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Wirtschaft

04.04.2019

Für das perfekte Gefühl auf der Haut

Bei Huntsman Chemie lagern Flüssigkeiten, die unter anderem unsere Kleidung wasserabweisend machen. Langweids Bürgermeister Jürgen Gilg (links) und Landrat Martin Sailer besichtigten mit Geschäftsführerin Kristina Platkowski das Unternehmen.
Bild: Brigitte Mellert

Wie sich das Langweider Chemieunternehmen Huntsman entwickeln will

In großen Behältern lagern sie, Chemikalien mit kryptischen Namen wie Phobotex APK. Der Name mag auf den ersten Blick kaum jemandem etwas sagen. Doch die meisten werden die Substanz in irgendeiner Form bereits auf der Haut getragen haben. Denn das Chemieunternehmen Huntsman in Langweid ist Textilveredler und unter anderem verantwortlich dafür, dass unsere Hemden sich leichter bügeln lassen, Pullover sich sanft an den Körper schmiegen und Jacken sich nicht mit Wasser vollsaugen.

Begonnen hatte die Unternehmensgeschichte 1888 als Familienunternehmen „Chemische Fabrik Pfersee“. Seit 1983 befindet sich der Standort in Langweid, um für ein solch großes Chemieunternehmen genügend Platz zu haben. Vor 13 Jahren hat der US-Konzern Huntsman das Sagen übernommen. Auf rund 280000 Quadratmetern befindet sich die Fabrik direkt neben der B2 in Langweid. Unscheinbar wirkt das Gelände auf den ersten Blick, rund 180 Menschen arbeiten dort.

Die Hauptaufgabe des Textilveredlers liegt in der Vorbehandlung, Färbung und in der Nachbehandlung von Materialien. So unscheinbar durchsichtige Flüssigkeiten erscheinen mögen, so essenziell sind sie im Alltag geworden. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass ein Stoff öl- und wasserabweisend ist oder gegen Mücken schützt. „Ich wusste vorher auch nicht, wie viel Arbeit in Baumwolle steckt“, sagt Geschäftsführerin Kristina Platkowski.

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Rund 300 Produkte fertigt der Betrieb – das entspricht 30000 Tonnen. „Wir haben derzeit mehr technische Kapazität, als wir für den Textilmarkt benötigen“, erklärt die Geschäftsführerin. Aus diesem Grund produziert die Firma auch in Kooperationen mit BASF und anderen Firmen für weitere Märkte. Hauptsächlich an Kunden in Europa, aber auch im asiatischen Raum und USA. Ebenso stammt ein Teil der Rohstoffe aus China, da diese in Deutschland nicht produziert werden. Nur die eigene Werkfeuerwehr zeigt: Hier wird mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet. Bei Huntsman handelt es sich um einen sogenannten Störfallbetrieb. Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen: Ohne Sicherheitsunterweisung darf niemand auf das Gelände. Für Werksführungen sind zudem Helm und Schutzbrille Pflicht, in bestimmten Bereichen muss das Handy draußen bleiben – wegen der Explosionsgefahr.

Platkowski ist seit über vier Jahren Geschäftsführerin des Standorts in Langweid. Seitdem hat das Unternehmen auch deutlich mehr Geld in die Hand genommen: „Wir haben unsere Investitionen in den letzten Jahren auf rund fünf Millionen Euro im Jahr gesteigert, unter anderem für ein neues Prozessleitsystem“, erklärt Platkowski jetzt bei einem Besuch von Landrat Martin Sailer. Zuvor lagen die Investitionen mit rund 1,5 Millionen Euro deutlich darunter.

Trotz gestiegener Investitionen plagen das Unternehmen Nachwuchssorgen. „Heuer haben wir nur einen Auszubildenden“, sagt Platkowski. Das liege an dem Schichtsystem und dem Bereitschaftsdienst des Unternehmens. Das schrecke viele junge Menschen ab. Aber auch der entlegene Standort trage dazu bei, dass kaum Auszubildende kämen. Dennoch kann das Unternehmen auf eine hohe Anzahl an Frauen blicken. „Wir haben 60 Prozent weibliche Führungskräfte,“ sagt Platkowski stolz. Die Arbeitszeiten seien familienfreundlich und flexibel gestaltbar – und das motiviere Frauen.

Trotz teils aggressiver Chemikalien in der Produktion hat sich das Langweider Unternehmen auf die Fahne geschrieben, nachhaltig zu arbeiten. Das sei nicht so einfach, wie die Geschäftsführerin anmerkt. Die Herausforderung liege darin, ohne aggressive Chemie trotzdem noch den gewünschten Effekt zu erzielen. „Die Menschen haben Erwartungen an eine Marke. Sie wünschen sich das perfekte Gefühl und Tragekomfort.“ Und diese Erwartung müssten sie als Unternehmen erfüllen.

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