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Zusmarshausen-Wörleschwang

17.09.2018

Gewagt ist nicht nur die Garderobe

Blödeleien vom Feinsten mit Yasar Dogan, Mom Bee, Peter Swoboda und Björn Eberle (alias Serina Thayler, von links) gab es in Wörleschwang zu erleben.
Bild: Michaela Krämer

Beim „Soul-Stadl“ in Wörleschwang gibt es eine Liebeserklärung und einen türkischen Gast in der Lederhose. Außerdem wird gezittert.

Wer schon einmal den „Soul-Stadl“ erlebt hat, dem war das Programm nicht ganz unbekannt. Soul bedeutet Seele, und das wollten der Travestiekünstler Serina Thayler (Björn Eberle) und die Sängerin Mom Bee (Sylvia Beyerle) dem Publikum im ausverkauften Stadl rüberbringen. Heraus kam ein kunterbuntes, schräges Programm. Das Duo ergänzte sich perfekt. Mom Bee brillierte als rauchige Soulsängerin, Serina Thayler war für die Gaudi zuständig und lief als Diva zur Bestform auf. Die beiden Künstler, die seit Jahren gemeinsam auftreten, zogen dabei wieder alle Register ihres Könnens: Serina Thayler, weiblich charmant, mit frech frivoler Moderation, und Mom Bee mit ihrem genialen Blues, schon fast besser als das Original.

Björn Eberle alias Serina Thayler machte als Stand-up-Komödiant eine gute Figur und rockte den Stadl. Mit so viel Witz und Selbstironie blieb kaum ein Auge trocken. Die glitzernde Gestalt auf schwindelerregenden Highheels, viel Schminke und langer Mähne, die sie gekonnt von links nach rechts schüttelte, fragte kokett einen Gast: „Ist es das, was du dir wünschst?“

Das Publikum bekam sehr viel zu sehen und zu hören: Andreas Gabalier, Robbie Williams, Margot Werner oder auch Trude Herr brachten Mom Bee und Serina Thayler auf die Bühne. „I sing a Liad für di“ kam ebenso dran wie „So ein Mann“ und „Ich will keine Schokolade“. Da war Mitmachen angesagt, Mitklatschen und Refrain-Singen. Und das Publikum ging begeistert mit. Auch die leisen Töne „Never enough“, eine Liebeserklärung Eberles ans Publikum und seinen Mann, kamen gut an. Unzählige Male wechselten die beiden Künstler ihre Outfits – sogar auf der Bühne verwandelte sich Serina in sekundenschnelle vom Mann zur Frau. Ihr Kleiderschrank sei so gefüllt, dass sogar die Mädels vom Dorf zu ihm kommen, wenn sie mal schöne Klamotten brauchen, verriet Serina Thayler nebenbei. Gewagt, gekonnt, frech, aber niemals vulgär kamen die Pointen.

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Als Gast hatten die Hauptdarsteller den viel beschäftigten Musiker Yasar Dogan eingeladen, ein Künstler aus dem Morgenland, genauer gesagt aus Istanbul: „Weil er halt günstiger ist.“ Mit dem „traurigen Lieblingslied seines Vaters“ konnte er keinen Blumentopf gewinnen, doch dann zeigte der „Muselmann“ Energie, als er mit Lederhose, weiß-blauem Hemd und mit bayerischem Dialekt auf die Bühne kam.

Dass er „zittern kann“, bewies hingegen Peter Swoboda, der auf seiner Zither richtig Gänsehautfeeling erzeugte, und dafür einen Sonderapplaus erntete. Und auch auf der Gitarre und mit zweiter Stimme bewies er viel Gefühl, wenn er Mom Bee bei dem Lied „Amoi seg’ ma uns wieder“ begleitete.

Es war eine große Show. Für den Abend mit frivoler Verwandlungskunst, frechen Parodien, aber auch Liedern zum Nachdenken gab es einen Riesenapplaus für zwei schillernden Künstler und ihre Gäste.

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