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Gersthofen

01.12.2017

Gersthofen benennt neue Schule nach Anna Pröll

Gersthofens neue Mittelschule, mehr als 30 Millionen Euro teuer, soll in den WQeihnachtsferien bezogen und nach der Augsburger Ehrenbürgerin Anna Pröll benannt werden.
Bild: Marcus Merk

Nach langen internen Diskussionen beugt sich die Mehrheit des Stadtrats dem Wunsch der Schulfamilie und ehrt eine NS-Widerstandskämpferin.

Die neue Mittelschule der Stadt Gersthofen wird nach der Augsburger Ehrenbürgerin Anna Pröll benannt. Das hat der Gersthofer Stadtrat am Mittwochabend mit 18:12 Stimmen entschieden. In der gleichen Sitzung gab Bürgermeister Michael Wörle bekannt, dass die neue Schule entgegen anderslautenden Befürchtungen nun doch in den Weihnachsferien bezogen kann. Anfang Januar soll dort der Unterricht beginnen.

Die Namensgebung für die neue Mittelschule war lange Zeit umstritten

Bürgermeister Wörle hätte die Bezeichnung „Von-Parseval-Mittelschule Gersthofen“ vorgezogen, um so an den Augsburger Luftfahrtpionier zu erinnern. Doch der städtische Vorschlag fiel bei der Schulfamilie glatt durch. Schülermitverantwortung, Elternbeirat und Lehrerkollegium stimmten für Anna Pröll. Von Schülern und Lehrern erhielt der städtische Vorschlag „Von Parseval“ exakt null Stimmen.

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Weil die gesetzlichen Vorschriften für die Namensgebung von Schulen fordern, dass sich Lehrer, Eltern, Schüler und Stadtrat auf einen Namen einigen, hatten Gersthofens Stadträte am Mittwoch nur noch die Wahl, dem Vorschlag „Anna-Pröll-Mittelschule Gersthofen“ zuzustimmen oder ganz auf einen Namenszusatz zu verzichten. Es wäre dann bei der Bezeichnung „Mittelschule“ geblieben. Unter diesen Umständen schwenkte Rathauschef Wörle um: „Ich habe nichts gegen Anna Pröll.“

Die Fraktionen von CSU und Freien Wählern konnten sich intern auf keine einhellige Meinung verständigen, wobei die Mehrheit der FW-Räte für Anna Pröll votierte. Barbara Lamprecht begründete dies mit dem Votum der Schule und der Person Anna Pröll (siehe kurz informiert), die einen Großteil ihres Lebens in Gersthofen verbrachte. Diese sei als NS-Widerstandskämpferin ein Vorbild, mit dessen Würdigung „wir uns lange schwer getan haben“, sagte Grohmann.

Eine leidenschaftlichen Appell für die Bezeichnung Anna Pröll richtete Peter Schönfelder (SPD/Grüne) an die Stadträte. Im ganzen Land seien Schulen nach Menschen benannt, die während der Nazi-Diktatur Widerstand geleistet hatten. Nun habe Gersthofen die „einmalige Chance“ die 2006 gestorbene Anna Pröll „für ihre Lebensleistung zu ehren.“

Geschlossen gegen den Namenszusatz sprach sich die WIR-Fraktion aus

Ihr Sprecher Georg Brem sagte, seine Gruppierung wolle für die Schule keine Bezeichnung mit politischem Hintergrund. Der politische Druck, der in den vergangenen Wochen rund um die Namensfindung aufgebaut worden sei, bestätigte sie in dieser Haltung.

Albert Kaps (Pro Gersthofen) bezeichnete Brems Begründung als Vorwand. Nähme man sie für bare Münze, „dann dürften wir auch keine Straßen nach Politikern benennen.“ Kaps betonte den politischen Bildungsauftrag der Schulen und hob das Votum der Schule hervor: „Dem sollten wir auch folgen.“

Für die CSU warnten Max Poppe und Karl-Heinz Wagner davor, die Gegner einer Anna-Pröll-Schule „in die braune Ecke zu stellen“. Wagner, der gegen die Bezeichnung votierte, erinnerte daran, dass auch sein Vater während der Nazi-Herrschaft verfolgt worden sei. CSU-Stadtrat Frank Arloth stimmte dagegen für Anna Pröll. Nachdem seinen Favoriten „von Parseval“ keiner wolle, „will ich der Schulfamilie nicht im Wege stehen“. Auf breite Ablehnung stieß die Forderung von Christian Miller (SPD) nach einer namentlichen Abstimmung. „Man will bestimmte Kollegen unter Druck setzen,“ wehrte sich Brem.

Wie umstritten die Namensgebung, mit der sich Politik, Verwaltung und Schule seit gut einem Jahr befassen, war, zeigt eine Äußerung von Rathauschef Wörle gegen Ende der Debatte. Diese sei sehr sachlich verlaufen, so Wörle. „Das war schon mal anders.“

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