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Gablingen

22.11.2017

Glück in der Liebe, Glück im Spiel

Das kantige Original grüßt mit 80 Jahren souverän seine Gratulanten. Pius Kaiser war 30 Jahre lang Bürgermeister von Gablingen.

Pius Kaiser war 30 Jahre lang Bürgermeister von Gablingen. Er hatte es nicht immer leicht, jetzt feiert er seinen 80. Geburtstag.

Sein Lebensanfang war schwierig. Der kleine Gablinger Bauernbub kam mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Das war vor 80 Jahren. Pius Kaiser, der 30 lange Jahre Gablingens Bürgermeister war, hatte es nicht leicht im Leben. Trotzdem hat er es zu etwas gebracht: beruflich, wirtschaftlich, privat. Ein Mann, der sich anfangs schwergetan hat mit Frauen. Der lange allein war. Dafür aber Erfolg gehabt hatte mit seinem Hof – und an der Börse.

Als er 50 war, kam das Glück

Er lernte geschäftlich die junge Witwe Luise Wittmann kennen, ebenso ihre drei Söhne. Sie waren beim plötzlichen Tod ihres Vaters erst sieben, elf und 17 Jahre alt. Aus der geschäftlichen Verbindung wuchs eine private Beziehung. Bald wurde Hochzeit gefeiert. Doch welch Ironie des Schicksals: Der Hochzeitstag, der 19. Oktober 1987, ging als „Schwarzer Montag“, als Tag des größten Börsencrashs nach dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte ein. Pius Kaiser war trotz des nur vorübergehenden finanziellen Absturzes privat vollkommen im Aufwind. „Ein Volltreffer“, sagt Kaiser heute. Ein glücklicher Mann, dem aber politisch oft ordentlich der Wind ins Gesicht blies.

Mit Luise Wittmann-Kaiser bekam Pius Kaiser noch einen gemeinsamen Sohn, Pius Kaiser junior. Die Kinder seiner Frau aus erster Ehe, Robert, Thomas und Franz Wittmann, sind ihm ebenso ans Herz gewachsen. Er spricht voller Hochachtung von ihnen: „Super Männer.“

An seine Kindheit als einziger Sohn erinnert er sich gut. Russen, Polen, Franzosen arbeiteten damals auf dem elterlichen 25-Hektar-Hof. Mit den Kriegsgefangenen ist er aufgewachsen. Das Gebiet bei Gablingen wurde wegen des nahen Flugplatzes – heute Radarstation – heftig bombardiert.

Schon als Bub an Politik interessiert

Pius besuchte die Gablinger Volksschule, dann die landwirtschaftliche Berufsschule. Damals hatte er Leonhard Hüttenhofer als jungen Lehrer. Dieser war später stellvertretender Landrat und Landtagsabgeordneter. Kaiser: „Der hat mir imponiert und mich geprägt!“ Zudem interessierte sich Pius Kaiser schon als Bub stark für Politik, hörte im Radio Bundestagsdebatten, die Ansprachen von Konrad Adenauer und Herbert Wehner. Selbst gehörte Pius Kaiser der CSU an, war Ortsvorsitzender in Gablingen, kam 1968 in den Gemeinderat.

Damals gab es einen SPD-Bürgermeister in Gablingen. 1972 wurde Pius Kaiser Zweiter Bürgermeister und merkte bei seiner Arbeit im Rathaus, „dass das kein Hexenwerk ist“. Die SPD verlor die Mehrheit, ein unabhängiger Bürgerblock hatte sich gebildet, erinnert sich der 80-Jährige zurück. 1978 wurde Kaiser selbst zum Ersten Bürgermeister gewählt. Lützelburg wurde im Zug der Gebietsreform eingegliedert. 1984 wurde Pius Kaiser wieder Erster Bürgermeister. Diesmal nicht als CSU-Mann.

Er war der Kandidat der CSM. Schon lange vorher hatte er gemerkt, „dass in der CSU einige Leute nicht mehr mit mir zufrieden waren und dass ich als CSU-Kandidat nicht mehr in Frage kam.“ 32 Gablinger CSU-Mitglieder hatten ihr Parteibuch Franz-Josef Strauß zurückgeschickt. Auch in Augsburg hatten damals CSU-Rebellen die CSM gegründet. Kurzum: Pius Kaiser gewann die Wahl, ebenso 1990, 1996 und 2002. Karl Hörmann, heutiger Bürgermeister und ebenfalls der CSM angehörend, löste 2008 den nun 70-jährigen Pius Kaiser ab. Kaiser war auch im Kreisrat aktiv, sechs Jahre bei der CSU, zwölf Jahre bei den Freien Wählern.

Dass er politisch Ecken und Kanten hatte und streitbar war: Darüber will er keine Einzelheiten mehr erzählen. Er führt nur die Steigerung des „Feindbegriffs“ an: „Feind, Erzfeind, Parteifreund.“ Das habe er kennengelernt. Sein wichtigstes Ziel als Gablinger Bürgermeister sei Wirtschaftlichkeit gewesen. Er wollte immer Gebühren und Abgaben für die Bürger niedrig halten. Zu Hause habe er sein Vermögen stetig vermehrt, immer wirtschaftlich gedacht: „Das ist meine Stärke.“ Kaiser kommt damit klar, dass er Neider im Dorf hat. Der Umgang mit Aktien reizt ihn auch heute. Bei Galopprennen in München-Riem, auf der Rennbahn in Baden-Baden und in der Spielbank riskierte er etwa. Aber nicht zu viel. Die Familie, zu der die vier Kinder und neun Enkelkinder gehören, ist oft dabei. Und gerne macht Pius Kaiser mit seinem Jeep kleine Ausflüge: „Das leiste ich mir.“

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