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Landkreis Augsburg

14.11.2018

Gewaltfrei kommunizieren? So funktioniert’s

Friedliche Weihnachtstage mit der Familie verbringen? Leider wird gerade am Fest der Liebe viel gestritten. Doch es gibt Methoden, um auch in einer Streitsituation sachlich-konstruktiv zu bleiben.
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Friedliche Weihnachtstage mit der Familie verbringen? Leider wird gerade am Fest der Liebe viel gestritten. Doch es gibt Methoden, um auch in einer Streitsituation sachlich-konstruktiv zu bleiben.
Bild: Andreas Gebert, dpa (Symbolbild)

Theresia Zettler hat eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation (GFK) absolviert. Vier grundsätzliche Schritte und jede Menge Übung sind dafür nötig.

„Du bist einfach nur faul“, schallt es dem 15-jährigen Sven entgegen. Diese Worte treffen ihn wie ein Schlag ins Gesicht. In seinen Augen hat er sein Bestes gegeben, doch das war anscheinend nicht genug. Hätte sein Ausbilder ihm gesagt, ihm sei Effizienz wichtig, deswegen hätte er es anders gemacht, wäre das bei dem Jugendlichen ganz anders angekommen, doch so …?

Das Ziel: sachlich-konstruktiv zu kommunizieren

So hat Sven das Gegenteil von „Gewaltfreier Kommunikation“ (GFK) erleben müssen. Die Kommunikationsmethode hat zum Ziel, sachlich-konstruktiv zu kommunizieren. „GFK ist eine Haltung und Einstellung“, weiß Theresia Zettler, die bei der Vhs einen Vortrag zum Thema anbietet. Um die Teilnehmer des Kurses in die Kommunikationsweise von GFK einzuführen, sind vier Schritte nötig, weiß die Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft Bobingen.

Zunächst gilt es Beobachtung und Bewertung voneinander zu trennen, wie bereits das Beispiel von Sven zeigte: Hätte sein Ausbilder ihm gesagt, auf welches konkrete Verhalten sich seine Aussage bezieht und was für ihn Effizienz bedeutet, wäre dieser Ansatz durchaus konstruktiv gewesen. Ihn jedoch als faul zu bezeichnen, war ein „moralisches Urteil“, das eher zu gegenseitigen Schuldvorwürfen als zu gegenseitigem Verständnis und zur gewünschten Veränderung führt.

Gefühle und Gedanken trennen

Wie entscheidend Kleinigkeiten in diesem Zusammenhang sein können, zeigt auch der Umgang mit dem Wörtchen „aber“. Theresia Zettler erklärt: „Jedes ‚aber’ verneint den vorherigen Satz.“ Deswegen hat sie ihre eigene Kommunikationsweise umgestellt. Statt einem „aber“ benützt sie nun die Wortfolge „und gleichzeitig“.

Im zweiten Schritt geht es darum, die Welt der Gefühle und der Gedanken zu trennen, und das ist mit Blick auf die Worte, die dabei verwendet werden, mitunter recht schwierig. Der Satz „ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht“ ist die Formulierung eines Gedanken, einer Interpretation.

Die Aussage „ich bin irritiert“ zeugt im Gegensatz dazu von einem Gefühl. Unterschieden wird nach GFK in sogenannte Pseudogefühle und körpereigene Gefühle. Ein Pseudogefühl erkennt man daran, dass ein anderer für das eigene Gefühl verantwortlich gemacht wird. Damit wird der andere beschuldigt oder verurteilt. Das kann sich in Sätzen äußern wie etwa „ihr schließt mich aus“. Nach GFK könnte dieser Satz hingegen lauten: „Ich bin einsam. Ich will dazugehören.“ Hier lernen die Kursteilnehmer auch was es heißt: Auslöser und Ursache zu trennen, herauszukommen aus der „Opferrolle“ und Selbstverantwortung zu übernehmen.

Im dritten Schritt geht es darum, Bedürfnis und Strategie unterscheiden zu können. Bedürfnisse wie Vertrauen, Anerkennung, Entspannung, Wertschätzung, Struktur, Freiheit und andere zeigen an, was einem Menschen, bzw. was dem Gegenüber wichtig ist, was jeder erreichen will. Die Strategie hingegen ist die konkrete Handlung, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Überall einsetzbar: zwischen Eltern und Kindern, in Familienangelegenheiten, in Beziehungsthemen, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz

Während Bedürfnisse uns Menschen verbinden, führt das Beharren auf Strategien, die wir gelernt haben, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, oft zu Streit, zu Konflikten. Das Schlüsselwort der GFK hierzu lautet „(Selbst)-Empathie“, sprich: Einfühlungsvermögen für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und für die des Gegenübers.

Im vierten Schritt geht es um die Abgrenzung von Bitte und Forderung. Der Unterschied ist schnell erklärt: Folgt auf eine Bitte ein „Nein“, ist dieses Nein durchaus auszuhalten, denn es zeigt von freier Meinungsäußerung. Wird eine Forderung mit einem „Nein“ quittiert, so leidet die Beziehung der Kommunikationspartner. Die Frage lautet: Wie kann ein Mensch sein Anliegen so ins Wort bringen, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der andere aus freiem Willen zu meinem Wohl beiträgt, bzw. wie kann ein Mensch die Bitten anderer so hören, dass sie aus freiem Willen zu ihrem Wohl beitragen und das Zusammenleben so besser gelingt?

Ihre Intention, anderen GFK näherzubringen, bringt Theresia Zettler mit einfachen Worten auf den Punkt: „Ich will zum Frieden beitragen - in mir und mit anderen.“ Deswegen hat sie sich nach ihrer Ausbildung in GFK, die bereits in den Jahren 2008 und 2009 erfolgt ist, dazu entschieden, diese Haltung in einem Vhs-Kurs weiterzugeben.

Einsetzbar ist GFK in ihren Augen überall: Im Gespräch zwischen Eltern und Kindern, in Familienangelegenheiten, in Beziehungsthemen, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz - kurzum überall dort, wo Kommunikation stattfindet.

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