Dialekte

10.11.2014

Gebildete Mundart

Heute widmet sich unsere Serie über Sprache der Herkunft verschiedener Begriffe

Es gibt in unseren Mundarten viele Wörter lateinischen Ursprungs. Und es gibt etliche Wörter, die klingen zwar so, als seien sie lateinisch beziehungsweise romanisch, in Wirklichkeit stimmt das dann aber doch nicht oder ist zumindest umstritten.

Zum Beispiel „aper“ für schneelos. Da drängt sich sofort das italienische „aperto“ für offen aus, was aber falsch ist. Möglicherweise besteht allerdings eine Verwandtschaft mit dem lateinischen „apricus“ für trocken, sonnengewärmt – klingt auch plausibel, ist aber eher unwahrscheinlich, meinen der Dialektologe Professor König und der Duden.

Nein, der Ursprung ist wohl das alte deutsche Wort „abar“. Dabei steht das „a“ für weg und „bar“ für tragen – verwandt mit unserem „gebären, austragen“. Wenn ein Berghang aper ist, dann ist er leer, der Schnee also quasi weggetragen worden.

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Es gibt in unseren Dialekten auch Wörter, die geben sich den Anschein, lateinischen Ursprungs zu sein. Ein Beispiel dafür ist „Platschari“ (auch „Blatschare“) – klingt ziemlich fremdländisch, so ähnlich wie der Trachtenschmuck Charivari (mit französischer Herkunft) … oder?

Ist es aber nicht. Denn die willkürlich angefügte Endung „-ari“ oder „-are“ bekam das Wort in der Absicht, es aufzuwerten, es akademisch, also gebildet klingen zu lassen – wobei „bilden“ ja auch stimmt. Die Etymologen sind sich einig, kein lateinischer Ursprung, nein: ein rein deutscher Begriff, allerdings unklaren Ursprungs. Da ist von Lautmalerei die Rede („platsch“), aber auch von einer Verwandtschaft mit dem österreichischen und altbayerischen Wort „Bletschen“ für Blatt.

Heute wird „Blatschari“ bei uns noch in vielfältiger Weise benutzt. Etwa in der Bedeutung eines breitflächigen Gegenstands – das kann ein auffälliges Schmuckstück sein, auch ein Orden, ja sogar ein Hut großen Ausmaßes. Insbesondere östlich des Lechs ist der Begriff eher negativ belegt, es sind meist unschöne, protzige Dinge gemeint.

„Blatschari“ nennt man aber auch die breitflächige Schwellung nach einem Insektenstich, auch die Pickel der Akne und andere Hautunreinheiten. Sie heißen in der Mundart auch „Bletschen“ oder „Bletschern“, was durchaus für eine Verwandtschaft mit „Blatschari“ sprechen würde.

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