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Neusäß

31.01.2020

Getöteter Arbeiter in Neusäß: War es Mord aus Heimtücke?

Ein 34-Jähriger soll seinen Kollegen in Täfertingen getötet haben. Derzeit steht der Mann vor dem Augsburger Landgericht. 
Bild: Stefan Puchner, dpa

Plus Im Prozess um den getöteten Bauarbeiter in Täfertingen werden die Plädoyers gehalten. Es geht um die Frage, ob das Opfer von hinten oder von vorne attackiert wurde.

Lebenslänglich für Mord aus Heimtücke oder „nur“ sieben Jahre Gefängnis für Totschlag - in diesem Rahmen bewegen sich die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung bezüglich des getöteten Arbeiters in einem Wohncontainer im Täfertinger Gewerbegebiet.

Nein, es sei kein Mord aus Heimtücke gewesen, wie es Staatsanwältin Martina Neuhierl in ihrem Plädoyer vor dem Augsburger Landgericht gefordert hatte. Darin waren sich die Verteidiger des angeklagten 34-jährigen Elektrikers, wie das Opfer ein polnischer Staatsbürger, einig. Denn gerade daran, wie die Anklagevertreterin den Mord begründet habe, haben Rechtsanwalt Bernd Scharinger und sein Kollege Peter Aigner Zweifel. Anders als von der Staatsanwältin angenommen, sei das 24-jährige Opfer nach einem Streit in der Nacht des 1. Februar 2019 nicht von hinten niedergeschlagen worden. Scharinger und Aigner bezogen sich in ihrem Plädoyer vor allem auf die Untersuchungen des Rechtsmediziners Professor Oliver Peschel. Der hatte in seinem Gutachten zwar keine Beweise für die Abfolge der Attacken seitens des Angeklagten vorlegen könne, aber Wahrscheinlichkeiten beschrieben.

Angeklagter soll über zwei Promille im Blut gehabt haben

Demnach sei es gut möglich, dass der Angeklagte in der Tatnacht sein wie er selbst erheblich alkoholisiertes Opfer zunächst mit Faustschlägen ins Gesicht niedergeschlagen habe. Eine geplatzte Lippe und eine gebrochene Nase deuteten darauf hin. Also laut Verteidigung nicht nachweislich ein heimtückischer Angriff von hinten. Danach, so vermutete der Gutachter aufgrund der Lage des Leichnams am Tatort, habe der Angreifer sein wohl bereits wehrlos am Boden liegendes Opfer mit einer Hantelscheibe mit rund 20 Schlägen am Kopf massiv geschlagen. Anschließend habe er den Arbeitskollegen mit einem Fleischermesser mit Stichen und Schnitten an Hals, Brust und Bauch verletzt, sodass dieser an inneren und äußeren Wunden verblutete. Für die Verteidigung allenfalls Totschlag, weswegen die Rechtsanwälte eine Haftstrafe von sieben Jahren für ihren Mandanten forderten.

Getöteter Arbeiter in Neusäß: War es Mord aus Heimtücke?

Wird der Angeklagte nach Polen abgeschoben?

Bezüglich einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bezogen sich die Verteidiger auf das psychiatrische Gutachten von Dr. Fabian Lang. Der habe bei seiner Untersuchung des Angeklagten zwar keine, auch keine teilweise, Schuldunfähigkeit erkennen können. Möglicherweise, so Lang sollte vom Gericht aber eine Unterbringung des Angeklagten wegen seiner Alkoholkrankheit in einer Erziehungsanstalt in Betracht gezogen werden.

Diese Forderung macht sich die Verteidigung zu eigen. Nach Worten von Rechtsanwalt Scharinger ist davon auszugehen, dass der Angeklagte wie in solchen Fällen üblich nach seiner Verurteilung aus Deutschland zurück in sein Heimatland ausgewiesen werde. Eine Hoffnung für den 34-Jährigen? Zumindest wäre er in einem polnischen Gefängnis näher bei seiner Ehefrau und den vier kleinen Kindern. Das Urteil soll kommende Woche verkündet werden.

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