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Stadtbergen

24.08.2019

Gabis rollender Supermarkt erfreut ganz Stadtbergen

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2 Bilder
Von Batterien bis Bananen – es gibt wohl nichts, was Gabi Fröschle in ihrem rollenden Supermarkt nicht zu bieten hat. 
Bild: Thomas Hack

Bei Gabi Fröschle gibt es an jedem Freitag in Stadtbergen alles Nötige zu kaufen – auch exotische Waren. Und nach Ladenschluss ist längst noch nicht Feierabend.

Jeden Freitagnachmittag gegen 14 Uhr ist in Stadtbergen ein ungewöhnliches Schauspiel zu beobachten: Direkt vor der Dr. Georg Frank-Altenhilfe-Stiftung wird ein komplettes Warenhaus inklusive Obstständen, Haushaltswarenbereich, Frischetheke, Backstube, Süßigkeitenabteilung, Drogerie und Getränkemarkt aufgebaut - doch das Ganze ist nur fünf Quadratmeter groß und hat auch nur eine einzige Mitarbeiterin.

Gabi Fröschle tourt seit 15 Jahren mit ihrem rollenden Supermarkt in die Stadt, um auch älteren und gehbehinderten Menschen alles zu bieten, was für ein unbeschwertes Alltagsleben vonnöten ist.

Allwöchentlich werden zahlreiche Stadtberger angelockt

Und alleine bereits der Aufbau ihres umgebauten Autoanhängers scheint allwöchentlich zahlreiche Stadtberger Einwohner anzulocken:Von irgendwoher holt „Gabi“ kleine Klapptischchen hervor, befestigt bunte Körbchen mit Süßigkeiten am Fenster, füllt die Regale mit Feinstrumpfhosen und Fischkonserven auf.

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Rund eine Stunde später wird das Gesamtensemble nochmals kritisch in Augenschein genommen und manchmal noch kurzfristig umsortiert. Dass hier die Zahncreme gleich hinter den Zwiebelringen zu finden ist und der Grüne Veltiner direkt neben dem roten Geschirrspülmittel steht, stört hier wahrlich niemanden.

Dann kommen auch schon die ersten Kunden, die neugierig das Sortiment betrachten. Als erste Produkte gehen diesmal ein Badehandtuch und eine Handcreme über die Theke, kostenlose Kosmetikberatung seitens der Verkäuferin inklusive. „Ich kenne meine Kunden ganz genau“, lässt Gabi mit einem glücklichen Lächeln verlauten. „Und bei mir bekommen sie auch das, was sie wirklich brauchen. Man muss den Leuten doch nicht das Geld aus der Tasche ziehen.“

„Fast alles hier ist Eigenanbau“

Während sie erzählt, bringt Gabi ganz nebenbei auch höchst ungewöhnliche Dinge zum Vorschein - so etwa zwei kreisrunde Zitronengurken, eine sogenannte Ufo-Zucchini und die Neuzüchtung einer Paprika. „Fast alles hier ist Eigenanbau“, sagt die Marktbetreiberin und ordnet das exotische Gemüse irgendwo zwischen Piccolo und Puffreis ein. Selbst Fernsehgeräte, Mikrowellen und Mini-Backöfen haben hier schon den Besitzer gewechselt.

Und was sagen die Kunden zu Stadtbergens rollendem Supermarkt? Detlef Jehle, ein Bewohner der Altenhilfestiftung, ist rundum begeistert von diesem Versorgungsprojekt: „Das ist einfach genial! Es ist wie ein alter Kolonialladen und ich muss für fünf Bananen nicht das Haus verlassen. Frau Fröschle bringt auf Wunsch auch rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke mit und kann auch ausgefallene Dinge besorgen.“

Pralinen für die Lebensgefährtin statt einer Fliegenklatsche

Jehle selbst holt sich bei Gabi gerne mal eine Orange, ein „Schnäpsle“ oder die wöchentliche Fernsehzeitung - zum regulären Preis, wie er ganz ernst betont. Roland Funke, ein jüngerer Gast des benachbarten Café Sonnenbogen, kauft ebenfalls immer gerne bei Gabi ein. Eigentlich wollte er diesmal eine Fliegenklatsche erwerben, entscheidet sich aber dann doch für eine Schachtel Pralinen für seine Lebensgefährtin. „Das ist klasse hier“, bestätigt auch er. „Denn wo kommen die Leute in den Heimen eigentlich noch hin? Auch eine solche Auswahl gibt es kein weiteres Mal in der Region. Und mit Gabi kannst du ratschen und Spaß haben. Die Senioren freuen sich immer riesig, wenn sie so unter die Leute kommen.“

Kais Bellahouel, Betreiber und Koch des Café Sonnenbogen, schließt sich dieser Meinung an und erzählt, dass er gerne seine Erdbeeren bei Gabi kauft. „Sogar meine Kinder kommen nach der Schule hierher und holen sich bei ihr Fußball-Sammelkarten.“ Wie Gabi Fröschle bei einem solchen Sortiment noch den Überblick behält? „Ich habe ein fotografisches Gedächtnis und weiß ganz genau, wann etwas weg muss oder wo auf dem Kassenbon ein Tippfehler ist“, erzählt sie lächelnd.

Abends versorgt sie stationär liegende Heimbewohner

Irgendwann am frühen Abend, wenn keine Kundschaft mehr kommt, wird sie in liebevoller Kleinarbeit alles wieder eigenhändig zusammenpacken und sicher verstauen. Doch damit ist der Tag für Gabi Fröschle noch nicht zu Ende. Nach dem offenen Verkauf versorgt sie etwa stationär liegende Heimbewohner persönlich mit Lebensmitteln oder fährt auch mal mit einer Kundin in ein Modegeschäft, damit diese sich neu einkleiden kann. Gabi Fröschle hat ihre uneingeschränkte Hilfsbereitschaft mit dem rollenden Supermarkt letztendlich zu einem wertvollen Hobby gemacht.

Und dennoch bleibt sie realistisch: „Sie können alles bei mir bestellen - doch Wunder dauern etwas länger.“

Der rollende Supermarkt ist per E-Mail unter froeschlegabi@gmail.com zu erreichen.

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