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Standesamt

11.02.2015

Ganz in Weiß mit einer roten Rose

6 Bilder

Das neue Trauzimmer im alten Pfarrhaus in Zusmarshausen kommt gut an. Was es mit der Königin der Blumen und vier alten Schwarzweißbildern auf sich hat

Mit der Ehe ist es vielleicht so wie mit den vier Schwarzweißfotografien, die jetzt im Eingangsbereich des ehemaligen Pfarrhauses in Zusmarshausen hängen: In allen steckt ein besonderer Zauber. Das Geheimnis der Aufnahmen des früheren Fotografen Martin Reitmaier, der um die Jahrhundertwende Land und Leute ablichtete, hat sich bislang noch nicht lüften lassen. Die Bilder zeigen einen unbekannten Bräutigam, eine Braut, ein Brautpaar bei der Hochzeit und schließlich eine Familie mit acht Kindern – eine Serie, die hundert Jahre danach noch ihre Gültigkeit hat und jetzt im alten Pfarrhaus ihren Lauf nimmt.

Seit einigen Wochen trauen die Standesbeamten Walter Stöckle und Christine Egner sowie Bürgermeister Bernhard Uhl in dem historischen Gebäude mit seinem repräsentativen Aufgang. Das neue Trauzimmer ist ganz in Weiß gehalten. Der Raum strahlt Ruhe aus, die passend gewählte Dekoration sorgt zugleich für festlichen Glanz. Manuela Uhl, die Frau von Bürgermeister Bernhard Uhl, und viele Helfer haben ihn gestaltet.

Bauhof-Mitarbeiter kümmerten sich um eine neue Decke mit Lichtspots und den Boden, Lothar Schömer schuf ein kunstvolles und sehr einfühlendes Wandgemälde und versah es mit Worten von Antoine de Saint-Exupery. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast. Du bist für Deine Rose verantwortlich.“ Das hatte in der bekanntesten Erzählung des französischen Autors der Fuchs zum kleinen Prinzen gesagt. Und er verriet ein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

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Wer sie aufmacht, erkennt im Gang zum neuen Trauzimmer das Geheimnis der Ehe, das sich in den alten Aufnahmen von Martin Reitmaier widerspiegelt. Max Trometer hat die kostbaren Bilder auf Glasplatten – damals das erste verfügbare Trägermaterial für Fotoemulsionen – beigesteuert. Er rettete einen Teil der Sammlung von Reitmaier – ein echter fotografischer Schatz für die Nachwelt. Passend gerahmt hat ihn Centa Wamser, eine Kirchenmalerin sorgte für die erklärenden Schriftzüge.

Bislang wurde im wenige Schritte vom Pfarrhaus entfernten Rathaus getraut. Dort konnte es allerdings eng werden. Im neuen Raum haben immerhin rund 20 Gäste Platz. Damit reagiert die Marktgemeinde auf eine Entwicklung: Die standesamtlichen Trauungen nehmen zu und entsprechend größer ist der Rahmen. In Zukunft soll auch ein weiteres Zimmer im Erdgeschoss des Pfarrhauses für Empfänge genutzt werden. Der Raum, in dem Fraktionssitzungen stattfinden, den die Volkshochschule nutzt und Asylbewerber ihre ersten Deutschkenntnisse vermittelt bekommen, wird demnächst auch zeitgemäß gestaltet. Derzeit haftet ihm noch der Charme von PVC-Boden und Metallrohrstühlen mit Plastiklehnen an. Das neue Trauzimmer jedenfalls gefällt: „Das ist viel heller und freundlicher als im Rathaus. Und man ist für sich“, sagt Sandra Stöckle. Sie und Simon Jokel gaben sich als eines der ersten Paare das Ja-Wort. Ein älterer Zusmarshauser war so angetan, dass er sein Eheversprechen zur Goldenen Hochzeit im neue Trauzimmer erneuern will.

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