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Aystetten

07.04.2020

Fußball und die Corona-Krise: Wann endet „bis auf Weiteres“?

Aufgrund der Coronakrise sind in diesen Tagen sämtliche Sportanlagen gesperrt. Ob und wann die Fußball-Saison in diesem Jahr noch zu Ende gespielt werden kann, steht in den Sternen.
Bild: Karl Aumiller

Plus Der Albtraum für viele Fußball-Interessierte wäre, wenn die Saison erst 2021 enden würde. Bei Aystettens Trainer Löring gibt es trotzdem ein freudiges Ereignis.

Ein ganzer Katalog einfach klingender und gleichzeitig schwer zu beantwortender Fragen treibt die Fußball-Familie in dieser von aller Normalität befreiten Corona-Zeit um. „Der Spielbetrieb ruht bis auf Weiteres“, lautet die Ansage. Aber wann endet „bis auf Weiteres“? Wann rollt endlich wieder der Ball? Unter welchen Bedingungen kann gespielt werden? Wie soll man die Ergebnisse der laufenden Saison werten? Erfolgt eine Fortsetzung der Spiele in ein, zwei oder drei Monaten? (Lesen Sie auch: Profifußball: Mit 239 Leuten zurück in den Liga-Betrieb?)

Oder wird gar die Saison abgebrochen, wie es die Belgier mit ihrer Profi-Liga bereits getan haben? Seriöse Antworten auf diese Fragen vermag derzeit niemand zu geben. Trotzdem ist es wichtig, Lösungsmodelle zu diskutieren – zumal sich im weiten Feld zwischen millionenschweren Bundesliga-Unternehmen und Vereinen an der Basis höchst unterschiedliche Varianten anbieten. Die Diskussionsbeiträge reichen von „alle Entscheidungen sollen auf dem Rasen fallen“ bis hin zu „Abbruch der laufenden Spielzeit ohne Wertung der Ergebnisse“.

Saison 2019/20 steht könnte abgebrochen werden

Auf Ebene der Fußball-Kreise allerdings zeichnet sich dem Vernehmen nach immer klarer ab, dass die Saison 2019/20 – beginnend bei den Junioren – demnächst offiziell abgebrochen wird. Öffentlich bestätigen mag dies noch kein Funktionär, als „undenkbar“ deklariert es aber auch keiner. Als klares Indiz für die Abbruch-Theorie ist zu werten, dass von Amateurvereinen vorab geleistete Zahlungen in den Schiedsrichterpool bereits erstattet wurden.

Auch Reinhold Mießl, der Spielleiter des Fußball-Kreises Augsburg, zuckt mit den Schultern: „Keiner kann was sagen, bis der Tag X gekommen ist. Alles ist abhängig von den Profiligen und von dem Zeitpunkt, wann der öffentliche Bereich wieder freigegeben ist. Vorher gibt es keinen Fußball.“ Wenn es die Bundesliga jedoch hinbekomme, im Mai wieder zu spielen, werde Druck von den Amateurvereinen kommen, vermutet Mießl.

Obwohl Mießl als Spielleiter derzeit ohne Spiele dasteht, hat er gut zu tun. Zusammen mit Bezirksvorsitzendem Johann Wagner und der Kreisvorsitzenden Carola Haertel ist er gerade in Web-Konferenzen mit allen Vereine unterwegs, um die Tendenzen einzufangen. „Bevor annulliert wird, hat es Priorität, die Saison irgendwie zu Ende zu spielen“, berichtet Mießl. Deshalb hat der DFB auch schon eine Satzungsänderung beschlossen, die Saison 2019/20 bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern und die Wechselfristen entsprechend auszudehnen. Dies werde gerade auf die Kreise heruntergebrochen. „Die Interessen gehen aber durchaus auseinander“, schmunzelt Reinhold Mießl, „je nachdem, wie ein Verein tabellarisch dasteht.“

Wie kann die Saison zu einem gerechten Abschluss gebracht werden?

