Dialektserie

19.01.2015

Ganz schön viel Graffel

Es gibt jede Menge Begriffe für Gerümpel und unnütze Dinge

Kaum einer spricht heute noch durchgängig Dialekt, auch nicht auf dem Land und schon gar nicht in den Städten. Unsere Sprache und unsere Redewendungen sind das Ergebnis einer Vermischung von (in den Schulen gelehrtem) Schriftdeutsch und persönlichem Sprachgebrauch, der von der sprachlichen Umgebung, vom Umgang mit anderen Menschen sowie zahlreichen weiteren Einflüssen geprägt ist. Und so fällt es einem oftmals gar nicht auf, wenn man ein Wort benutzt, das eigentlich dem Dialekt entstammt und folglich nicht von jedem verstanden wird. „G(e)ra/äffel“ ist so ein Begriff.

Dabei geht’s nicht um die mundartliche Verniedlichung des Begriffs „Graffiti“. Gemeint sind die wertlosen Gegenstände, die sich in jedem Haus im Laufe der Zeit sammeln, auch der Krimskrams, den manche Geschäfte anbieten, zählt dazu.

Die Österreicher nennen es „Kramuri“, hochdeutsch ist es Krempel, Trödel und Tand. Und es gibt jede Menge weiterer Synonyme für das „Graffel“, wie beispielsweise „Gerümpel“ und „Schund“. Eigentlich müsste die beliebte Samstagssendung des Bayerischen Rundfunks daher „Kunst und Graffel“ heißen.

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In Bayerisch-Schwaben, vor allem wohl im Allgäu bezeichnet man mit „Geraffel“ neben dem Glump auch das laute Geräusch, das auf den Boden fallendes Glas oder Geschirr beim Zerbrechen verursacht. Und tatsächlich stammt das Wort wohl von „raffeln“ ab, was mittelhochdeutsch „lärmen, schelten, klappern“ bedeutet, wie es im Duden heißt.

Im Altbairischen versteht man unter „Graffl“ ausschließlich Ramsch, Gerümpel und Unrat. Rechts des Lechs kennt man darüber hinaus auch den Begriff „Graffelwerk“ für unnützes Zeug und nicht funktionierende Gegenstände.

Nahezu in Vergessenheit geraten ist ein alter bairischer Begriff, der das Klappern, die Funktionsuntüchtigkeit eines Gegenstands beschreibt: „Leiwendig“ kennt man noch in einigen Gegenden Altbayerns sowie im Unterallgäu – und im südlichen Vogtland. Denn diese sächsische Region wurde ursprünglich von aus dem Süden eingewanderten Bayern besiedelt.

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