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Landkreis Augsburg

23.07.2016

Große Treppe für kleine Fische

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2 Bilder
Stolz auf die Fischtreppe bei Wehringen ist Günter Oßwald, der Vorsitzende des Fischervereins Bobingen.
Bild: Marcus Merk

Einst tummelten sich Nasen und Barben in Massen in unseren Flüssen. Heutzutage sind sie rar. Doch das soll sich ändern. Wie, dafür gibt es bei Bobingen ein Beispiel

Die Barbe ist für Günter Oßwald, den Vorsitzenden des Fischervereins Bobingen, ein Stück Heimat. Oder besser gesagt: Die Barbe war ein Stück Heimat, denn die Fische sind rar geworden in den Flüssen im Augsburger Land. Das hängt zusammen mit dem Bau der Stauwerke.

Warum das so ist, wird mit Blick auf ein großes Stauwerk klar: Für die Tiere ist hier kein Durchkommen mehr - und das trifft den Wanderfisch, die Barbe, schwer. Und noch zwei Folgeprobleme ergeben sich aus den sich ändernden Wasserbedingungen. Die Barbe liebt die starke Strömung und braucht ein Kiesgewässer, um abzulaichen und sich damit fortpflanzen zu können. Wohlwissend, welche Lebensbedingungen Günter Oßwalds „Heimatfisch“ schätzt, freut er sich nun über die Bemühungen, durch große Investitionen, der Barbe wieder eine Heimat zu bieten.

Zwei unterschiedliche Beispiele: Wer an der Wertachbrücke in Inningen am Fluss entlang spaziert, braucht ein geschultes Auge, um zu erkennen, dass dort Fischtreppen entstanden sind, die ganz natürlich in die Natur eingebettet wurden. Deutlicher zeigt sich die Funktionsweise einer Fischtreppe am Mammutgebilde direkt vor dem Wehr. Mächtig steigt hier der Koloss der Fischtreppe empor, doch nicht nur das Gebilde ist imposant, sondern auch der Weg, den die Fische nehmen. Denn um den Fischen den Weg aufzuzeigen, mussten die Bauherren in die Trickkiste greifen.

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„Ein extra angebrachtes Rohr sorgt für künstliche Strömung“, erklärt Günter Oßwald das, was vielen Spaziergängern verborgen bleibt. In Kombination mit Steinen wurde hier ein „Eingangsschild“ für die Fische inszeniert, damit diese, angelockt von Strömung und Kies, auch den Weg zur Fischtreppe finden. Und diese bewandern die Tiere von unten nach oben. „Zumindest die Laichfische wandern stromaufwärts, weil sie denken dort gibt’s Kies“, verrät der Fischkenner und ergänzt: „Als Jugendliche können sie dann durchaus wieder nach unten wandern.“ Dann findet man sie dort im Wasser, wo die beste Strömung herrscht.

Das, was auf der einen Seite der Fischtreppe schon ganz gut zu klappen scheint, ist auf der anderen Seite - nämlich am anderen Ende des idyllischen Bachlaufes, der sich parallel zur Wertach fast schon unscheinbar entlang schlängelt - noch ein großes Problem. Dort fehle das „Eingangsschild“, das den Fischen eine sichere Umleitung und Alternativroute zum Wehr biete. Dass das Konzept Fischtreppe funktioniert, hat eine dokumentierte Elektroabfischung an der Fischtreppe Wertachstau Inningen ergeben. Die Auswertung zeigt: Insgesamt 15 Fischarten konnten festgestellt werden.

Den größten Anteil machten dabei Bachforellen und Aitel aus. Auch Elritzen und Bachschmerle konnten nachgewiesen werden. Und zu Günter Oßwalds großer Freude wurden auch 32 Barben gezählt. Die meisten der Tiere waren - über alle Fischarten hinweg - sehr kleine Fische, was darauf schließen lässt, dass sich die Fischtreppe und die nähere Umgebung auch ein Stück weit als Kinderstube etabliert hat.

In diesen Tagen stand die Überprüfung einer weiteren Fischtreppe in Bobingen an der Singold an. Hier soll erstmals die Funktionsfähigkeit der Fischtreppe dokumentiert werden. Für die Fisch-Freunde, die sich im Fischereiverein engagieren, bedeutet das, regelmäßig einmal am Tag die Netze zu überprüfen und genau zu dokumentieren, welche Fische vorgekommen sind. Neben Prüfungsaufgaben wie dieser sorgt Günter Oßwald mit dem Fischereiverein Bobingen auch aktiv dafür, dass sich die Anzahl an Barben in den Gewässern erhöht. „Jeden Herbst setzen wir 1000 Nasen und 1000 Barben ein“, berichtet der Vereinsvorstand. Damit stemmt der Verein 2000 Euro, kann aber auf Zuschüsse aus dem Artenhilfsprogramm setzen. Obwohl sie meist in einem Atemzug genannt werden, gibt es zwischen Nasen und Barben Unterschiede. Die Laichzeit der Nasen ist bereits in März und April - Barben hingegen laichen von Mai bis Juli. Nasen sind ausgesprochen fleißige Schwimmer und ziehen gut und gerne über 50 Kilometer innerhalb des Flusssystems umher. Zum Ablaichen schwimmen sie gemeinsam im Schwarm weg vom Hauptstrom, um in flachen Kiesbänken ihre Eier in flache Mulden zu legen. Auch Barben bevorzugen flache Laichgewässer. Ein Liebling der Angler ist die Barbe ganz und gar nicht, denn „der Fisch ist sehr grätenreich“, verrät der Fischkenner. Nasen dürfen ganzjährig nicht geangelt werden, um den Bestand zu erhalten.

Allerdings hat Günter Oßwald, der fischt, seit er 15 Jahre alt ist, schon einmal eine Nase aus dem Wasser gezogen. Stolz präsentiert er einen Steinabdruck der Nase und den Kopf des Fisches, den er damals geangelt hat, als es in der „Barbenregion“ noch Lebensräume für diese Tiere gab.

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