Es gibt inzwischen auch andere Modelle, die Saison zu einem – je nach Sichtweise des Betrachters – möglichst gerechten Abschluss zu bringen. Vor wenigen Tagen wurde in einer Videokonferenz zwischen dem Fußball-Bezirk und den schwäbischen Bezirksliga-Vereinen die Frage aufgeworfen, was passieren könnte, wenn nicht alle oder gar keine Partien nachgeholt werden könnten. Daraufhin wurde als Möglichkeit genannt, aus den momentan erreichten Zwischenständen den Punkte-Quotienten zu verwenden und daraus eine „korrekte“ Abschlusstabelle zu berechnen. Gerecht wäre das Modell insofern, als es ein Plus oder Minus an ausgetragenen Begegnungen ausgleichen würde. Die Ungerechtigkeit beginnt aber bereits bei der Frage nach der Qualität der jeweiligen Kontrahenten: Der eine Titelkandidat hat möglicherweise schon zweimal gegen alle Kellerkinder gespielt, während der andere bisher überwiegend dicke Brocken vor der Brust hatte. Zusätzlich krankt auch diese Idee daran, dass immer alles Mögliche und Unmögliche passieren könnte.

Aufgrund der Corona-Krise sind in diesen Tagen sämtliche Sportanlagen auch im Landkreis Dillingen gesperrt. Ob und wann die Fußball-Saison in diesem Jahr noch zu Ende gespielt werden kann, steht in den Sternen.

„Zwei Drittel der Saison sind gespielt. Da sind Tendenzen gegeben“, meint Marco Löring. Der Trainer des SV Cosmos Aystetten steht mit seiner Mannschaft mit komfortablem Vorsprung an der Spitze der Bezirksliga Süd. Einen Abbruch der Saison würde er als „milde gesagt ärgerlich“ empfinden: „Annullieren wäre nicht richtig. Für diesen ersten Platz haben wir schließlich viel investiert.“ Der Ex-Profi, der die momentane Situation als „Wahnsinn“ bezeichnet, die rigorosen Methoden jedoch für den richtigen Schritt hält, hofft, dass bis Mitte Mai wieder etwas passiert. „Man sieht doch, was man an der ganzen Sache hat“, haben er und seine Spieler zunächst einmal auf ausstehende Zahlungen verzichtet.

Für Marco Löring hat die unfreiwillige Pause mit doppelter Kurzarbeit im beruflichen und sportlichen Bereich aber auch etwas Gutes: Der 36-Jährige ist am 20. März zum zweiten Mal Papa geworden. „Ich hätte so oder so Urlaub genommen“, sagt der frischgebackene Vater von Töchterchen Ida, der aufgrund der Corona-Verordnungen nur bei der Geburt dabei sein durfte. „Dann haben sie mich sofort wieder nach Hause geschickt“, so Löring.

Fußballspielen mit Schutzmaske und desinfiziertem Spielgerät kommt nicht infrage. Die Fußball-Amateurligen pausieren. Andere Sport-Verbände haben ihren Spielbetrieb bereits vorzeitig beendet.

„Wir sollten versuchen, die Saison irgendwie vernünftig zu Ende zu spielen. Ein Abbruch wird schwierig“, so Franz Stroh, kickender Coach des Kreisligisten FC Horgau. Dabei geht es seiner Meinung nach nicht nur ums Finanzielle, sondern in erster Linie um das Sportliche, das man sich im bisherigen Saisonverlauf erarbeitet hat. Mit seinen Spielern hält er Kontakt über WhatsApp, schickt ihnen Trainingsinhalte. „Alle halten sich fit und an die bestehenden Verbote.“ Wann es weitergeht? „Das wird spannend“, sagt Stroh.

FC Horgau verbringt eine Nacht am Flughafen

Spannend war auch der letzte Abend im Trainingslager in der Türkei, als die Horgauer Kicker erstmals mit der Corona-Krise konfrontiert wurden. „Da hieß es plötzlich in den Medien, dass man nicht mehr ausreisen darf“, berichtet Franz Stroh, dass die Delegation des FCH die ganze Nacht am Flughafen verbracht hat, um den Flieger nach Deutschland zu bekommen.

Franz Stroh spricht während des Shut-downs von einer traurigen Zeit: „Nicht nur wegen des fehlenden Fußballs.“ Und er übt Kritik: „Vor allem am Anfang war alles so konfus und kurzfristig“, sagt er über die Maßnahmen der Regierung. „Der gesamten Familie fehlt der Sport gewaltig.“ So müssen er und seine Frau, Rektorin der Grundschule in Kutzenhausen, mit zwei Kindergartenkindern zur sportlichen Selbsthilfe greifen.

Reinhold Mießl sieht die Zeit ohne Fußball übrigens als Entwöhnungsphase. Nach 26 Jahren als Funktionär denkt er ans Aufhören.

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