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Horgau

26.04.2019

Führt Navi-Irrsinn in Horgau Verkehr auf Schleichwege?

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Am Dienstag staute sich der Verkehr auf der schmalen Landstraße von Horgauergreut in Richtung Horgauer Bahnhof. Die Straße ist allerdings viel zu schmal für viele Lastwagen.

Ein Unfall auf der Autobahn führt zu einer Menge Autos und Lastwagen in Horgau. Weil viele Lastwagen auf eine schmale Landstraße ausweichen, kommt es zu Stau.

Es könnte so idyllisch sein, auf der kleinen Straße zwischen den Feldern im Norden vor Horgau. Doch am Dienstagnachmittag herrschte hier Verkehrschaos. Viele Lastwagen drängten sich auf der schmalen Straße, kaum breit genug für zwei Autos nebeneinander. Stau auf dem Schleichweg Richtung Horgauer Bahnhof. Doch woher kam der Verkehr?

Eine Erklärung könnte ein Navigationsproblem sein. Aber auch eine Baustelle spielt wohl eine Rolle. Weil die A8 am Dienstagnachmittag wegen eines Unfalls kurzzeitig gesperrt war, musste ausgewichen werden. Autofahrer mussten die A8 in Zusmarshausen verlassen und konnten in Adelsried wieder auffahren. Die schnellste Route für Lastwagen bei viel Verkehr führt durch Horgau. Entlang der Augsburger Straße bis zur Kreuzung mit der Kreisstraße östlich des Orts, dann links in Richtung Horgauer Bahnhof. Ein Großteil der Lastwagen und Autos waren am Dienstag aber auf einer ganz anderen Strecke unterwegs. Sie fuhren durch das Wohngebiet entlang der Greuter Straßer in Horgauergreut. Eine Strecke, die viele Navigationsgeräte wohl vorschlagen, weil sie etwas kürzer ist. Ganz zum Ärger der Anwohner.

„Normalerweise nutzen nur Einheimische den Schleichweg“

Hubert Siedlak und Tobias Fischer wohnen an der Strecke und beschreiben die Durchfahrt in der Siedlung eigentlich als ruhig. „Normalerweise nutzen nur Einheimische den Schleichweg“, sagt Fischer. Der Umleitungsverkehr von der A8 ginge in der Regel über die Augsburger Straße. Am Dienstag allerdings war deutlich mehr Verkehr, bestätigen beide. Die Ursache führen sie auf die Baustelle im Ort zurück. Fischer meint: „Zwei Tage lang war die Augsburger Straße wegen einer mobilen Ampel nur einspurig befahrbar.“ Aus diesem Grund staute es sich bis in den nächsten Ort nach Auerbach und die Autofahrer wichen auf die Greuter Straße aus. So kam es, dass sich große Lastwagen durch die schmalen Siedlungsstraßen zwängten. Mittlerweile ist die Strecke wieder auf beiden Spuren befahrbar.

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Der Test zeigt aber, dass Navigationsdienste noch immer am liebsten durch das Wohngebiet lotsen. Will man aus Richtung Zusmarshausen kommend zur Autobahnauffahrt in Adelsried, führt sowohl die Route des Anbieters Google Maps als auch die von TomTom und Falk durch das Wohngebiet und die schmale Straße auf den Feldern. Je nach Einstellung kann sich die Route ändern. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin des Unternehmens TomTom, ihr System führe nicht automatisch auf die kürzeste Strecke. Der Berechnung zu Grunde liege eine komplexer Algorithmus. Weshalb die Route aber im konkreten Fall in Horgau auf sehr schmale Orts- und Landstraßen führe, müsse geprüft werden.

Hier an der dieser Kreuzung östlich von Horgau sollten die Lastwagen eigentlich abbiegen. 

Vier Verkehr vor dem Kindergarten in Horgau

Für Martina Trawin, Leiterin des Kindergartens an der Greuter Straße, ist der Durchgangsverkehr ein Problem. Vor dem Kindergarten ist das Tempo auf 30 beschränkt, aber „kaum jemand hält sich daran“, schimpft sie. In der Mittagszeit komme es zu viel Verkehr, wenn die mehr als 100 Kinder mit dem Auto oder Schulbus abgeholt werden. Entsprechend beengt sei dann die Straße. Da hatte der Kindergarten am Dienstagnachmittag wohl Glück im Unglück. Denn wäre der Unfall auf der Autobahn bereits mittags passiert, wäre womöglich ein Verkehrschaos in der Siedlung ausgebrochen. Trawik sagt: „Die Lastwagen sind für die Straße viel zu groß und gefährlich für die Kinder.“ Darüber hinaus wird am Kindergarten bis zum Sommer noch gebaut, so dass viele Baufahrzeuge auf der Straße fahren – ebenso wie Traktoren und größere landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Immer wieder nutzen Autofahrer den Schleichweg.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Anwohner an der Greuter Straße über den Verkehr beschweren, sagt auch Horgaus Bürgermeister Thomas Hafner. Wenn – wie am Dienstag – auch noch viele Lastwagen im Wohngebiet unterwegs sind, sei das „fatal“. Entspannt werden könnte die Situation zum Beispiel mit Verkehrsinsel, meint Hafner. Um das Problem konkret benennen zu können, müsse man aber zunächst den Verkehr zählen.

Immer wieder kommt es zu kuriosen Navi-Unfällen

Warum das Navi den Autofahrern die schmalen Ortsstraßen als beste Lösung vorschlägt, bleibt vorerst unbeantwortet. Dass Navis für manch kuriose Irrfahrten verantwortlich sind, ist aber sicher. Das zeigen diese kuriosen Beispiele aus der Vergangenheit:

So führt das Navi Suchende vom Dinkelscherbener Ortsteil Ried bis nach Fischach viele Jahre lang einige Kilometer auf einer unbefestigten einspurigen Straße durch den tiefen Wald.

Eine 19-Jährige Kölnerin vertraute im vergangenen Jahr ihrem Navi und landete in Steinekirch bei Zusmarshausen an einem Hang. Davon irritiert ließ die 19-Jährige ihr Auto zurückrollen – sie prallte gegen einen Verteilerkasten und ein Schild

Weil er sämtliche Straßensperrungen missachtete und seinem Navigationsgerät vertraute, versenkte ein Lastwagenfahrer in Friedberg-Derchingdank seinen 24-Tonner mitten im weichen Erdboden eines Ackers.

Immer wieder kommt es vor der Kreuzung in Horgau zu Unfällen: Muss ein Kreisel her?

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