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Konzert

07.09.2016

Große Kammermusik im vollen Rathaussaal

Hisako Kawamura und Maximilian Hornung begeisterten zum Auftakt der neuen Rathauskonzert-Saison in Dinkelscherben.
Bild: Ludwig Hornung

Wie Sarah Christian, Maximilian Hornung und Hisako Kawamura das Publikum in Dinkelscherben begeistern

Ein Geburtstagsständchen im Tutti als Zugabe musste sein. Schließlich war es ein runder, den Ludwig Hornungs Frau Gertrud in diesen Tagen feierte. Daher griff auch der 2. Konzertmeister der Augsburger Philharmoniker zur Geige und spielte mit den Interpreten des Abends die eigens komponierten Variationen über „Happy Birthday“ für zwei Violinen, Cello und Klavier. Doch das Publikum hatte nicht genug und machte das mit rhythmischem Klatschen deutlich. Zwar war es stickig im Saal und übervoll. Doch sicher hätte kaum jemand etwas gegen ein weiteres Encore oder gar Dacapo des ganzen Programms gehabt. Denn Stücke und Darbietung bei diesem Auftaktkonzert zu den Dinkelscherber Rathauskonzerten waren grandios gewesen.

Violinistin Sarah Christian, Cellist Maximilian Hornung und die Pianistin Hisako Kawamura sind exzellente, auch auf internationalem Niveau herausragende Solisten, aber zugleich hervorragende Kammermusiker. Die „Passacaglia“ von Johan Halvorsen für Violine und Violoncello, frei nach Händel und in typischer spätromantischer Manier, war im Zusammenspiel perfekt und filigran aufeinander abgestimmt. Die energiereichen Schnörkel in rasantem Tempo, Dynamik und Phrasierung wurden passgenau zusammen gespielt. Atemberaubend gelang auch das hochvirtuose Hasch-mich in der „Caprice de Figaro“ aus Wilhelm Killmayers vier „Romanzen“ von 2010 für Cello und Klavier von rein romantisch bis skurril, die Mozarts Ouvertüre zur entsprechenden Oper karikierend, Hummelflug-ähnlich launig ausufernd zur Vorlage nahm.

Wie Maximilian Hornung vorab erklärte, ist das Changierend zwischen Humor und Ernst – wie zwei Seiten einer Münze – typisch für den 89-jährigen Münchner Komponisten. Das Thema des „Scherzo lento“ – an sich schon ein Gegensatz, da Scherzi meist schnell sind – war aufreizend simpel, schließlich wurde sogar im Wechsel gepatscht statt gespielt.

Dramatisch und rhetorisch-expressiv klang Gaspar Cassadós Suite für Cello solo, technisch auf höchster Schwierigkeitsstufe, der dem Cello Solostimme und quasi Orchesterbegleitung zumutete: Unterschwellig klang das Orchester mit, und wie bei Bach etwa hatte der Cellist stützende Arpeggien oder gar Zweitstimmen zur Melodie zu spielen. Maximilian Hornung verstand es dabei eindrucksvoll, aus jedem Ton ein Ereignis zu machen. Im zweiten Teil musizierten alle drei Interpreten zusammen. Mendelssohn Bartholdys Trio in d-Moll, op.49 Nr.1, bedachte das Klavier mit solistischem Part. Leicht ist es daher nicht, die Lautstärke kammermusikalisch zu dämpfen. Die klangliche Schönheit und Präzision des Trios, aber auch das Musizieren aus dem Vollen und die Spannung waren ein Genuss. Das Publikum hielt im finalen Tonrausch den Atem an und brach zuletzt in Jubel aus.

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