1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Gemeinsamer Alltag hilft in Neusäß gegen das Vergessen

Neusäß

12.11.2019

Gemeinsamer Alltag hilft in Neusäß gegen das Vergessen

Infolge der höheren Lebenserwartung erkranken mehr alte Menschen an Demenz. Aber zunehmend sind auch Jüngere betroffen. 
Bild: Jens Kalaene, dpa (Symbolfoto)

In Neusäß gibt es seit zwei Jahren eine Wohngruppe auf der Demenzstation. Die Nachfrage nach der speziellen Betreuung ist riesig. Eine erste Bilanz.

Wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt, bedeutet das für die Familie eine große Belastung. Wenn diese nicht mehr zu schaffen ist oder schlichtweg niemand da ist, der sich rund um die Uhr um den Erkrankten kümmern kann, gibt es in Neusäß seit zwei Jahren eine neue Möglichkeit: die Betreuung in der Demenzstation im Pflegeheim am Lohwald. Zehn Männer und Frauen leben in der offenen Wohngruppe.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die Nachfrage nach einem Platz sei riesig, berichtete Heimleiterin Justine Bohn in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses. Aktuell würden 30 Personen auf der Warteliste stehen.

Zunehmend sind auch Jüngere betroffen

Da es in Neusäß immer mehr Senioren gibt, hatte sich die Stadt zu dieser Investition entschlossen. Mit dem Umbau des Pflegeheims am Lohwald und der Einrichtung einer offenen Demenzstation sollte eine Lücke bei der Versorgung betagter Menschen geschlossen werden. Nicht nur wegen der höheren Lebenserwartung erkranken mehr alte Menschen an Demenz, zunehmend sind auch Jüngere betroffen. Im Heim am Lohwald gibt es zehn Plätze in zwei Doppelzimmern und sechs Einzelzimmern. Über 1,7 Millionen Euro wurden in die Schaffung dieser Demenzplätze investiert. Pächter und Betreiber der Einrichtung ist das Diakonische Werk Augsburg.

Gemeinsamer Alltag hilft in Neusäß gegen das Vergessen

Heimleiterin Justine Bohn freute sich, dass bis heute zwei Bewohner in der Wohngruppe sind, die von Anfang an dabei waren. Sie und ihre Mitarbeiter legten großen Wert darauf, den Erkrankten eine Struktur, eine Art roten Faden, für jeden Tag zu geben. Bohn: „Wir gestalten mit ihnen den Alltag.“ So würden die Demenzkranken zum Beispiel Obst schnippeln oder mit ihren Betreuern in der Zeitung lesen. Solche Tätigkeiten würden in einer kleinen Gruppe sehr gut gelingen. Gemeinschaft spiele auf der Demenzstation eine große Rolle, weiß Bohn.

Zuwendung soll mehr Lebensqualität bringen

Zwei Betreuer, ein Alltagsbegleiter und eine Pflegekraft, könnten sich um die zehn Demenzkranken kümmern. Diese Zuwendung soll laut Bohn mehr Lebensqualität bringen. Sie hat den Eindruck, dass sich die Erkrankten in der Wohngruppe stabilisieren. Damit die Bewohner ihren Bewegungsdrang ausleben können, sei der speziell angelegte Garten rund um die Uhr für sie geöffnet. Demenzkranke seien oft körperlich nur wenig eingeschränkt und würden gerne herumlaufen, weiß die Heimleiterin aus ihrer Erfahrung.

Wegen der großen Nachfrage sei die neue Station belegt. „Wir könnten noch einmal anbauen“, sagt Bohn. 30 Anmeldungen gebe es für diese Wohngruppe. 100 Männer und Frauen stünden auf der Warteliste für das Pflegeheim. Die Arbeit dort habe sich stark verändert, schildert Bohn. Die meisten der Bewohner seien stark pflegebedürftig (Pflegestufe 4 oder 5). Vor 20 Jahren seien auch noch Leute auf eigenen Wunsch hin ins Heim gekommen, weil sie sich das Leben einfacher machen wollten oder zu Hause nicht mehr gut zurechtkamen. Doch dies kommt heutzutage kaum noch vor. Die noch rüstigeren Senioren würden heute entweder daheim ambulant betreut oder nutzten „betreutes Wohnen“.

Das Personal wird stark gefordert

Die Veränderung in den Pflegeheimen stelle große Anforderungen an das Personal, so Bohn. Erst in diesem Jahr habe eine Auszubildende schon nach kurzer Zeit abgebrochen. „Die Pflege ist nicht einfach“, weiß die Heimleiterin. Gott sei Dank gebe es auch junge Menschen, die damit gut zurechtkämen. Ein junger Mann aus Pakistan lernt zurzeit im Pflegeheim am Lohwald und sei begeistert bei der Sache. Insgesamt macht der Heimleiterin der Personalmangel Sorgen. Noch könne sie den Pflegeschlüssel für die Stationen erfüllen. „Doch wie lange das so bleibt, weiß ich nicht.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren