1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Grün blüht im Augsburger Land auf, Rot welkt dahin

Landkreis Augsburg

05.10.2019

Grün blüht im Augsburger Land auf, Rot welkt dahin

eigenen Bürgermeisterkandidaten antreten, lassen die von Wahlschlappen gebeutelten Roten die Köpfe hängen.
Bild: Thomas Kienzle, dpa

Plus Jetzt stellen die Parteien ihre Kandidaten auf. Dabei zeigt sich: Die Kräfteverhältnisse haben sich geändert und mancherorts riecht es stark nach Stichwahl.

Bernhard Walter kam bisher auch ohne die Grünen ganz gut zurecht. Seit 2002 ist er für die SPD Chef im Rathaus von Altenmünster im Nordwesten des Landkreises Augsburg. Seine Fraktion ist stärkste Kraft im Gemeinderat der 4000-Einwohner-Gemeinde, und in den letzten Monaten von Walters Amtszeit sollten endgültig die Weichen gestellt werden für ein Projekt, auf das sie in Altenmünster seit Jahren hingearbeitet hatten: ein Ärztehaus in der Ortsmitte für rund zehn Millionen Euro.

Doch statt der Krönung gibt es jetzt Gegenwind. Der neu gegründete Grünen-Ortsverband führt die Opposition an, erstmals will die Partei auch im neuen Gemeinderat vertreten sein. Die SPD dagegen – so viel ist jetzt schon sicher – muss draußen bleiben. Ihr Name wurde von der bisherigen gemeinsamen Liste mit den Unabhängigen Bürgern gestrichen.

Die Grünen gründen einen Ortsverein nach dem anderen

Diese Entwicklung ist bezeichnend für etliche Teile des Augsburger Landes. Während die Grünen aufblühen und einen Ortsverein nach dem anderen gründen und mit eigenen Bürgermeisterkandidaten antreten, lassen die von Wahlschlappen gebeutelten Roten die Köpfe hängen. In Zusmarshausen haben SPD-Gemeinderäte eine neue Liste gegründet: Wo SPD drin ist, soll ja nicht mehr SPD draufstehen. Und in Welden, wo die Genossen derzeit Rathauschef und stärkste Fraktion stellen, ist Rot auch so gut wie verwelkt. Bürgermeister Peter Bergmeir hört altersbedingt auf, die verbleibenden Gemeinderäte treten wegen des „desolaten Zustands der Partei“ auf einer anderen Liste an.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Diese Veränderungen in den Kräfteverhältnissen gebiert neue Bündnisse. In den Städten Stadtbergen, Neusäß und Gersthofen tun sich etwa die SPD-Ortsvereine zusammen, um möglichst viele Kandidaten in den Kreistag zu hieven. In Gersthofen hat sich überdies ein Bündnis aus Freien Wählern, SPD und Grünen gefunden, das dem parteilosen Bürgermeister Michael Wörle zur Wiederwahl verhelfen will.

Auch die Konkurrenz wird sich aus der Deckung wagen

Rund ein halbes Jahr vor den Kommunalwahlen ist schon klar: In fünf von sechs Städten des Landkreises Augsburg (in Stadtbergen steht keine Bürgermeisterwahl an) wollen die Amtsinhaber wieder antreten. In den kommenden Wochen werden sie offiziell nominiert und auch die Konkurrenz wird sich aus der Deckung wagen: Wer soll den Amtsinhaber aus dem Sattel heben? In Bobingen steht schon fest: Bürgermeister Bernd Müller (SPD) muss sich gegen vier Bewerber behaupten. der Fünfkampf riecht nach einer Stichwahl und Verlängerung des Wahlkampfes über den 15. März hinaus.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Mit Spannung wird zudem erwartet, wo die AfD überall antreten wird. Nach derzeitigen Stand wollen die Rechtspopulisten in vier Orten (Welden, Königsbrunn, Neusäß, Meitingen) sowie für die Landrats- und Kreistagswahl Bewerber aufstellen. Für die Kreistagsliste, die in einer nicht öffentlichen Sitzung in Gersthofen zusammengestellt wurde, fanden sich am Ende 23 Kandidaten für 70 Plätze. Angeführt wird sie von dem Königsbrunner Frank Skipiol.

Der AfD-Bezirksrat ist einer von drei bisher bekannten Herausforderern von Landrat Martin Sailer (CSU). Die anderen beiden sind die Grüne Silvia Daßler aus Neusäß sowie der Königsbrunner Maximilian Arnold (Linke). SPD und Freie Wähler wollen ebenfalls ins Rennen einsteigen, nennen aber noch keine Namen.

Sailer ist bei der Landratswahl glasklarer Favorit

Zwar ist Sailer, mittlerweile auch Präsident des Bezirkstages und designierter CSU-Vize, bei der Landratswahl glasklarer Favorit. Doch der Konkurrenz wird es zumindest darum gehen, mit guten Spitzenkandidaten bei den Kreistagswahlen zu punkten. In dem 70-köpfigen Gremium, in dem auch noch FDP und ÖDP vertreten sind, hat die CSU seit fast zwölf Jahren keine stabile absolute Mehrheit mehr. Sie paktiert deshalb – ähnlich wie in Augsburg – seit 2014 mit der SPD. Davor dienten die Freien Wähler als Mehrheitsbeschaffer. Dass er auch mit den Grünen als Partner ganz gut zurechtkäme, macht Landkreischef Sailer schon auf schwäbischer Ebene vor. Im Bezirkstag gibt schwarz-grün den Takt vor.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren