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Leitershofen

12.08.2020

Für eine Leitershoferin geht ein Lebenstraum auf der Bühne in Erfüllung

Für die Leitershofer Schauspielerin Marina Lötschert (im Gespräch mit Regisseurin Elsa Vortisch) ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
Bild: Ana Gutschke

Plus Schauspielerin Marina Lötschert aus Leitershofen musste zwölf Jahre auf ein Vorsprechen im Staatstheater Augsburg warten. Jetzt wurde sie endlich engagiert.

Schon als kleines Mädchen besuchte die Leitershofer Schauspielerin Marina Lötschert mit ihren Eltern die beliebten Weihnachtsvorstellungen im Theater Augsburg und war beeindruckt. Sie erinnert sich noch heute an das besondere Gefühl im Zuschauerraum unter dem großen Deckenleuchter zu sitzen, an dem ihr Opa Karl mitwirkte. Der handwerklich geschickte Großvater, den sie leider nur aus Erzählungen kennt, schuf auch das Wappen bei der Bühne der Augsburger Puppenkiste und schmiedete eine Ritterrüstung für die Aufführungen „der heilige Johanna“ auf der Freilichtbühne.

Während ihrer Schulzeit in Maria Stern hospitierte die heute 37-Jährige bereits am Theater Augsburg und schnupperte erste Theaterluft, sprang 2006/2007 als Regieassistentin für die Produktion „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, damals noch in der Komödie, ein. Seit ihrem Schauspielstudium, das sie 2005 abgeschlossen hatte, bewarb sie sich 15 Jahre immer wieder, suchte den Kontakt. „Erst die heutige Intendanz und die Schauspielleitung hatten ein offenes Ohr für mich und haben mich vor drei Jahren zum Vorsprechen eingeladen, ich habe nie aufgegeben und mein Ziel auf der Augsburger Bühne zu stehen, nie aus den Augen verloren“, erklärt Marina Lötschert.

Leitershofer Schauspielerin Marina Lötschert spricht von "Luxus"

Dass sie dann ausgerechnet ihr „Lebenstraumengagement“ in einer Zeit bekommt, wo alles abgesagt und man eher mit einer Kündigung rechnen muss, ist für die Leitershoferin, wie sie sagt, die Krönung. „Es ist mir ein Anliegen für meine Stadt in unserem Theater, für meine Familie und Freunde hier auf der Bühne spielen zu dürfen.“ Sie empfindet dies als Luxus. Die Schauspielerin kann gleichzeitig bei ihrem Mann Florian und den Töchtern Luisa, 11, und Lilly, 9, sein und am Theater proben. Sie ist dankbar und glücklich, dass gerade am Staatstheater Augsburg es sogar erwünscht ist, dass Familie und Beruf vereinbar sind. „Das ist nicht selbstverständlich in unserer Branche“ betont sie.

Für eine Leitershoferin geht ein Lebenstraum auf der Bühne in Erfüllung

In den letzten Jahren war Marina Lötschert nahezu immer unterwegs, spielte am Staatstheater Karlsruhe, auf des Landesbühne Rheinland-Pfalz, bei den Carl-Orff-Festspielen und wurde 2019 bei den Brüder Grimm Festspielen in Hanau mit dem Publikumspreis für ihre Rolle als Amme von Schneewittchen ausgezeichnet. Mit dem legendären Hamburger Schmidt Theater auf St. Pauli war sie mit dem Familienmusical „Die Weihnachtsbäckerei“ im letzten Winter auf Tournee. Auch im TV ist Lötschert immer wieder in den verschiedensten Rollen präsent wie einst in der Lindenstraße, Dahoam is Dahoam, Mord in bester Gesellschaft, Das Glück der Anderen oder Zimmer mit Stall.

Besonders freut sich die vielseitige Schauspielerin, dass sie am ersten Probentag am Staatstheater durch den Intendanten André Brückner, sowie der Schauspielleitung David Ortmann persönlich mit einem „Herzlich willkommen im Team“ begrüßt wurde. Sie lernte ihre vier männlichen Schauspielkollegen, den musikalischen Leiter ENIK wie die Regisseurin Elsa Vortisch kennen, sowie ihre Assistenz, Bühnen- und Kostümbildnerin und den Beleuchtungsmeister.

Die Leitershofer Schauspielerin Marina Lötschert wurde als Gastschauspielerin für den Liederabend „Fliegende Bauten“ am Staatstheater Augsburg engagiert.
Bild: Ingrid Strohmayr

Der Liederabend „Fliegende Bauten“ ist eine Stückentwicklung, verrät die Mimin. Das heißt, das Stück entsteht in den Proben, es gibt noch kein Textbuch. „Wir lesen Texte, unsere Regisseurin gibt uns Schreibaufgaben oder bereitet uns Fragebögen vor, wir hören viel Musik, sehen uns unter anderem auch Filme an oder machen Improvisationen, alles zum Kernthema „Zuhause“.

Aus diesen einzelnen Puzzleteilen setzt Elsa Vortisch das Stück zusammen. Es kann sozialkritisch sein, es gibt Überraschungen, womit der Zuschauer nicht rechnet. Aber gerade sind die Mitwirkenden noch mitten im Probenprozess, machen Brainstorming und sammeln Gedanke, mehr möchte und darf Marina Lötschert nicht verraten. „Wir haben das Glück, gerade proben zu dürfen, was an anderen Theatern noch nicht der Fall ist, es gibt aber auch hier die strengen Hygienevorschriften.“

Die Schauspieler gehen mit dem Mund-Nasen-Schutz zur Probe. Erst dann auf der Bühne, immer mit den gleichen Kollegen, kann die Maske abgenommen werden. Der Abstand muss eingehalten werden, überall steht Desinfektionsmittel bereit. Ist man gerade richtig in Fahrt, dann wird wieder unterbrochen, da gelüftet werden muss. „Das ist manchmal für den Probenprozess schade, aber wir sind glücklich, derzeit proben zu dürfen“, sagt Lötschert.

Eine Rolle in ARD-Unterhaltungsserie

Besonders begeistert ist sie von der Zusammenarbeit mit dem musikalischen Leiter ENIK, der schon am Staatstheater Augsburg für die Inszenierung „Baal“ die Musik machte. „Es ist ein Geschenk, mit ihm zusammen zu arbeiten.“ Sie komme manchmal aus dem Staunen nicht heraus, es seien oft nur Kleinigkeiten, die so viel bewirken. Sie lerne hierbei sehr viel und das alles fordere auch die vollste Konzentration sowie auch körperliche Leistung.

„Aber dann wird man ehrgeizig und findet Gefallen am Rhythmus oder dem Beat und will gar nicht mehr aufhören…“, berichtet die Schauspielerin. Sie freut sich schon heute auf die Premiere am 3. Oktober auf der Brechtbühne beim Gaswerk.

Demnächst ist die Leitershoferin wieder im TV präsent. Sie steht am 14. August bei Bavaria Film GmbH in München für eine Folge der ARD-Unterhaltungsserie „Toni, männlich, Hebamme“ vor der Kamera. „Über das Engagement habe ich mich natürlich sehr gefreut, ich spiele eine Ärztin in der Notaufnahme, bisher war ich meist eine Krankenschwester oder Pflegerin, ich hab mich also „hochgearbeitet“, verrät die Mimin lachend.

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