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Kultur

18.08.2017

Gelungener Saisonabschluss im Griechischen Theater

„Der zerbrochene Krug“ war der Schlusspunkt der Saison im Griechischen Theater Heretsried.
Bild: Michael Daum

Münchner Sommertheater spielt „Der zerbrochene Krug“. Regen kann Zuschauer und Schauspieler nicht vertreiben

Mit einer einmaligen Aufführung von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ hat das Griechische Theater Heretsried den Schlusspunkt unter die diesjährige Saison gesetzt. Die Truppe vom Münchner Sommertheater rund um Regisseurin Ulrike Dissmann verzauberte eine Sommernacht lang ihr aufmerksames Publikum im Heretsrieder Rundtempel der Theatermusen. Auch ein zwanzigminütiger Regenschauer im Anschluss an die Pause konnte die magische Inszenierung nicht stoppen.

Ausverkauft waren die Ränge. Im warmen Licht der untergehenden Sonne rückten die Zuschauer eng zusammen, lauschten erst dem instrumental-musikalischen Vorspiel von dreien der Schauspieler und wurden sogleich Zeugen einer Verwandlung: Der Darsteller des Dorfrichters Adam malte sich auf offener Bühne überzeugend grässliche Verletzungen mit roter Theaterschminke ins Gesicht.

Ulrike Dissman verfuhr nach altbewährtem Muster: Weitgehender Verzicht auf Kulissen und Bühnenbild, gespielt wurde vor schwarz verhängtem Hintergrund mit minimaler Ausstattung. Dafür gestattete sie dem Auge ein umso sinnlicheres Schwelgen in historischen Kostümen und verwendete sparsame Verfremdungseffekte, um die hintergründigen Botschaft des Schauspiels geschickt zu verstärken. Herausstechendstes ihrer Mittel ist dabei das Einflechten eigener Lieder in den Originaltext. Sowohl Texte als auch Melodien schreibt die Regisseurin selbst.

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Kleists Lustspiel, seinem heute wohl bekanntesten Stück und einer der beliebtesten deutschsprachigen Komödien überhaupt, tut diese musikalische Bearbeitung Dissmans ausgenommen gut. Die Vorlage mit ihren kunstvoll ziselierten, teils gereimten Blankversen lebte auf und bot den Schauspielern so weite Räume zur freien Entfaltung. Vor dem neu hinzugefügten musikalischen Hintergrund wurde das den Charakteren eingewobene Allegorische umso deutlicher.

Die Gäste hatten viel Freude an dieser eindrucksvoll gespielten Gerichtsszene in Echtzeit, in welcher der unverbesserlicher Übeltäter Adam über sich selbst zu Gericht sitzen musste.

Sie ließen sich auch nicht vom Regen beirren, der die Fortsetzung des Stücks nur kurz aufhielt. Viele harrten unter einer großen blauen Plastikplane aus, andere unter Bäumen, Schirmen und anderen Unterständen, bis der Schauer vorüber war und alle wieder gespannt der Handlung bis zum glücklichen Ende folgen konnten.

An diesem Dienstagabend hat sich der Mut zum Risiko ausgezahlt, „auch wenn der Blutdruck manchmal hoch war“, so Marlies Bernhard nach der Vorstellung. Das Unheil verkündende, blitzezuckende Unwettergrollen im Hintergrund hatte sich, statt ein abruptes Ende zu setzen, hervorragend in das sich zuspitzende Bühnengeschehen integriert, welches in „Adams Vertreibung aus dem Paradies“ seinen Höhepunkt fand.

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