ sich ihr Konzept verbreitet hat und wie viel Interesse das Thema geweckt hat. Sie freuen sich, dass sie anderen das Konzept und die Unterlagen weiter geben könnenn, damit sie selbst Wohnungssuchende schulen können.

Und zwar nicht nur Asylbewerber, sondern auch andere sozial schwache Gruppen. Sehr viele sozialen Träger und Kommunen möchten das Schulungskonzept anwenden. „Das ist auch hilfreich für Haftentlassene, Bezieher von Sozialleistungen, Wohnungslose oder Lehrlinge, die lernen möchten, wie man sich bei der Wohnungssuche gut präsentiert“, erläutert Susanne Kern. Dabei sei es nicht das Ziel, den Wohnungssuchenden an die Hand zu nehmen, sondern ihn selbst machen zu lassen. „Er soll durch die Schulung befähigt werden, selbst einen guten ersten Eindruck bei einem Vermieter zu hinterlassen, um eine Chance auf dem Wohnungsmarkt zu haben“, so Uwe Krüger.

Dass diese Vorstellung nicht utopisch ist, zeigte der Anruf einer älteren Dame, die von dem Konzept in der Zeitung gelesen hatte. „Ich habe schon so viele schlechte Erfahrungen gemacht mit Mietern, von denen man das nie gedacht hätte – Akademiker zum Beispiel“, erzählt die 83-jährige Wertingerin. Diese Kandidaten hätte sie aber ja nur einmal kurz gesehen.

Nun vermietet sie ihre kleine Eigentumswohnung bewusst an einen jungen Afghanen aus der Mieterqualifizierung, „denn diese Kursleiter kennen ihre Leute ganz genau“. Die Seniorin vertraut darauf, dass die Wohnungssuchenden im Kurs alles gelernt haben, was man wissen müssen.

Den Trainerleitfaden und das Konzept zur Mieterqualifizierung stellten die Neusässer auch im Kreistag vor

Landrat Martin Sailer versicherte, ein Schreiben an die Bürgermeister des Landkreises zu richten. Inzwischen halten die beiden Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit Trainerkurse in ganz Bayern ab, um andere zum Kursleiter auszubilden. „Es macht Spaß und freut uns, dass auch andere so begeistern sind von unserer Idee“, so Susanne Kern. Im November reisten Kern und Krüger unter anderem nach Erlangen und stellten ihr Konzept auf der Bayerischen Integrationskonferenz vor Vertretern der Kommunen vor. „Wir waren da wahrscheinlich die einzigen, die nicht bezahlt wurden“, schmunzelt Susanne Kern.

Die beiden würden es auch gar nicht anders haben wollen – denn ihre Unabhängigkeit ist ihnen sehr wichtig. Dadurch können sie ihre Unterlagen nach ihren eigenen Erfahrungen ständig aktualisieren und ergänzen. Wer das Paket einmal erworben hat, erhält auch automatisch alle Updates.

Ohne Schulung könne sich aus bis zu 60 Telefonaten mit Glück vielleicht nur ein einziger Besichtigungstermin ergeben, erklärt Uwe Krüger aus seiner Erfahrung. Mit dem von ihnen entwickelten Gesprächstraining sei die Quote mit einem Termin aus fünf Anrufen deutlich besser. „Es geht darum, mit den Vermietern eine persönliche Beziehung aufzubauen und auf kritische Einwürfe des Vermieters nicht unklug zu reagieren.“ Immerhin gebe es nur eine Chance, einen guten ersten Eindruck zu machen.

Mehr Informationen im Internet:

www.mieterqualifizierung.de

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