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17.09.2018

Großbäcker flüchtet unter den Schutzschirm

Das Geschäft mit Backwaren ist umkämpft. <b>Symbolfoto: Laura Loewel</b>

Gersthofer Backbetriebe wollen sich neu aufstellen und so retten

Die sich in der Krise befindenden Gersthofer Backbetriebe wollen sich eine Atempause für die Sanierung des Unternehmens verschaffen. Die Geschäftsführung hat einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren am zuständigen Amtsgericht München gestellt. Das teilte das Unternehmen gestern mit und betonte zugleich: „Der Geschäftsbetrieb des Backbetriebes wird uneingeschränkt fortgeführt.“

Die nächsten Monate würden wie jedes Jahr als umsatzstarke Monate für das Unternehmen erwartet und seien daher für die Umsetzung der Sanierung eine gute Grundlage, teilten die Backbetriebe gestern mit. Die Kunden und Geschäftspartner könnten weiterhin auf die gewohnt hohe Qualität der Produkte vertrauen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

Betriebsrat und Gewerkschaft sind informiert

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wurden nach Angaben der Firma bereits informiert und werden im weiteren Prozess eng eingebunden.

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Im Jahr 2017 wurde eine halbe Million Euro Verlust eingefahren. Für die Jahre 2018 sowie perspektivisch 2019 sind keine Verbesserungen der Situation zu erwarten. Die Geschäftsführung möchte mit dem Schutzschirmverfahren das Unternehmen neu aufstellen, um das Geschäftsmodell den neuen Kundenanforderungen anzupassen.

Das Schutzschirmverfahren ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen und der dortigen Arbeitsplätze. Die Geschäftsführung führt weiterhin die Gesellschaft, wobei sie dabei von einem vom Gericht bestellten Sachwalter begleitet wird.

Derzeit knapp 400 Mitarbeiter

Der Gesellschafter hat nach Firmenangaben bereits signalisiert, „weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, um die zukunftsfähigen Arbeitsplätze zu sichern“. Bereits in der Vergangenheit hat der Gesellschafter das Eigenkapital gestärkt und mit Liquidität die Lohn- und Gehaltszahlungen gesichert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 400 Mitarbeiter.

Bekannteste Marke der Backbetriebe ist der Lechbäck mit seinen Filialen im Raum Augsburg. Dort werden aber nur rund fünf Prozent der Umsätze von insgesamt rund 35 Millionen Euro erwirtschaftet. Den Löwenanteil des Geschäfts machen Großkunden wie Discounter aus. Genau in diesem Bereich aber befinde sich die Branche im Umbruch. Backbetriebe-Geschäftsführer Benedikt Grebner: „Qualitativ hochwertiges Brot ist am Markt weiterhin gefragt, muss sich aber heute billigen Aufback-Alternativen stellen. Hierauf müssen wir das Unternehmen neu ausrichten.“

Gesellschafter ist die Münchner Serafin-Gruppe. Deren Geschäftsführer Philipp Haindl sagte gegenüber unserer Zeitung: „Die Gesellschaft muss sich grundlegend neu aufstellen.“ Bestimmte Kategorien wie Schnittbrot, saisonale Produkte wie Früchtebrot, mehr Konditorei-Artikel und eine stärkere Konzentration auf Kühl-Belieferung seien Möglichkeiten. An den Konzepten dafür werde nun mit Hochdruck gearbeitet, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Haindl: „Für weitere Aussagen darüber hinaus ist es aktuell noch zu früh.“

Keine Lohnerhöhung für Beschäftigte

Zu Jahresanfang waren die Backbetriebe aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, die Beschäftigten kamen nicht mehr in den Genuss von Tariferhöhungen. 2,5 Prozent wären das gewesen, sagt Tim Lubecki von der Gewerkschaft NGG. „Die Kollegen haben ihren Beitrag geleistet.“ Nun sei die Gewerkschaft gespannt, welche Vorschläge die Geschäftsleitung mache. Lubecki: „Wir werden diesen Prozess kritisch begleiten.“ Die Gewerkschaft sei der Auffassung, dass Serafin, hinter der die Augsburger Unternehmerfamilie Haindl steht, der richtige Partner für die Gersthofer Backbetriebe ist. Den Streit über den Lohnverzicht haben die Arbeitnehmervertreter noch nicht zu den Akten gelegt. Lubecki: „Eine Großbäckerei kann auch mit Tariflöhnen wirtschaftlich betrieben werden.“ "Wirtschaft Seite 10

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