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Integration

13.02.2015

Gemeinsam lernen für die Zukunft

„Bei Gottesdiensten, die wir ökumenisch feiern, ist es den nichtchristlichen Kindern freigestellt, ob sie in die Kirche gehen. Die Muslime gehen aber durchweg nicht mit.“Ingrid Homölle

Ingrid Homölle erläutert das Miteinander in der Gersthofer Mozart-Schule

Unser Land wird immer bunter: Nicht nur durch die Flüchtlingsströme der vergangenen Monate sind Flüchtlinge aus vieler Herren Ländern bei uns angekommen, auch sonst ist die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund hoch. Weil viele Familien darunter sind, wirkt sich dies auch auf den Unterricht aus, wie beispielsweise die Gersthofer Grundschulleiterin Ingrid Homölle (Mozartschule) aus täglicher Erfahrung weiß.

„Schritt für Schritt zu einem guten Miteinander“ ist das Leitmotto der Mozartschule. „Wir haben hier im Grunde kein Integrationsproblem. Die Kinder gehen unkompliziert miteinander um. Wenn die Schüler sich streiten – was zum Beispiel in den Pausen nicht selten vorkommt – ist die Abstammung der Kinder keine Ursache für deren Konflikte. Was Kirche und Glauben betreffe, gebe es allerdings noch starke Grenzen. Ingrid Homölle findet es schön, dass alle Kinder bei der Weihnachtsfeier mitmachen dürfen. „Bei Gottesdiensten, die wir ökumenisch feiern, ist es den nichtchristlichen Kindern freigestellt, ob sie in die Kirche gehen. Die Muslime gehen aber durchweg nicht mit.“ Im Hort wird nach Aussagen der Erzieherinnen vor dem Mittagessen gebetet. Die muslimischen Schüler hören entweder nur zu oder beten still. Häufig fragen die anderen: „Was betest du?“ Dann werden die Texte übersetzt und die Kinder kommen darüber ins Gespräch.

Allerdings werden alle Kinder angehalten, sich auf dem Schulgelände in Deutsch zu unterhalten. Nach Angaben von Schulleiterin Ingrid Homölle werden hier zurzeit 229 Buben und Mädchen in elf Klassen von 22 Lehrern inklusive Fachlehrern unterrichtet. Insgesamt haben circa 50 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. In zwei 1. Klassen sind es momentan 57 Prozent, in zwei 4. Klassen beträgt der Anteil derzeit bis zu 66 Prozent.

„Wir verteilen die Migranten so weit wie möglich gleichmäßig in die Klassen“, sagt Ingrid Homölle. Um als Migrant zu gelten, müsse mindestens eines der drei folgenden Merkmale erfüllt sein: Die Muttersprache ist nicht Deutsch, das Kind hat keine deutsche Staatsangehörigkeit oder ist nicht hier geboren. „Das heißt aber nicht, dass alle Migranten über schlechte Deutsch-kenntnisse verfügen“, betont die Schulleiterin.

Zu gleichen Teilen stark vertreten an der Mozartschule seien türkischstämmige Migranten und Kinder aus den osteuropäischen Ländern. Für jede Klasse bekommt die Schule eine zusätzliche Stunde Deutschförderunterricht zugewiesen, eine Fördermaßnahme der Regierung für Kinder mit Migrationshintergrund. „Allerdings ist diese eine Stunde für manche Kinder ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Die Schulleiterin stellt fest, dass bei Kindern aus den eher westlich orientierten Zuwandererfamilien die Deutschkenntnisse oftmals gut sind. Schulisch benachteiligt sind eher Kinder, deren Mütter im täglichen Umgang die Muttersprache benutzen und die deutsche Sprache nicht verstehen, die sich stark in die eigene Kultur zurückziehen und deswegen die Förderung der eigenen Kinder in der deutschen Sprache nicht unterstützen können. Ingrid Homölle betont: „Das ist aber ein geringer Anteil.“ Deswegen wäre es für die Kinder am besten, wenn auch die Eltern Deutsch lernen. Ingrid Homölle sieht hier in Gersthofen Handlungsbedarf, denn es gibt noch keine Deutschkurse für Mütter. Die Schule steht allerdings diesbezüglich seit einiger Zeit in Kontakt mit dem Familienbüro. Nach dem Vorbild der Gemeinde Langweid ist die Gersthofer Integrationsbeauftragte Karin Hoyer hier sehr um Lösungen bemüht.

Erstmals gebe es in diesem Schuljahr an der Mozartschule ein muslimisches Mitglied im Elternbeirat. Einen Islamunterricht gibts hier jedoch nicht: „Für den Islamunterricht, der verpflichtend in deutscher Sprache erteilt werden muss, stehen nur sehr wenige ausgebildete muslimische Lehrer zur Verfügung.“ Die Pestalozzischule hat ein solches Angebot, muss sich allerdings den Islamlehrer mit mehreren Schulen im Umkreis teilen, was große organisatorische Probleme mit sich bringt.

Nur geringfügige Auswirkungen hat die multinationale Schülerschaft auf den Mittagstisch, sagt die Schulleiterin. „Wir haben eine Liste mit zwei Gerichten – die Muslime können so ihr eigenes Essen bestellen.“ Ein monatliches gesundes Pausenfrühstück wird von den Eltern zubereitet. „Wir haben das inzwischen so organisiert, dass keinerlei Schweinefleisch unter den Speisen ist.“ Wichtig ist ihr auch das Sommerfest. Dabei gibt es ein internationales Büfett, das von den Eltern zubereitet wird. „So kann man Mauern einreißen.“

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